Dirty Dörte Deutschland Days – 5 Tage als first time Sozius auf dem Rücken einer KTM

26. – 30 Mai 20202

5 Tage – 6 Bundesländer – 27 h auf dem Bike – 1605 km = die wohl verrückteste Reise meines Lebens.

Es ist der 30. Mai 2020 – in einer normalen Welt würde ich bereits seit einem Monat einen Job in Toronto haben oder auf einer Farm in Nova Scotia wwoofen aber die Welt ist in 2020 nicht normal, sie leidet an Corona. Deshalb komme ich in dieser kranken Version der Welt gerade von einer Motorrad Tour zurück.

Am Donnerstag werde ich gefragt ob ich nicht am Dienstag auf eine Motorraddeutschlandtour mitkommen will. Die Frage ist aus 2 Gründen merkwürdig, denn der Fragesteller ist mein Ex und ich bin noch nie mehr als 20 Minuten auf einem Motorrad gesessen. Aber ich sitze in Deutschland fest, mir ist lngweilig, ich liebe Reisen, bei Ausflügen verstehen wir uns immer bestens und die wohl wichtigste Sache – ich vertraue ihm beim Fahren zu 1000 % – deshalb sage ich „ja“ ohne auch nur im Ansatz zu wissen auf was ich mich da gerade einlasse und um ehrlich zu sein, bin ich bis zum Abend der Abfahrt davon überzeugt doch noch zu kneifen.

Er holt mich am Sonntag zu einer Probefahrt auf dem Rücken seiner KTM 1290 SuperAdventure S aka Dörte aka Dirty Dörte ab und die ersten 60 km liegen vor mir. Ich bin mir vor der Fahrt sicher – das wird nix! Ich bin der unsportlichste Mensch des Planeten und komme sicher erst gar nicht auf das Teil rauf. Zudem bin ich auch nach 2 Jahren Weltreise immernoch ziemlich ängstlich wenn es um Geschwindigkeit geht und wenn dann noch die Knautschzone fehlt erst recht. Nach einer kurzen Einführung und Klopfzeichen die wir für Notfälle abgesprochen haben, geht es los.

Ich klebe ziemlich unentspannt an seinem Rücken fest und kralle meine Hände in seine Motorradjacke, aus Angst beim Beschleunigen vom Gaul geworfen zu werden. Aber nach einer kurzen Anfangsangst und Eingewöhnung an die wirkenden Kräfte, merke ich schnell, dass das ja eigentlich richtig Spaß macht und ich gar keine Angst habe. Ich bin erstaunt über mich selbst.

Montag Abend besprechen wir die Route. Ich darf Orte in den Topf werfen, die ich unbedingt sehen will und er darf seine Favoriten nennen. Wir kommen erstaunlich schnell und streitfrei auf einen gemeinsamen Nenner und die Vorfreude steigt. Schnell noch die Motorradklamotten ausprobiert, die er mir netterweise zur Verfügung stellt und unserem Abendteuer steht nichts mehr im Weg.

Tag 1 – 26. Mai: Leipzig (Sachsen) – Cadolzburg (Bayern)

Nachdem wir die kleinen Koffer gepackt und dabei regelrecht Tetris gespielt haben, geht es am Dienstag gegen halb 11 los.

Das Wetter ist grau und mit teilweise nur 13 Grad extrem kalt und auch die Strecke raus aus Leipzig ist, auf Grund des vielen Verkehrs, nicht gerade angenehm. Ich frage mich kurz auf was ich mich hier eigentlich eingelassen habe. Zum Glück gibt es eine Sitzheizung, die auch mehr als nötig ist, da der Fahrtwind jegliche Wärme aus meinem Körper zieht. Nach knapp 2 h bitte ich mit einem Klopfzeichen um die erste Pause. Ich habe inzwischen zwar eine bessere Sitzposition gefunden, mit der linken Hand am Motorradgriff und der rechten an seinem Handy in der Jackentasche, dennoch ist inzwischen alles an mir verkrampft und schmerzt, am Meisten mein Hintern. Kurzes Ausschütteln auf einem Rewe Parkplatz in einem sächsischen Kaff und dann auf zu unserem ersten offiziellen Zwischenhalt:

Saalburg an der Bleilochtalsperre (Thüringen)

Grau, traurige 14 Grad in einem Ort der eigentlich Sonntagsausflug oder Sommerferien schreit. Boote auf dem Wasser, süße kleine Häuschen an den bergigen Waldhängen, nette Ausflugsrestaurants und eine kleine Burg zur Besichtigung. Hier muss man wohl nochmal bei schönerem Wetter herkommen. Wir machen nur einen kurzen Spaziergang über die Brücke des größten Stausees Deutschlands und noch ein paar Motorradfotos bevor es weiter geht.

Wir überqueren die ehemalige Innerdeutsche Grenze und werden in Bayern gleich mit wärmerem Wetter empfangen.

Kronach (Bayern)

Diesen süßen kleinen Ort habe ich immer vom ICE aus gesehen wenn ich nach München gefahren bin und deshalb in meine „Places to see“- Liste aufgenommen. Wir suchen uns einen Parkplatz direkt in der süßen kleinen Innenstadt und laufen los. Bei Pinterest gibt es eine bestimmte Stadtansicht mit Blick auf Festung Rosenberg und die gilt es zu finden. Wir laufen anfangs in die komplett falsche Richtung und landen auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände von 2002. Schon ganz nett hier vorallem mit inzwischen über 20 Grad und Sonnenschein.

Als wir den Fotopunkt zwischen den Flüssen Haslach und Kronach endlich finden, stellt sich bei mir wieder dieses Urlaubs/Reisegefühl ein, was ich so liebe. Neue Orte entdecken, die Schönheit von Deutschland bewundern und meine Weltanschauung erweitern.

Da wir noch einige km vor uns haben fahren wir nach ca. einer Stunde weiter, meine Lieblingsstrecke des heutigen Tages:

Fränkische Schweiz (Bayern)

Ich wusste bis dato nicht einmal, dass sowas existiert aber der Anblick raubt mir den Atem und zaubert ein Dauergrinsen in mein Gesicht. Verdammt ist das schön hier. Wir fahren kurvige fast menschenleere Straßen durch waldige Täler mit kleinen Bächen an dessen Seiten sich schroffe Felsen in den Himmel schrauben, die mich sehr an die sächsische Schweiz erinnern. Die Sommerwiesen blühen und es riecht nach Holz und frischem Gras.

Oben an den Berghängen kleben in regelmäßigen Abständen Kletterer und Burgen bzw. Ruinen. Eine bleibt mir besonders im Gedächtnis – Burg Rabeneck, wie sie da so wunderschön über dem Tal trohnt. Auch die kleinen Dörfer durch die wir fahren sind zauberhaft. Wie aus einer anderen vielleicht besseren Zeit. Opis auf alten Traktoren, Omis in Kittelschürzen, Fachwerkhäuschen oder rustikale Holzscheunen. Da wir leider nicht anhalten, sondern nur in gemütlicher Geschwindigkeit die Fahrt genießen – kann ich nicht mit Fotos der Idylle dienen aber ich glaube das wird nicht mein letzter Abstecher in die fränkische Schweiz gewesen sein.

Kurzer Zwischenstopp an einer Tankstelle in der Nähe von Forchheim bis die letzten 50 km nach Cadolzburg folgen.

Eines merke ich schnell – Städte sind gar nicht meins. Dieser viele Verkehr, ständig Umleitungen, das Bremsen an roten Ampeln geht mir stark auf die Knie. Deshalb ist eine Umleitungsstrecke durch Erlangen inklusive eines tranigen alten Mercedes Fahreres, auf den letzten Meter des Tages, ein Graus.

Gegen 18:20 kommen wir endlich in Cadolzburg, unserem Übernachtungsziel, an. Zur Entspannung erst mal ein regionales Bierchen bevor es zum Essen in einen nahegelegenen Biergarten geht. Nach ein paar weiteren Bieren und Sonnenuntergang auf dem Balkon, spielen wir noch eine heitere Runde Lieder raten und gehen erst gegen 3 ins Bett.

Tag 2 Cadolzburg (Bayern) – Iffezheim (Baden – Württemberg)

Nicht die beste Idee, wenn man wieder 300 km vor sich hat. Ich schlafe nicht wirklich und bin froh als sich alle bereits gegen 9 in Bewegung setzen. Es gibt ein tolles Frühstück inlusive leckerer Erdbeeren um die Lebensgeister wieder etwas zu wecken.

Erstaunlicherweise kommen wir bereits halb 11 los. Ich bin froh, dass unser erster Abschnitt nur 50 km, wenig Orte und nahezu keinen Verkehr beinhaltet, da mir die kurze Nacht noch sehr in den Knochen steckt.

Rothenburg ob der Tauber (Bayern)

Dieser ganze Corona Bullshit hat ja auch seine guten Seiten. Städte wie Rothenburg, die normalerweise mit Asiatischen Reisebussen, in dieser Zeit des Jahres überflutet werden, sind nun fast wie ausgestorben.

Wir suchen uns einen Parkplatz an der noch komplett erhaltenen Stadtmauer und treten durch ein altes Stadttor in die zauberhafte Welt, einer der wohl am besten erhaltensten Altstädte Deutschlands. Die Sonne lässt sich auch ab und an blicken und wir sind begeistert von der Schönheit der kleinen alten Stadt.

Viele schöne alte Häuschen, ein toller Blick von der alten Stadtmauer hinunter ins Tal und zur anderen Seite der Stadt, was mich ungemein an einen kleinen Ort in der Toskana erinnert. Alles wirkt irgendwie verschlafen. Einheimische sieht man nahezu keine und auch nur wenige Touristen und das trotz Mittagszeit. Alles ist schön bepflanzt und sieht so märchenhaft aus. Ich könnte Stunden hier verbringen und fotografieren. Doch wir müssen nach bereits einer Stunde weiter, da wir wieder knappe 300 km auf die Straße legen müssen.

Forchtenberg (Baden – Württemberg)

Da wir kein weiteres Zwischenziel geplant haben, ich aber immer nach ca. 50 km eine Pause brauche, halten wir einfach in dem kleinen Örtchen am Kocher, da dieser mit seiner Burgruine irgendwie sehr einladend aussieht. Wir spazieren ein bisschen durch die hügelige Fachwerkaltstadt, gucken uns ein barockes Gartenhäuschen am Fluss an und holen uns dann beim Bäcker noch etwas Proviant.

Die letzten 100 km werden unfassbar anstrengend, da es inzwischen 27 Grad warm ist. Meine Knie sind geschwollen. Wir fahren durch viele Städte. Bei jedem Bremsen drücken meine Kniescheiben an die Plastikschutzteile in meiner Hose. Ich bin inzwischen völlig fertig. Hinter Heilbronn halten wir kurz an einer Tankstelle um uns zu Strecken.

Dann die letzten 35 km, die wohl die nervigsten unserer ganzen Reise waren. Es geht durch Karlsruhe. Da meine Knie inzwischen weinen, halten wir noch mal auf einem Möbelhaus Parkplatz bevor es wegen einer falschen Abbiegung direkt nach Karlsruhe reingeht. Durch die Hitze tropft das Kettenfett auf die heißen Teile des Motorrads. Wir rauchen und stinken und ich bekomme Panik, da wir erst nicht wissen was da los ist. Mitten in Karslruhe, wo wegen einer U-Bahn Baustelle eh schon Chaos herrscht, können wir auch nirgends anhalten um zu gucken was da los ist. Die Lage entspannt sich als wir aus Karlsruhe heraus kommen und das nicht so schlimme Problem erkannt haben.

Jetzt noch durch Rastatt und wir kommen endlich in Iffezheim an. Der Körper schmerzt und unser Hirn ist Matsch.

Iffezheim (Baden-Württemberg)

Da unsere urspünglich geplante Übernachtung in Baden Baden nicht geklappt hat, wurden wir an die kleine Landpension an der französischen Grenze weiter empfohlen und sind auch ganz froh, dass wir nach den vielen anstrengenden Städten in einem kleinen beschaulichen Dorf landen. In Iffezheim liegt die Pferderennstrecke von Baden Baden mit Blick auf die ersten Ausläufer des Schwarzwalds.

Wir sind im Leuchtner`s an der Rennbahn (85 € pro Nacht mit Frühstück für 2) untergebracht. Ein kleiner Familiengeführter Landgasthof mit Pension. Wir fühlen uns direkt wohl und gehen nach unserem Abendessen noch eine kleine Runde durch das beschauliche Dorf spazieren.

Tag 3 – Schwarzwaldrunde (330 km)

Nachdem wir halbwegs gut geschlafen haben, bekommen wir das beste Frühstück, was ich je in einem Hotel hatte, vor die Nase gestellt. Da ich am Abend mitgeteilt habe, dass ich mich vegan ernähre bekomme ich das volle Programm von Avocado über Mandelmilch bis zu veganem Aufschnitt und „Leberwurst“. Da mir etwas flau im Magen war, mache ich mir nur ein Brötchen für die Fahrt.

Bereits kurz nach 9 sitzen wir wieder auf dem Bike.

Porsche Museeum Stuttgart

Da durch Corona nur 250 Leute pro Tag im Porschemuseum erlaubt sind, wollen wir so schnell wie möglich in Stuttgart sein, was bedeutet, dass ich mich auf eine 80 km lange Strecke Autobahn einlasse. Schon beim rauffahren auf die Autobahn habe ich das Gefühl, dass mein letztes Stündlein geschlagen hat. Unzählige LKW´s und starker Wind die an meinem schwachen Körper zerren. Dazu kommt noch, dass durch die Aufregung mein flaues Gefühl im Magen zu starker Übelkeit mutiert. Und nun sind wir auch noch in einer Baustellensituation wo es nicht mal einen Randstreifen gibt. Ich bekomme Panik.

Bei der ersten Parkmöglichkeit bitte ich ihn anzuhalten. Zum Glück ist er sehr verständnisvoll und die ganze Autobahnsituation für ihn auch sehr nervig. Nachdem ich meinen Magen wieder halbwegs beruhigt habe, fahren wir nur noch langsam hinter den LKW`s her. Nur noch 15 km. Okay das schaffe ich ohne weitere Panikattake.

Doch dann verpassen wir wegen schlechter Naviführung die richtige Ausfahrt und müssen noch mal 30 km auf die ursprünglichen 80 km oben drauf legen. Ich bin völlig fertig. Zum Glück müssen wir tanken, was nochmal eine kurze Zwischenpause bedeutet.

Um 11 kommen wir endlich am Museum an und haben gleich das nächste Problem – die Tiefgarangenschleife erkennt uns nicht und der Herr an der Sprechanlange ist wahnsinnig unfreundlich. Wir sind genervt. Zum Glück finden wir neben dem Porschewerk einen Parkplatz und können endlich ins Museum.

Auch hier hat Corona wieder einen Vorteil. Da aus Hygienegründen die interaktiven Museumsbestandteile abgebaut werden mussten, zahlen wir statt 10€ nur 5€ Eintritt und leer ist es obendrein auch noch. Der Herr freut sich wie ein kleines Kind als er mir die ganzen technischen Erklärungen geben kann. Mich interessiert eigentlich nur die Architektur des Museums und die Ästhetik der Autos. Aber so haben wir wenigstens beide etwas vom Museumsbesuch. Nach 1,5 h sind wir bereits durch.

Deshalb schlage ich noch einen weiteren Zwischenstopp vor unserem eigentlich Stopp vor, welcher nochmal 40 km Umweg bedeutet aber wir haben Zeit und das Wetter ist gut.

Als wir aus dem Museum kommen ist bei Porsche gerade Schichtwechsel und hunderte junge Männer schieben sich mit uns in den Stuttgarter Stadtverkehr. Anstregend aber zum Glück sind wir noch frisch. Wir fahren direkt durch Stuttgart und sehen noch ein bisschen von der recht modernen Stadt. Dann geht es Stadtauswärts hoch auf den Berg mit toller Sicht über die Stadt.

Der Verkehr wird langsam weniger und die Landschaft schöner. Kleine süße Orte, viel Wald, hübsche Täler, kurvige Straßen mit wenig Verkehr. So entspannt geht es zum:

Schloss Lichtenstein

Ich hatte in den letzten Wochen immer mal Fotos vom Schloss bei Instagram gesehen und mir sofort einen Pin auf meiner Deutschland Sehenswürdigkeiten Karte gesetzt. Praktisch, dass wir gleich in der Nähe sind und einen Abstecher zu dem schönen Schloss machen können. Der nette Parkplatzwärter (1€ Motorrad) nimmt uns auch noch unsere Helme ab, sodass wir mehr Freiheit haben beim Erkunden des Schlossparks und des Schlosshofes (3€ p.P). Leider hat es sich inzwischen reichlich zugezogen und es fallen sogar ein paar Tropfen, dennoch können wir die atemberaubende Schlossansicht und den Blick ins Tal in vollen Zügen genießen.

Nach einer Stunde Entdeckungstour geht es weiter zu unserem 2. richtigen Tagesziel für heute:

Tübingen (Baden – Württemberg)

Ich hatte ein bestimmtes Foto immer im Feed einer lieben YouTuberin gesehen, die hier studiert hat und wollte diesen Ort schon immer mal mit eigenen Augen sehen. Und die Reisegötter sind auch hier wieder sehr positiv für uns gestimmt, denn wir finden einen Parkplatz genau an der berühmten Brücke und das Wetter ist inzwischen wunderschön, sodass ich das für mich perfekteste Foto der ganzen Reise schießen kann.

Wie spazieren ein bisschen durch die schöne Studentenfachwerkaltstadt und uns kommt es hier echt groß vor, da wir die letzten Tage ja hauptsächlich in kleinen beschaulichen Orten verbracht haben. Schön ist es hier! In der Altstadt gibt es Straßenmusik, die Leute flanieren durch die kleinen Gassen und wir lassen uns ein kühles Helles am Marktplatz schmecken. Urlaubsfeeling!

Nach einer Stunde und unzähligen Fotos geht es weiter.

Der Herr hatte sich noch eine ganz besondere Route überlegt und mir nichts davon gesagt, sodass ich aufgrund des Überraschungseffektes noch begeisterter bin. Denn es geht über die:

Schwarzwald Hochstraße

Wie der Name schon sagt, eine schöne geschwungene Straße über den Schwarzwald Nationalpark. Die Abendsonne strahl mit mir um die Wette als wir uns in die Kurven legen. Leider mit ständigem 70er Tempolimit und einigen anderen Motorrad- und Fahrradfahrern. Wir halten immer mal kurz an um den Blick über den Schwarzwald schweifen zu lassen. Ich habe ein massives Flashback an meine Tour durch den Cradle Mountain Nationalpark auf Tasmanien. Da sah es exakt aus wie im Schwarzwald, nur mit mehr Wombats und Kängurus 😀

An einem der höchsten Punkte halten wir an einem Ausflugsgasthaus am Mummelsee, auf 1028 m Höhe. Auf dem See hätte man Tretboot fahren können und hat einen Blick auf die 1164 m hohe Hornsgrinde und auf der anderen Seite in den Schwarzwald. Absolut traumhaft hier!

Ich hätte Stunden bleiben können aber da wir heute nur gefrühstückt haben, meldet sich der Magen und eine gewisse „Hangryness“ stellt sich ein :-D, deshalb geht es den Berg wieder herunter durch hübsche Örtchen und Weinanbaugebiete, zurück nach Iffenzheim, wo ich mir heute zum Abschluss des Tages mal ein leckeres Spargelgericht gönne.

Was für ein wunderschöner unvergesslicher Tag. Trotz 330 km Strecke fühle ich mich viel weniger erschöpft als die kürzen Strecken der Tage zuvor.

Tag 4 Iffezheim (Baden – Württemberg) – Fulda (Hessen)

Nach einem weiteren vorzüglichen Frühstück heißt es 1. Etappe der Heimreise antreten. Wir wissen zwar, dass es nach Fulda gehen soll aber richtige Zwischenstopps haben wir uns keine ausgesucht und so ergibt sich alles mehr oder weniger während der Fahrt und wir landen am ersten Haltepunkt in

Heidelberg (Baden-Württemberg)

Ich war vor einigen Jahren schon mal hier und weiß noch von wo aus man den besten Blick auf die Stadt hat, ohne komplett in den Trubel der Studentenstadt eintauchen zu müssen. Leider kommen wir von einer anderen Seite in die Stadt hinein, sodass wir doch noch etwas Trubel mitnehmen um dann auf der anderen Seite des Neckar direkt an der Alten Brücke einen Parkplatz zu finden. Der perfekte Blick auf die historische Altstadt, die Brücke, den Neckar und natürlich das Heidelberger Schloss, welches imposant am Berghang klebt. Kurz die müden Knochen nach fast 100 km Fahrt gestreckt und ein paar Fotos gemacht und weiter geht es.

Der Tank sagt inzwischen eine Reichweite von 0 km an und eine Tankstelle ist weit und breit nicht zu sehen. Mir geht der Arsch auf Grundeis. Doch dann finden wir endlich eine Brücke über den Neckar und unweit davon eine Tankstelle. Meine Nerven beruhigen sich wieder. Nach kurzem Strecken geht es weiter durch das wunderschöne Neckartal vorbei am 4 Burgen Eck (scheint auch eine tolle Urlaubsregion zu sein)

Dann geht es östlich an Frankfurt vorbei (welches wir schon von Weitem sehen) durch den Odenwald. Auch wieder eine herrliche Ecke. Niedliche kleine Städte mit vielen Geschäften und richtig großen Firmen wie Birkenstock oder Hitschler. Oder aber auch Pirelli, wie an unserem nächsten Halt in

Breuberg (Hessen)

Ein winzig kleiner Ort der zur Hälfte aus Fabrikhallen besteht. Wir fahren direkt hoch zur Burg. Dort kämpfen wir uns eine steile Treppe den Burgberg hinauf, laufen einmal um die Burgmauer außen herum (innen ist aufgrund von Bauarbeiten gesperrt) und lassen uns dann für ein kleines Picknick auf einer Bank mit Blick auf den Odenwald nieder. Ein herrliches Fleckchen Erde!

Dann noch die letzten 100 km die wir nur durch kleine Streckpausen unterbrechen und wir sind gegen 18 Uhr endlich in

Fulda (Hessen)

Unser kleines Hotel am Schlosstheater (84 € mit Frühstück für uns beide) liegt super zentral direkt am Schloss und an der Altstadt. Ich bin von unserem schönen modernen Zimmer sehr beeindruckt, inklusive fancy Kaffeemaschine und kleiner gefüllter kostenfreier Minibar. Sowas hat man nicht oft (zumindest in Low Budget Unterkünften).

Wir machen uns kurz frisch, besorgen uns einen Stadtplan und laufen vom Schlosspark über den Dom bis in die Altstadt alles Wichtige ab.

So richtig überzeugt mich die Stadt ehrlich gesagt nicht aber ich war wohl auch etwas zu verwöhnt von den letzten Tagen.

Geplagt mit leeren Bäuchen laufen wir ein Burgerrestaurant (Orange – Braumanufaktur) in der Nähe vom Hauptbahnhof an, die sowohl für Fleischfresser als auch Veganer eine große Aufwahl bieten und selbst gebrautes Bier gibt es obendrei auch noch. Wir lassen uns die Burger und ein paar Bier schmecken und kugeln danach wieder ins Hotel zurück um selig ins Land der Träume zu entschlummern.

Tag 5 Fulda (Hessen) – Leipzig (Sachsen)

Und da ist er auch schon. Der letzte Tag unserer kleinen Deutschlandtour. Wir fühlen uns als wenn wir bereits 3 Wochen unterwegs wären, da wir so viel gesehen haben. Mein Körper freut sich auf Motorradfreie Tage aber mein Herz ist bereits am Frühstückstisch ein wenig schwermütig.

Gegen halb 10 fahren wir bei strahlendem Sonnenschein los und kommen gut vorwärts, da nicht allzu viel Verkehr herrscht und die Straßen gut sind. Für heute haben wir uns noch ein paar schöne Ziele zum Abschluss unserer Tour raus gesucht und so landen wir als erstes auf der

Wartburg – Eisenach ( Thüringen)

Ich war als Kind mal hier, konnte mich aber an absolut nichts mehr erinnern, deshalb freue ich mich umso mehr als wir schon vom Tal aus die Burg sehen. Wir fahren oberhalb auf einen bereits gut besuchten Parkplatz (klar, es ist schließlich Pfingstsamstag; 2 € Motorräder) und wandern dann über einen steilen Weg hoch auf die Burg. Genießen die Aussicht über Eisenach und die Wälder und schießen einige Fotos von uns und der Burg, bevor wir auf den Burghof laufen um uns das Ganze auch noch von Innen anzusehen. Ein Museum hätte es auch noch gegeben aber die Schlange ist ziemlich lang und wir wenig interessiert, deshalb laufen wir nach einer kurzen Runde wieder nach unten und fahren weiter.

Inzwischen zieht sich der Himmel immer weiter zu und ich muss bei 16 Grad wieder die Sitzheizung anwerfen.

Dann geht es hoch auf den

Kyffhäuser (Thüringen / Sachsen-Ahalt)

DIE Motorrad Strecke in Mitteldeutschland würde ich mal behaupten. Jedes Wochenende und an Feiertagen treffen sich hunderte Motorradfahrer um sich die 36 Serpentinen bis zum Denkmal hoch und wieder herunter zu schrauben. Ein riesen Hype und meiner Meinung nach auch ein riesen Schwanzvergleich, denn einige denken, dass sie die enge kurvige Strecke, die durchweg mit 50 Beschildert ist und mit Speedbumpern versehen, als Rennstrecke nutzen müssen. Und so kommt es, dass wir bei unserer kurzen Fahrt bereits 2 kleinere Unfälle sehen und uns auf dem Rückweg mehrere Feuewehren entgegen kommen, da scheinbar schon wieder etwas größeres passiert ist. Also ganz ehrlich – ich verstehe den Hype nicht! Wir sind wesentliche schönere Strecken schneller mit weniger Menschen gefahren aber was weiß ich schon. Hype is Hype oder so…

Kurzer Stopp an der besten Bratwurst der Welt (Zitat Chris Z. – checkt sein Insta – aber mehr als nen Bild von seiner Bratwurst (eventuell) könnt ihr da nicht erwarten *lol*) in Heldrungen und dann auf zum letzten Zwichenstopp:

Freyburg (Sachsen Anhalt)

Ins Saale Unstrut Tal wollte ich schon immer mal, war aber ehrlich gesagt am Ende ziemlich enttäuscht. Ich weiß nicht ob es nur am kalten grauen Wetter lag oder ich zu sehr von unseren letzten Zielen verwöhnt war aber irgendwie hatte ich mir Freyburg immer „glamuröser“ vorgestellt, schließlich kommt hier der berühmte Rotkäppchen Sekt her.

Wir fahren direkt auf die recht langweilig wirkende Burg Neuenburg hoch und gucken kurz hinunter ins Unstrut Tal bevor wir unsere letzten Kräfte für die Heimfahrt sammeln.

Vorbei an den großen Chemiewerken in Leuna, sehen wir schon bald die Skyline von Leipzig und ich bin froh, dass ich bald vom Bike komme, denn inzwischen tut mir alles weh.

Wieder zu Hause bricht mein Körper vor Erschöpfung wie ein Kartenhaus zusammen und ich bin in keinster Weise mehr aufnahmefähig und sinke bereits vor um 10 in den Tiefschlaf.

Tollstes Erlebnis

Viele haben mich gefragt was ich auf unserer Fahrt am Schönsten fand. Ich musste nicht lange nachdenken. Denn ja, wir waren in den schönsten Orten Deutschlands aber am Ende bleibt mir etwas anderes am Meisten in Erinnerung:

Wir fahren auf unserem Weg zum Schloss Lichtenstein durch tiefe Wälder, süße kleine Orte und durch Täler mit kleinen Flüssen als auf einmal neben uns ein kleiner Fuchs ganz langsam über einen Weg streift. Hinter ihm der Schwarzwald. Vor ihm eine Sommerblumenwiese. Ein unvergesslicher Anblick der tief in meinem Herzen stecken bleibt. Mutter Natur ist einfach das Schönste in unserer Welt!

Zusammenfassung

Meine spontanste und verrückteste Reise war auch irgendwie mit eine der Schönsten vielleicht gerade wegen der Spontanität und der Andersartigkeit. Vielleicht aber auch weil ich so viele tolle Orte meiner Must See Liste abhaken konnte oder vielleicht auch, weil ich die Reise mit jemanden zusammen erleben konnte, der genauso viel Spaß daran hatte wie ich.

Heute einen Tag nach meiner letzten kleinen Motorrad Runde wieder nach Hause, vermisse ich das Motorrad fahren bereits und starre sehnsüchtig allen Bikes auf der Straße hinterher und empfinde Auto fahren als sehr langweilig.

Auf dem Bike bekommt man so viel mehr mit. Man fährt kleine Straßen und nicht nur von a nach b. Man genießt die Natur viel mehr. Man kann alles riechen. Die Kräfte der Natur wirken auf den Körper ein, sodass man sich am Ende so viel lebendiger fühlt.

Danke an Karma, Schicksal, Wettergott, Dörte und Chrissipedia für eine unvergessliche Reise durch unser schönes Deutschland!


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