Antwerpen – what’s hot and what’s not

21. – 23. Juli 2020

Auch hier wieder mit Karte – einfach drauf klicken um all die schönen Orte zu finden, die ich auch besucht habe.

Da bin ich nun zum ersten Mal in Belgien (Willkommen 31. Land in meiner Reiselaufbahn) und weiß absolut nichts über dieses Land, geschweige denn über Antwerpen. Ich weiß ungefähr wo Belgien liegt, das es einen französischen und einen flämischen Teil mit unters. Sprachen hat und das es hier leckeres Bier, Waffeln, Schokolade und Fritten gibt. Da hört mein Allgemeinwissen auch schon auf. Geht das nur mir so, dass Belgien irgendwie so unter dem Radar läuft?!

Wie sich Belgien so anfühlt und ob man einen Citytrip nach Antwerpen planen sollte, hab ich für euch heraus gefunden.

Anreise

Von Rotterdam mit dem Flixbus in unter 2 h für gerade mal 7€. So mag ich meine Low Budget Reisen.

Der Flixbus hält am Hauptbahnhof, zu dem ich später noch kommen werde. Ich wusste, dass dieser sehr schön ist aber nicht, dass er in einem eher weniger schönen Multikulturellen Wohnviertel liegt. Da war ich schon zum ersten Mal enttäuscht.

Unterkunft


Das Yust Hostel ist einfach nur der Wahnsinn! Das hipsterigste Hostel in dem ich je geschlafen habe. Es liegt im Stadtteil Berchem und selbst die Gegend ist recht fancy gleich neben dem Brauerei Viertel.


Alles ist super stylish eingerichtet, es gibt eine tolle Dachterrasse und in den Zimmern hat man durch schicke „Kojenbetten“ inkl. Licht und Steckdose, richtig viel Privatsphäre.

Und selbst der Preis ist mit 24€ die Nacht echt okay. Ich bin nur kein Fan der Bäder im Zimmer, denn zum einen ist es recht laut und zum anderen wird es früh schwierig wenn 8 Mädels gleichzeitig aufstehen wollen. Und auch der Weg in die Altstadt ist mit 2,5 km zu Fuß recht weit. Es gibt aber eine Metro gleich um die Ecke und für nur 5€ am Tag kann man sich ein Rad ausleihen. Wer es noch privater möchte der findet hier auch Doppelzimmer und sogar Suiten. Also sehr zu empfehlen.

Lieblingsorte aka „What´s hot“

Vlaaikensgang

Dieser Ort beweist mal wieder, dass eine gründliche Vorabrecherche immer gut ist wenn man einen Ort entdecken will, denn dieses winzige Plätzchen hätte ich sonst definitiv nicht gefunden.

Botanischer Garten

Habe ich nur durch Zufall auf dem Weg vom Hostel in die Innenstadt entdeckt. Ich liebe Orte, die einen mal kurz aus dem Großstadtgefühl raus nehmen und einem Energie schenken.

Der kleine botanische Garten liegt genau neben dem Krankenhaus. Es gibt ein sehr schönes Gebäude mit einem schicken Restaurant, viele Bänke die zum Verweilen einladen, ein großes Gewächshaus mit tropischen Pflanzen und viele grüne und blühende Gewächse zu bestaunen. Nur wenige Touristen finden ihren Weg hier her aber meiner Meinung nach ist ein Abstecher ein absolutes Muss.

Universitätsviertel

An sich nicht wirklich spannend aber der Teil der Uni in der Prinsenstraat 13 hat ein sehr schönes altes Backsteingebäude mit einem begrünten Innenhof mit viel Efeu an den alten Gemäuern. Außerdem gibt es viele typische Studenenkneipen mit fairen Preisen.

Kann man mal einen Abstecher machen wenn man gerade auf dem Weg ist zum

Begijnhof

Mein absoluter Lieblingsort! Ich hatte zwar mal irgendwo nebenbei davon gelesen, den Hof allerdings gar nicht auf meinen Must See Stadtplan übernommen. Ich kam dort nur mehr oder weniger zufällig vorbei als ich vom Universitätsviertel kam.

Der Begjinhof oder auf deutsch Beginenhof ist eigentlich nur eine allumfassende Beschreibung für eine Art kleine Stadt innerhalb der Stadt, die von Beginen, einer Art Nonnen aus dem Mittelalter angelegt wurden. In den Benelux Staaten gibt es 26 dieser im typisch Flandernstil gehaltenen Städtchen, wovon 12 auf der Unesco Welterbeliste stehen. Antwerpen ist da unverständlicherweise nicht dabei.

Der Aufbau aller ist ähnlich. In der Mitte gibt es meist eine Grünfläche und eine Kirche und außen herum stehen verschiedene Backsteinwohnhäuser, die durch einen kleinen Gang von der Außenwelt abgetrennt sind. Es ist also wieder so ein kleiner Narnia Moment, wenn man von der belebten Straße durch das Tor tritt und auf einmal in diesem Kleinod aus dem 13. Jh. landet.

Sint-Annatunnel

Solche unüblichen überraschenden Orte sind immer gut für ein bisschen Abwechslung. Der 1933 eingeweihte Fußgängertunnel stellt eine Verbindung zwischen der Innenstadt und der Wohnsiedlung auf der anderen Seite der Schelde dar.

Der 572 m lange Tunnel hat noch die Originalrolltreppen aus den 30ern was ich unheimlich faszinierend finde. Gebaut für die Ewigkeit.

Die andere Seite der Schelde ist besonders zum Sonnenuntergang schön, da man von der Flusspromenade (die auf dieser Seite übrigens wesentlich hübscher und keine Baustelle ist) eine herrliche Sicht auf die beleuchtete Altstadt hat (wenn nicht gerade all die Baukräne die Sicht etwas trüben)

Innenhof des Plantin Moretus Museum

Das Ding ist, dass ich gar nicht auf den Innenhof konnte (Danke auch an dieser Stelle an unsere allerliebste Corona) aber ich habe ganz herrliche Fotos davon gesehen und von außen ist es schon ein sehr schönes Gebäude und generell ist die Umgebung dort auch sehr nett und zentral. Außerdem ist es kostenlos (mögen wir nicht alle ein bisschen Gratis Überraschungen?!), somit würde ich einen Besuch zu einer besseren Zeit definitiv empfehlen.

Generell würde ich sagen, lasst euch einfach ein bisschen durch die Stadtviertel um die Altstadt herum treiben. Dort gibt es viele kleine Parks und Jugendstilhäuser zu entdecken. Besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir auch das umgebaute Militärkrankenhaus, welches jetzt eine schicke Wohnsiedlung ist.

Orte die man mal gesehen haben muss aber keine Geheimtipps sind

Bahnhof

Wer nach Antwerpen kommt, muss den Bahnhof gesehen haben. Das Schmuckstück aus dem Jahre 1905 wird wegen seiner hohen Decken in der Eingangshalle auch „Bahnhofskathedrale“ genannt. Von innen wie außen ein architektonisches Meisterwerk. Der super moderne Bahnhof in Rotterdam ist auch schick aber guckt man sich die vielen kleinen Details hier an, dann wird schnell klar, dass die sich damals trotz einfacherer Mittel so viel mehr Mühe gegeben haben und sowas nicht nur ein Zweckbau sondern Prestigeobjekt waren.

Zoo

Der Zoo liegt genau neben dem Bahnhof und kostet stolze 31€ für Erwachsene. Man muss aber gar nicht direkt in den Zoo, man kann mal kurz durch die Eingangstore huschen um ein paar Fotos der schönen Jugendstilgebäude drum herum zu mache.

Grote Markt

Neben dem Bahnhof der wahrscheinlich meist fotografierteste Ort in Antwerpen. Der bereits im 13. Jh. angelegte Platz wird durch die wunderschönen restaurierten Gildehäuser zum Hingucker. Auch der sogenannte Brabobrunnen (nach dem sagenhaften Volksheld Silvius Brabo) dient als perfektes Fotomotiv. Zum Ratshaus kann ich leider nichts sagen, da dieses komplett eingerüstet war.

Willemdok und MAS

Weiter stadtauswärts liegt das Willemdok mit dem MAS (Museum aan de Stroom). Eigentlich kann man kostenlos auf die Aussichtsplattform des Museum und eine Sicht auf Stadt und Hafen genießen aber natürlich nicht wenn Corona mal wieder dazwischen funkt.

Dennoch ist die moderne Ecke dort ganz nett anzusehen. Am Ufer der Schelde steht das Loodswezen, das alte Hafenlotsen Gebäude. Auf mich wirkte es ein bisschen wie ein lost place aber vielleicht lag es auch daram, dass ich an einem Feiertag dort war. So oder so ein sehr ansehnliches Gebäude.

Hinterm Willemdok ist der Yachthafen der Stadt, wo man sich gern mal die hübschen „Nussschalen“ die dort liegen angucken kann. Außerdem gibt es schicke Restaurants und Bars und herrlich restaurierte alte Speicherhäuser.

Einkaufsstraßen

Natürlich haben sich meine Lieblingsläden Louis V und Gucci (Spaß) ein paar sehr hübsche Häuschen für ihre Stores ausgesucht aber auch die ultra stylishen Hipsterläden ein paar Straßen weiter können sich sehen lassen.

Herrlich individuell und absolut einen Schaufensterbummel wert, wenn man nicht schon in Bahnhofsnähe sein ganzes Geld für Diamanten ausgegeben hat. 😀 Ich habe nämlich erst hier gelernt, dass Antwerpen DIE Diamantenstadt ist (hatte mich schon über den Namen der Metrostation gewundert). Keine Ahnung warum wieso weshalb und ehrlich gesagt interessieren mich Diamanten auch nicht sonderlich.

Und wenn man sich ein bisschen genauer umguckt, dann kann man sogar noch ein paar Streetartkunstwerke an Antwerpens Hauswänden entdecken.

Überbewertetste Orte aka „What`s not“

Touristischer Teil der Altstadt

Von der touristischen Meile rund um die Liebfrauenkirche (die übrigens Wandgemälde von Rubens beherbergt) war ich bis zum Schluss nicht überzeugt auch wenn ich der Ecke ein paar Chancen gab. Aber im Grunde sind das alles nur eine Ansammlung von Bars und Restaurants wo sehen und gesehen werden und/oder Touristenazockpreise praktiziert werden. So ein unbegründeter Trubel ist jedenfalls nicht meine Welt.



Scheldepier

Ich hatte im Vorfeld ein paar sehr schöne Bilder von der Aussichtsterrasse an der Schelde gesehen. Nun ja, wie man sich von Bildern täuschen lassen kann. Die Terrasse an sich ist ja auch ganz nett aber das ganze Umfeld war mir einfach nur ein großes Grauen. Nervig musikalische Kinderfahrgeschäfte, Unmengen an Menschen und was noch schlimmer war – eine dreckige Großbaustelle drum herum wo es irgendwie nicht danach aussah als wenn hier momentan viel passieren würde.

Food

Vor der Liebfrauenkirche habe ich mir an einem Stand eine belgische Liege Waffel gegönnt mit dunkler Schokoladensoße. War schon lecker aber mein Körper dachte sich wohl, nachdem ich tagelang gesund gegessen hatte, dass ich ihn mit so viel Zucker und Kohlenhydraten veralbern will und reagierte etwas verstimmt.

Viel besser bekommen ist mir hingegen das hauseigene Bier der „De Koninck“ Stadtbrauerei, gleich gegenüber vom Hostel. Das Standartbier „Bolleck“ ist sehr süffig und das „Tripel d`anvers“ bringt einen mit ganzen 8 in Partystimmung.

Ansonsten sind die ganzen fritteriten Sachen auf die die hier so stehen eher nicht so mein Ding und die berühmte Schoki werde ich mal an anderer Stelle probieren.



Nervfaktor

Oh man also die Stadt hat es mir bei meiner Ankunft aber auch echt nicht leicht gemacht sie zu mögen. Bis auf ein großartiges Hostel und schönes Wetter war nämlich alles eher so semi-schön am ersten Tag.

Der 21. Juli ist ausgerechnet Nationalfeiertag (hätte man vielleicht wissen können wenn man sich mit Belgien beschäftigt hätte). Das heißt alle Geschäfte sind geschlossen und noch viel schlimmer – es wäre scheinbar Müllabfuhr Tag gewesen und so liegen sämtliche Müllsäcke vor den eigentlich schönen Häusern herum und stinken in der Sommersonne um die Wette. Ganz herrlich. Antwerpen stinkt mir also ziemlich.

Dann auch noch die kleine Bitch Corona, die dafür sorgt, dass die kostenfreie Aussichtsterrasse vom MAS Museum nur noch am Wochenende öffnet (es ist Dienstag) und der Innenhof vom Plantin Moretus Museum gar nicht mehr zugänglich ist.

Und zu guter Letzt ist die Stadt momentan auch noch im Bauboom. Rathaus – eingerüstet. Grote Kerk – eingerüstet. Sankt Pauluskirche – eingerüstet und natürlich die Promenade an der Schelde auf einer Länge von 1,5 km – eingerüstet.

Ich weiß, dass das alles temporäre Dinge sind und man zu einem anderen Zeitpunkt sicher ein besseres Erlebnis hätte. Ich war aber nun mal zu diesem Zeitpunkt hier und war deshalb ein wenig enttäuscht vom ersten Eindruck.

Fazit

Ich sag mal so, wenn man sich Diamanten zulegen möchte (warum auch immer) und danach in einer französisch angehauchten Eckkneipe einen überteuerten Wein schmecken lassen möchte, dann ist die touristische Altstadt von Antwerpen genau dein Ding.

Ich mochte lieber die kleinen Gassen und versteckten Hotspots an denen sich nicht Heerschaaren von Touristen versammelt haben.

Auf den ersten Blick waren ich und Antwerpen nun wirklich keine Freunde aber am zweiten Tag sind wir dann ein wenig warm miteinander geworden, sodass ich doch jedem einen kurzen Abstecher hier her empfehlen würde aber immer in Verbindung mit einer anderen Stadt in Belgien oder den Niederlanden weil es sonst zu langweilig wäre.





Hinterlasse einen Kommentar