Gent – das best gehütetste Geheimnis Europas?!

Geheimtipps, Must-Sees und Instagramspots

23. – 25. Juli 2020

Um ehrlich zu sein, hatte ich vor meinem Plan nach Belgien zu reisen, noch nie etwas von Gent gehört aber okay, ich wusste ja auch gerade mal, dass ein Land wie Belgien irgendwo in West/Mitteleuropa existiert.

Allerdings scheinen genügend andere Menschen davon gehört zu haben, denn es ist voll hier, sehr voll, also Nein – ein Geheimnis ist Gent wahrlich nicht mehr.

Ob sich dennoch ein Besuch lohnt oder ob man lieber die „Big Player“ wie Antwerpen und/oder Brügge bereisen sollte, gilt es herauszufinden.

Anreise

Mit dem Zug für knappe 10€ von Antwerpen bis Gent in 50 min übers Land. Und schon bei der Ankunft am Bahnhof und dem damit verbundenen Blick über die Skyline der Stadt, ist klar, das Gent mehr „my cup of tea“ werden dürfte, denn es ist so viel kleiner und deshalb wahrscheinlich auch gemütlicher als das großstädtische Antwerpen.

Unterkunft

Die Buslinie 3 fährt vom Bahnhof einmal quer durch die Altstadt bis fast vor die Tür vom

Treck Hostel.

Wer langweilige Dorm Rooms und schnöde Hotelzimmer satt hat und lieber ein bisschen Campingatmosphäre mitten im Wohngebiet haben möchte, der ist hier genau richtig.

Eine alte Fabrikhalle wurde zu einem Indoorcampingplatz umgebaut wo dein Zelt oder dein Wohnwagen schon steht. Jeder der Camper oder der Zelte hat ein eigenes Thema. So gibt es den Strand oder das Fahrrad und in diesem Thema wird alles dekoriert, sodass in der großen Halle viele vers. bunte und interessante Schlafunterkünfte zu finden sind.

Ein Frühstück ist im nicht ganz so günstigen Preis enthalten. Ich zahle 50€ die Nacht, habe aber einen auf dem Kopf stehenden Camper, mein Up, in dem man in einem Etagenbett zu dritt schlafen könnte.

Touristische aber dennoch sehenswerte Orte:

Kornmarkt

Ich glaube jeder kommt hier während seines Gent Aufenthaltes vorbei. Es ist einfach ein Muss. Ich habe die alte Post auch direkt für das Rathaus gehalten und selbst wenn man die Google Bildersuche betätigt, ist die alte Post auf einem der ersten Bilder fälschlicherweise als Rathaus abgebildet.

St. Michielsbrug

Meiner Meinung nach die beste Fotobrücke, da man alle 3 wichtigen Stadttürme mit aufs Bild bekommt und einen herrlichen Ausblick auf die darunterliegende Leie und das bunte Treiben rundherum hat.

Gravensteen

Die Grafenburg ist wohl die Hauptattraktion der Stadt. Die Ritterburg aus dem 12. Jh beherbergt ein paar seltene Sammlerstücke aus der netten Kategorie „Foltern im Mittelalter“. Ohne meine liebste Freundin Corona hätte ich mir das Ganze sicher auch von innen angeguckt (Eintritt 12€ mit wohl recht unterhaltsamen Audioguide) aber so ist mir das alles zu kompliziert.

Sint Baafsplein

Auch am Sint Baafsplein kommt wohl jeder mal vorbei. Das schicke NTGent (Stadttheater) lädt zum Fotos machen ein, der Turm des aus dem 15. Jh stammenden Belfried kann für 8€ bestiegen werden und der weltberühmte Altar „Die Anbetung des Lamm Gottes“ (ich bin absolut nicht gläubig und finde deshalb das Gemälde irgendwie sehr unterhaltsam und kann als Veganer nur sagen – so solltet ihr jedes Tier anbeten!) in der mittelalterlichen St. Bavo Kathedrale kann für 5€ besichtigt werden.

Karten sollten am besten online im Vorfeld gekauft werden. Hilfreich ist hier die Seite www.visit.gent.be/de

Geeraard de Duivelsteen

Ein Stück hinter dem Sint Baafsplein liegt die Burg von Geeraard dem Teufel (er wurde übrigens wegen seiner dunklen Haare und Haut so genannt *räusper*). Die Anlage die teilweise bereits im 13. Jahrhundert erbaut wurde, bildet ein nettes Fotoensemble mit den vers. Türmen im Hintergrund oder auch mit der der Nederschelde im Vordergrund.

Weitere sehenswerte Gässchen, Plätze und Brücken der Altstadt

Generell ist zu sagen – lasst euch einfach treiben. Alles liegt so nah beieinander und irgendwie ist jede Gasse sehenswert, denn mindestens ein schönes Gildehaus oder einen besonderen Laden gibt es immer.

Patershol / Kraanlei

Eine hübsche kleine Ecke mit vers. engen Gässchen mit herrlichen Gildehäusern.

Oudburg

Kleine süße Einkaufsstraße mit hübschen Bars, Cafés und individuellen Geschäften.

Grasbrug

Eine weitere perfekte Fotobrücke von der man das wilde Treiben auf dem Wasser bestaunen kann. Im Sommer ist alles so wunderschön bepflanzt, dass selbst bei schlechtem Wetter alles noch „instagramable“ aussieht.

Jan Breydelstraat

Auch wieder Bars und Restaurants und teilweise sehr interessante Schaufenster, wie z.b. dieses hier.

Vrijdagmarkt

Ich kam gerade zum Freitagsmarkt an, welcher aber keine Besuch wert ist, da es kein niedlicher Lebensmittelmarkt sondern eher so ein „alles aus China“-Markt ist.

Dennoch ist der Platz einen Besuch wert, denn wenn man so wie ich Jugendstil/ Art Deco liebt, dann wird man ein Auge auf das ABVV (sozialistische Gewerkschaft) und das Bond Moyson Oost-Flandern (die Volkskrankenkasse ist das glaub ich) werfen wollen. Die Gebäude wurden in den Jahren 1899 und 1902 erbaut.

Wer eher ein Fan Mittelalterlicher Baukunst ist, dem wird das gegenüberliegende Poeziecentrum gefallen. Das ehemalige Gildehaus der Gerber wurde 1450 erbaut.

Und auch die alten Gildehäuser aus dem 15. Jh an den langen Seiten des Platzes können sich sehen lassen.

In der Mitte des Platzes steht das 1863 eingeweihte Denkmal von Jacob van Artefelde einem im 14. Jh lebenden Freiheitskämpfer.

Serpentstraat

Ich hatte irgendwo gelesen, dass es die schönste Einkaufsstraße in Gent ist aber im Grunde ist sie wohl eher die Einkaufsstraße die sich am ehesten für Instagram Bilder lohnt. In der kleinen Straße gibt es einen veganen Imbiss und vers. kleine individuelle Läden.

Geheimtipps

Gravensteen Instagram Spot

Für das beste Foto der Burg müsst ihr ein wenig herumlaufen aber ich verspreche es lohnt sich. Sucht einfach die Sint Widostraat oder das NTGent Arca und genau dort gibt es eine winzige Stelle direkt am Wasser von wo aus man die komplette Burg sieht und noch den „Burggraben“ davor hat.

Lievekaai

Die ganze Ecke mochte ich sehr, da es hier nicht so überlaufen ist aber es dennoch in den Gässchen viel zu sehen und entdecken gibt wie vers. Murals und Kunstinstallationen aber auch herrlich bewachsene alte Häuser.

Streetart

Wenn ihr ein bisschen interessiert seid, dann hört ihr schnell, dass Gent zu einer der wichtigsten Streetart Metropolen Europas gehört.

Murals aka Graffiti aka Wallart aka Wall Canvas…

Ihr findet bei eurer Recherche als erstes die Werregarenstraat, die sogenannte Graffitistraße. Aber lasst euch von einem Mural Profi, nämlich mir, gesagt sein hier gibt nahezu nichts Aufregendes zu entdecken. Die kleine Gasse ist bis auf ein nettes kleines Kunstwerk von Klaas van der Linden gleich am Anfang eine sehr uninspirierende bunte Aneinanderreihung von Tags und Kindermalereien aber mit Kunst hat das nichts zu tun. Ihr müsst den Abstecher also erst gar nicht machen.

Was ihr aber machen müsst, sofern ihr interessiert seid, euch die App „Street Art Cities“ runterladen (großartige Geschichte – Internetseite: streetart cities) oder die Seite visit.ghent.be besuchen und auf Entdeckungstour durch die Stadt gehen.

Die für mich interessantesten Künstler sind hierbei:

ROA

Einer der besten, wenn nicht sogar der beste Graffitikünstler der Welt, stammt ursprünglich aus Gent aber hat seine Werke schon überall in der Welt verteilt und ohne zu wissen wer der Künstler war, sind mir seine Arbeiten bereits in Dunedin (Neuseeland) und in Townville (Australien) begegnet und ich liebe sie!!!

Da in Gent alles angefangen hat, gibt es hier natürlich so einige Fundstücke. Die meisten allerdings nicht fußläufig zu erreichen (und viele in ehemaligen Lagerhallen, die breist neuen Wohngebäuden weichen mussten) aber ein, wie ich finde, besonders schönes Exemplar gibt es im Tempelhof 36. Ein Traum in schwarz/weiß.

Bue the warrior

Ein weiterer berühmter Genter Künstler mag es eher bunt. Seine Werke sind überall zu finden, meist als kleine Vögel oder kunterbunte Gute Launemacher.

Cee Pil

Besonders beeindruckend fand ich auch die Arbeiten von Cee Pil. Von ihm gibt es auch Tiere aber in bunt und quasi als Tier im Tier. Super spannend!

Klaas van der Linden

Er hat eher keinen gleichbleibenden Stil sondern wechselt zwischen düsteren schwarz weiß Karikaturen (siehe oberes Bild zur Graffiti Lane) und bunten realistischen Gemälden. Der Seemann soll angeblich ein Selbstportrait sein.

Ihr merkt schon – die Muralsuche ist eine meiner großen Leidenschaften.

Aber auch wer es lieber plastisch mag, findet in Gent unendlich viel, wenn man nur ein bisschen genauer hinsieht.

De Bijloke

Hier kam ich nur durch Zufall vorbei aber fand es irgendwie total schön und interessant. Scheinbar war die Anlage früher mal ein altes Kloster. Um einen herrlich grünen Innenhof liegen vers. Universitätsgebäude, das Musikzentrum (im Innenhof finden regelmäßig Konzerte statt) und das STAM – das STAdt Museum Gent bei dem die alte Kapelle mit einem futuristischen Neubau verbunden wurde.

Und auch der ganze Unibereich (die vers. Fakultäten sind über die ganze Stadt verstreut) der stadteinwärts dahinter liegt, hat so die gewissen Harry Potter Vibes. Die reich verzierten Backsteingebäude erinnern ein kleines bisschen an Teile von Hogwarts.

Muss man NICHT gesehen haben:

Portus Ganda

Auf dem Stück wo Schelde und Leie zusammentreffen gibt es einen Anleger für private Boote. Wenn ihr also mit eurer Yacht kommt, dann ist hier euer Hafen in Gent. Dort wurden recht moderne Sitzgelegenheiten gebaut, sodass man aufs Wasser und den Seemännern bei der Arbeit zu gucken kann. Es ist ganz nett dort zum Ausruhen aber nicht unbedingt den etwas weiteren Fußweg wert.

Citadelpark

Es war schwül und stickig und ich wollte nicht mehr durch die Stadt laufen sondern im Park liegen, die Bilder bei Google sahen nett aus, deshalb ging es für mich in den Citadelpark.

Im Citadellpark befindet sich das große Congresszentrum, das S.M.A.K. (Stedelik Museum voor Actuele Kunst- also kurzum das Museum für zeitgenössische Kunst) und das Museum der schönen Künste.

Für mich eher weniger interessant. Was ich aber interessant fand, war der herrliche alte etwas abgeranzte Pavillion und der kleine Wasserfall. Man muss aber sagen, dass der Park generell etwas sozialistisch aussieht und eher nicht gut in Schuss ist, deshalb kann man sich den weiten Fußweg bis hierhin sparen, auch wenn die Bilder eigentlich ganz cool aussehen, wie ich finde.

De Krook

Was sowas wie „der Knick“ heißt, denn hier macht der Fluss einen Knick und dort hat man das futuristische Gebäude der Stadtbibliothek hingesetzt. Cooles Gebäude, keine Frage aber momentan ist alles noch etwas unfertig und wegen dieser ganzen Covid Sache gab es eine riesen Schlange vor der BiBo. Zu normalen Zeiten könnte man nämlich dort von der Terrasse im dritten Stock einen kostenlosen Ausblick auf die Stadt genießen.

Vooruit Kunstviertel

Das Vooruit Viertel liegt genau neben de Krook. So ein bisschen die intellektuellen Ecke quasi. Das im Jugendstil erbaute Vooruit war die erste Konzerthalle der Stadt. Leider befindet sich auch hier gerade eine Großbaustelle.

Begjinhofdriespark

Ich war ja vom Begjinhof in Antwerpen so sehr angetan, deshalb wollte ich dem Genter Begjienhof auch einen Besuch abstatten und war etwas enttäuscht. Man hat zwar immernoch das Dorf in der Stadt Gefühl aber da hier alles größer und offener ist, ist es einfach nicht so richtig gemütlich. Um eine Kirche mit Grünfläche herum liegen etwas verstreut die vers. Backsteingebäude. Schon ganz nett anzusehen aber nicht unbedingt den Fußweg wert.

Fazit

Ich liebe Gent! Definitiv kein so richtiger Geheimtipp mehr aber halt auch irgendwie zu Recht sehr gut besucht. Denn auf kleiner Fußläufiger Fläche gibt es einfach so unendlich viel zu entdecken.

Historische Gebäude, Kunst, Studentenszene, Parks, Grachten, gemütliche Restaurants und ausgefallene Läden.

Die große Studentenstadt (70.000 Studenten) ist mit seiner größten autofreien Innenstadt Europas (um mal noch mit ein paar Infos zu flexen) auf jeden Fall schwer im Kommen und das nicht ohne Grund.

Stattet der Stadt jetzt noch einen Besuch ab, so lange sie noch niedlich und gemütlich ist.


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