21. – 28. August 2020
„Everything happens for a reason“ – Weil alles aus einem bestimmten Grund passiert, bin ich im August immer noch nicht in Kanada. Stattdessen mache ich erst Deutschland und danach Teile Europas unsicher und stelle fest: Mitteleuropa kann echt was! Traumstrände – jahrhunderte alte Städte – schneebedeckte Berggipfel – alles da im Umkreis von weniger als 1000 km.
Warum also nicht noch mehr angucken auf einer zweiten Motorradtour, nachdem die erste durch Deutschland schon so verdammt schön war?! Deshalb überlege ich keine Sekunde als Chris fragt ob wir eine Runde auf Dörte durch die Alpen drehen wollen.

Es gibt verdammt viel zu erzählen und noch mehr zu zeigen. Deshalb wird es auch 3 Posts nach Ländern unterteilt geben.
Schweiz
Tag 1
Anreise Salzburg – Bern
Der Herr ist bereits vor einer Woche aufgebrochen und in Deutschland und Frankreich gewesen und auch ich bin schon seit einer Woche mit meinen Eltern in Österreich unterwegs (siehe hier).
Unser Treffpunkt soll in der Schweiz sein, genauer gesagt in Bern. Dort von Salzburg aus hinzukommen wird zu einem kleinen Abenteuer. Zum Glück bekomme ich noch eines der super Spartickets der deutschen Bahn/ DB Bus für nur 30€ statt 170€.
Gegen 9 geht es mit einem komplett leeren ICE ohne Zwischenhalt von Salzburg nach München. Es gibt sogar eine Passkontrolle im Zug, was ich vorher noch nie erlebt habe. Die Fahrt ist super entspannt (das soll aber auch die einzige entspannte Fahrt heute bleiben) und ich bin nach 1,5 h in München.

Bei 34 Grad laufe ich vom Münchener Hauptbahnhof in Windeseile zum ZOB, bepackt mit Rucksack, Klamotten/Motorradschuhbeutel und Helm um dann völlig durchgeschwitzt in den DB Doppeldeckerbus unters Dach, ohne Klimaanlage einzusteigen. Da bekommt der Begriff jemanden schmoren lassen eine völlig neue Bedeutung. Erst als wir eine halbe Stunde später endlich los fahren wird es kühler.

Die Fahrt nach Zürich ist mit unzähligen Baustellen und Staus gespickt und damit auch eine Stunde länger als angesagt. Zum Glück gibt es in der Schweiz keine Zugbindung, sodass ich einfach den Zug eine Stunde später nach Bern nehmen kann.

Auch im Zug herrscht Feierabendverkehr, sodass ich die Stunde Fahrt zwischen Gepäck und Menschenmengen auf dem Boden verbringe und mich ein bisschen wie in einem öffentlichen Verkehrsmittel in Indien fühle.
In Bern angekommen ist mir das Glück mal wieder hold. Ich habe keinen Handyempfang (weil Schweiz keine EU und so) und der Bahnhof ist total überfüllt. Wir haben uns keinen Treffpunkt ausgemacht. Doch noch bevor ich deswegen in Panik ausbrechen kann, taucht hinter mir ein bekanntes grinsendes Gesicht auf und die Bahnhofsabholaktion kann als erfolgreich verbucht werden.
Schon ab diesem Moment habe ich so ein Bauchgefühl: die Reise wird großartig!
Chris, sein in die Schweiz ausgewanderter Kumpel (und Host für die nächsten 2 Nächte) und ich fahren 30 Minuten um gleich mit der ersten Stadtbesichtigung zu beginnen in
Murten am Murtensee
Ich habe mich im Vorfeld mal gar nicht über die Reiseregion hier informiert, denn ich weiß, wir haben zwei Locals mit am Start und die Wissen bekanntlich eh immer die besten Ausflugsziele. Und der erste Ort ist gleich ein Volltreffer. In der Abendsonne spazieren wir durch den mediterran angehauchten alten Ort und genießen La Dolche Vita.



Alles so ordentlich und mal wieder ein Stück heile Welt. Wir laufen auf der alten Wehrmauer entlang und genießen den Ausblick.

Die Gegend besteht eher aus sanften Hügeln und vielen Seen aber immer mit Blick auf die schrofferen Bergketten im Hintergrund.

Domdidier
Unser Schlafplatz liegt in Domdidier, einem kleinen Ort im bereits französischen Teil der Schweiz. Unser Host und seine Schweizer Freundin führen uns am Abend gleich in die Materie eines echten Schweizer Raclette ein und wir sind fasziniert vom schmelzenden Käse und der Tatsache, dass das Ganze wenig mit unserem deutschen Pfännchenraclette zu tun hat.

Tag 2
Nachdem wir den Samstag mit einem ausgiebigem Schweizer Käse Frühstück mit selbstgebackenem Brot und selbstgemachten Marmeladen begonnen haben, haben sich die Beiden zwei schöne Ausflugsziele für uns überlegt.
Zuerst geht es ins ca. 45 Minuten entfernte
Gruyeres

Dieser Name ist mir nur wegen der Käsesorte ein Begriff. Das es sich hierbei auch um einen scheinbar bekannten Touristenort handelt, zeigt wohl nur meine fehlende geografische Kompetenz wenn es um die Schweiz geht.
Als wir gegen 12 ankommen sind sämtliche Parkplätze schon gut gefüllt und einige Touristen schieben sich den Berg lang hoch in den kleinen Ort. Das Wetter ist eher mäßig, dennoch wirkt der mittelalterliche Ort auf dem kleinen Hügel zwischen den großen Bergen extrem beeindruckend.

Der Ort ist nicht nur für Käse bekannt sondern auch für Meringe/ Meringue oder auch Baiser genannt – eine Masse aus Eiweiß und Zucker und eine spezielle Doppelrahm Creme, also extra fettige Schlagsahne. Kalorien können sie also – die Schweizer.

Im Ort gibt es ein Schloss und das Museum von HR Giger, dem Typen der unter anderem die Alienfilme mit seinen spacigen Plastiken ausgestattet hat. Die Herren gehen ins Museum (13 CHF) um sich die verrückten Gemälde und Skulpturen des Künstlers anzusehen, während die Mädelsrunde die HR Giger Bar nebenan unsicher macht. Wow! Das ist mal eine exzentrische Bar. Die Decke, der Boden, die Möbel – alles wirkt als wenn ich gerade mitten in einem Gothic futuristischem Endzeitmovie sitzen würde. Spannend!


Den Rest der Zeit schlendern wir durch den kleinen Ort mit seinen alten Häusern und kleinen Gärtchen aber ich kann meinen Blick eigentlich nur auf das Bergpanorama richten und es kaum erwarten in den nächsten Tagen mehr davon zu bekommen.



Schwarzsee
Da unsere Gastgeberin auch Motorrad fährt, fahren Sie und Chris gemeinsam mit den Bikes zum ca. 50 km entfernten Schwarzsee während wir im Auto vorne weg fahre.
Der See liegt auf einer Höhe von ca. 1000 m im Kanton Fribourg zwischen bis zu 2200 m hohen Bergen. Da es nicht sonderlich sonnig und ziemlich frisch ist, ist es sehr ruhig und entspannt hier trotz des Wochenendes.



Wir drehen eine ca. 4km lange Runde um den See. Laufen vorbei an einer Alm, an der uns die Kühe neugierig beäugen, durch den mystischen Wald und genießen dabei immer den Blick auf den See oder in die Berge. Es ist so herrlich hier mit den blühenden Sommerwiesen.


Ein kleines Highlight ist der am Berg fliegende Eisendrache vom Schwarzsee, welcher rot glühende Augen bekommt wenn man auf einen Knopf drückt. Sicherlich ein großer Spaß für die Kleinen aber auch wir drücken den Knopf mehr als einmal 😀

Ab und an kommt auch mal die Sonne durch und rundet so unseren kleinen Spaziergang ab.

Avenches
Auf dem Rückweg halten wir Autofahrer noch mal im kleinen Ort Avenches, welcher bereits in der Römerzeit entstand und noch einige Relikte dieser Zeit beherbergt wie vers. Säulen und ein Amphitheater.

Wieder ein sehr abwechslungsreicher anderer Teil der Schweiz.
Tag 3
Heute heißt es schon wieder Abschied nehmen von unseren Schweizer Freunden aber zum Glück noch lange nicht von der Schweiz. Denn heute beginnt das eigentliche Abenteuer. Ein Ausflug in die Welt der Wunder und des Staunens!

Chris hat mit Hilfe seiner KTM App eine motorradtaugliche Route ins nur 90 km entfernte Wilderwil herausgesucht, die nur unwesentlich länger wird räusper Am Ende des Tages haben wir über 200 km auf der Uhr, die sich aber zugegebenermaßen mehr als gelohnt haben.
Kandersteg
Wir fahren vorbei am schönen Fribourg hinein in die Schweizer Bergwelten. Da Sonntag ist, ist auch der Verkehr äußerst entspannt und so macht es schon ordentlich Spaß die kleineren Berge rauf und runter zu fahren. In dem Moment in dem ich eine Ausschilderung ins 20 km entfernte Interlaken sehe (neben Wilderswil), biegen wir in eine völlig andere Richtung ab weil der Herr Spaß in den Bergen haben will. Und spaßig soll es werden…

Wir fahren vorbei am Blausee und lesen die Ausschilderung Kandersteg. Wir denken uns nichts dabei (weil wir halt mal wieder völlig planlos sind) und stehen auf einmal vor einem Kassenhäuschen. Umständlich krame ich mein Portemonnaie aus meinem Rucksack, der vor Chris Bauch geschnallt ist und zahle 19 CHF (für Motorrad) – ja aber für was eigentlich?
Wir haben absolut keine Ahnung was uns erwartet. Wir werden von einem Herren auf einen Parkplatz verwiesen und bekommen eine Uhrzeit genannt. Wir kichern wie nervöse Schulkinder um die Wette weil wir nicht wissen was uns eigentlich erwartet.

Schön ist die Sicht vom Parkplatz allemal. Süße kleine Schweizer Holzhäuschen, wunderschön bepflanzte Balkons, ein kleiner Wasserfall und ein atemberaubendes Bergpanorama.

Als eine weitere Motorradfahrerin auf den Parkplatz kommt, fragen wir für was hier hier eigentlich gezahlt haben. Des Rätsels Lösung – es ist ein Verladezug. Wenn ihr genauso wenig wisst was ein Verladezug ist wie ich – im Grunde eine Art Güterzug auf den man mit dem Auto oder in unserem Fall mit dem Motorrad fährt und welcher einen dann durch einen Tunnel durch den Berg fährt. In diesem Fall durch einen 15 km langen Tunnel, der einen vom Kanton Bern ins Kanton Wallis bringt.

Wir dürfen vor den Autos als Erste auf den Zug fahren und schon allein das ist ein Abenteuer. Am Ende des Zuges gibt es einen Wagon, in dem man die Motorräder abstellen und sich hinsetzen kann. Hinsetzen – pah, alles viel zu aufregend hier! Ich springe auf dem offenen Teil des fahrenden Zuges herum bis dieser in den Berg einfährt und fühle mich wie in einem alten James Bond Film, da hinter uns auch noch ein altes Willys Militärauto steht.


Wir fahren ca. 20 Minuten und kommen dann am Berg in Gampel-Bratsch wieder heraus und fahren über viele Serpentinen ins Tal. Nicht nur die Landschaft hat sich verändert sondern auch die Temperaturen sind auf dieser Seite um fast 10 Grad gestiegen, sodass sich alles schon sehr italienisch anfühlt, was auch nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass wir nur wenige Kilometer von Italien entfernt sind.
Alles sieht hier einfach nur Wow aus und wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wir fahren einige Kilometer durch das Rhone Tal und die Landschaft verändert sich wieder und wird mehr Schweizerisch mit den vielen alten dunklen Holzhäuschen.
Hängebrücke Fürgangen an der Furkastraße
Wir lesen die Ausschilderung Hängebrücke und sind uns sofort einige – hier halten wir an! Auf dem Parkplatz gibt es auch gleich einen kleinen Imbiss und eine kostenfreie saubere Toilette. Wir genehmigen uns eine Kleinigkeit zu essen (es ist inzwischen gegen halb 4 oder so) und gehen dann durch einen Tunnel unter der befahrenen Hauptstraße durch zur Hängebrücke. Auch kostenlos. Ich liebe Hängebrücken weil ich immer auch ein bisschen Angst vor ihnen habe und diese macht mir besonders Angst, denn so sehr geschaukelt wie die hat bisher noch keine.

Der Blick in jede Richtung ist einfach nur wunderschön und wir strahlen mit der Sonne um die Wette während wir beim vielen schaukeln versuchen unsere Handys und Brillen nicht fallen zu lassen.

Weiter geht es durchs Rhone Tal bis zum
Grimselpass 2164 m
Ich weiß nicht genau ob der Herr durch die App schon weiß auf was er sich da eingelassen hat aber für mich ist das alles nur ein einziger großer Wow Effekt. Aber auch der Helm vor mir schüttelt die ganze Zeit ungläubig den Kopf.

Wir schrauben uns den Pass über die unzähligen Serpentinen den Berg lang hoch und mir wird klar, dass jede Serpentinenstraße die wir bis hier hin gefahren sind, nur Kindergeburtstag war. Ich bin zwischen ängstlicher und freudiger Daueranspannung bei der mir das Grinsen aber einfach nicht aus dem Gesicht weichen will.
Der Herr konzentriert sich sehr, da die Straße gut befahren und sehr windig ist, dennoch hat er glaube ich den Spaß seines Lebens.
Oben angekommen nehmen wir wegen des Sturms den Helm gar nicht ab und fühlen uns deshalb umso mehr wie auf einem anderen Planeten. Das hier kann doch alles nicht wirklich in unserer Welt existieren?! Wir staunen Bauklötze als wir oben auf dem Pass stehen und die winzige Serpentinenstraße ins Tal herunter blicken. Die umliegenden Berge, der Blick auf den Furkapass und den Rhonegletscher. Einfach alles nur „mindblowing“!



Wir gehen noch ein Stückchen höher, was bei Sturm und mit Motorradschuhen auf dem unwegsamen Gelände gar nicht so leicht ist.
Oben angekommen gucken wir auf den Totensee. Ein kleiner Stausee. Wir schauen zu wie die Wolken von der anderen Seite des Berges langsam hier herüber ziehen. Faszination pur. Den Kopf in den Wolken quasi.

Grimsel Hospiz
Wir fahren ein Stück weiter und stellen fest, dass es hier alle 5 Meter einen Aussichtspunkt gibt und einfach alles nur wahnsinnig überwältigend ist. Wir fahren über die Staumauer auf die kleine Insel mit dem Grimsel Hospiz im Grimselstausee. (Hospiz ist in der Schweiz einfach nur ein Hotel)


Alles hier erscheint uns Flachländern einfach nur unwirklich. Diese Bergmassive um uns herum. Die verrückte Wasserfarbe des Sees. Der kleine Wasserfall. Der Gletscher. Das sehr fotogene Grimsel Hospiz. Die große Staumauer. Ich weiß gar nicht wohin mit meinen ganzen Gefühlen und bin einfach nur wahnsinnig überwältigt. Wir machen eine Trilliarde Fotos bevor wir über unzählige weitere Serpentinen ins Tal und somit wieder ins Kanton Bern fahren.


Das bewundernde Kopfschütteln vor mir hört nicht auf. Mein Grinsen auch nicht, sodass mir am Ende des Tages sogar die Bäckchen weh tun (ja, die anderen auch). Die Landschaft ändert sich einfach ständig und alles ist so neu und fremd und überwältigend.
Wir fahren durch unzählige Tunnel, vorbei an der Gelmer Bergbahn, immer den Berg hinab ins Tal.
Wandelbachfall
Unten angekommen gibt es wieder süße Schweizer Häuschen, die aber irgendwie wieder anders aussehen und viele kleine und größere Wasserfälle die an den massiven Berghängen kleben.

Am Wandelbachfall in Meiringen halten wir kurz und bewundern wie sich die Sonnenstrahlen göttlich durch die Wolken schieben und nur einzelne Punkte der Erde beleuchten.

Ein weiteres Highlight ist, dass es eine Straße mitten über das Rollfeld des Flughafens hier gibt. Ich meine wann ist man schon mal mit dem Motorrad übers Rollfeld gefahren?! Wir jetzt schon!
So langsam kann ich echt nicht mehr sitzen während wir am Brienzer See entlang fahren, durch viele niedliche touristische Örtchen wie Brienz oder Oberried. Die Farbe des Wassers hier ist mal wieder außerirdisch, denn der See leuchtet im Abendlicht milchig türkis.
Nur noch ein paar Minuten und wir kommen endlich in unserer Unterkunft für die Nacht an in
Wilderswil
Unsere Reiseplanung verlief so, dass ich gesagt habe zu welcher Sehenswürdigkeit ich will (in dem Fall Lauterbrunnen) und wir dann mithilfe der Booking Map geschaut haben wo im Umkreis von 30 km das günstigste Hotel mit Frühstück liegt. Das hat auch echt immer sehr gut und stressfrei funktioniert, was ich nicht gedacht hätte bei unserer kurzfristigen „ein Tag vorher“-Buchung in der Hauptsaison.
Wir bekommen hier sogar ein Upgrade von einer einfachen Unterkunft mit Gemeinschaftsbad im Nebengebäude auf Hotelzimmermit eigenem Bad, schöner Aussicht (Alpenrose Hotel 86 CHF) in den tollen Garten und eigentlich einem Blick auf die Jungfrau (4185 m) aber diese ziert sich bis zu unserer Abreise sich in Gänze zu zeigen.

Bis jetzt finden wir die Schweiz gar nicht so teuer – außer Essen gehen. Das ist etwas was man sich als Normalsterblicher hier nicht unbedingt leisten will. Deshalb geht es für uns zum kleinen Supermarkt um die Ecke und noch mal kurz am niedlichen Bahnhof der Jungfraubahn vorbei.

Wir genießen unser kleines Supermarktessen und eine Flasche Wein auf unserem Balkon mit Blick in die Berge und reden über unsere verrückte Tour heute. Ein schöner Tagesabschluss!

Tag 4
ich sage nur – was für ein Tag!
Lauterbrunnen
Wir stehen bereits um 6 auf um schon um 7 im 20 Minuten entfernten Lauterbrunnen zu sein. Wir fahren erst durch den Ort, machen dann ein paar Fotos auf einer Wiese und fahren dann nochmal ein Stück Richtung Jungfrau an weiteren Wasserfällen vorbei die irgendwie beeindruckender aussehen.




Dann geht es wieder zurück nach Lauterbrunnen um die typischen Instagram Motive zu finden. Ich weiß nicht was es ist aber wir sind enttäuscht. Ich besonders, denn ich hatte ja im Vorfeld schon viele Fotos gesehen. Irgendwie sieht der Wasserfall so viel kleiner aus als auf den Fotos (und ich hätte schwören können, dass es mehr Wasser wurde als wir gegen 8 wieder fuhren. Meine Theorie, die stauen das Wasser an, damit er tagsüber beeindruckender für die Touris aussieht?!) Die Sonne ist auch noch nicht draußen und wir finden nicht so den richtigen Photospot, sodass ich es am Ende alles eher so mäh finde und nicht so begeistert bin wie vom Instagramhype in Hallstatt (siehe hier). Dennoch ist es ein schöner Ort in den Schweizer Bergen, allerdings meiner Meinung nach overhyped! Das kann die Schweiz besser…



Grindelwald
Wir fahren gegen 8 weiter ins nächste Tal nach Grindelwald. Keine Ahnung was uns hier erwarten wird aber mich zieht es schon allein wegen dem Namen aus der Filmreihe Phantastische Tierwelten an. Die Sonne schiebt sich langsam über die Berge und auf einmal kommt er wieder in uns auf – der Wow Effekt.

Wir fahren einmal durch den großen touristischen Ort, den man so gar nicht in einem engen Bergtal zwischen unzähligen Viertausender Bergen erwarten würde. Wie hat ein weiser alter Mann mal so schön gesagt, es ist als wenn es jemand mit einem Salzstreuer über der Schweiz etwas zu gut gemeint und zu viele Viertausender ausgeschüttet hat 😀 (Die Schweiz hat mit 48 die meisten Berge über 4000 m in den Alpen – Frankreich hat im Vergleich nur 27 und Italien 35, Deutschland und Österreich haben gar keine)

Am Ende des Ortes geht es wieder einen Berg hoch zu einer weiteren Seilbahn. Hier im Tal gibt es bestimmt 10 Seilbahnen und man könnte eine Woche Urlaub nur hier verbringen und jeden Tag etwas anderes sehen.

Am Parkplatz angekommen gucken wir auf einen Gletscher, eine schöne Alm und unglaublich beeindruckend – die Eiger Nordwand. Der 3967 m hohe Berg ist vor allem dadurch im Kopf weil er eine extreme Herausforderung für erfahrene Bergsteiger darstellt und schon einige daran ihr Leben verloren haben. Ich verliere bei dieser Aussicht eher mein Herz. Die Schönheit unserer Erde löst überwältigende Glücksgefühle in mir aus.


Frühstück
Kurz nach 9 sind wir wieder zurück in Wilderswil. Die perfekte Zeit für Frühstück. Und das ist richtig gut. Der Frühstücksraum ist herrlich mondän eingerichtet. Wir haben einen Platz an einem der großen Fenster mit Blick in den Gemüsegarten, wo gerade der Wirsing frisch für das angrenzende Restaurant geerntet wird. Es gibt rot gefärbte Eier mit Schweizer Flagge, leckere Brotbeläge und was uns noch mehr freut Sekt. Keiner traut sich die noch geschlossene Flasche zu öffnen aber der Herr ist da nicht zu zimperlich, sodass ich noch zu meinem fancy Glas Prosecco zum Frühstück komme und der Tag bereits halb 10 schon eine 1 mit Sternchen verdient hat.

Wir spazieren noch eine Runde durch den hübsch angelegten Garten bevor wir weiter fahren.

Gelmer Bergbahn
Es geht heute wieder in die selbe Richtung von der wir gestern gekommen sind.
Wir halten zuerst am Brienzer See um die unnormale türkise Farbe zu bewundern. Leider sind heute die Lichtverhältnisse nicht so ideal wie den Abend zuvor.

Als wir an der Gelmer Bergbahn ankommen hat es sich ganz schön zugezogen und ist frisch geworden, sodass ich erst mal wieder die Sitzheizung anschmeißen muss.

Die Bergbahn ist mit 106 % Steigung eine der steilsten Standseilbahnen der Welt. Ich wollte eigentlich gern mitfahren aber man muss sein Ticket im Voraus online buchen und das am Besten schon Tage vorher, denn sie fährt nicht sonderlich oft und nimmt nicht sonderlich viele Fahrgäste auf. Wir laufen zur Talstation und schauen zu wie die Bahn verdammt steil auf den Berg fährt und ich bin auf einmal gar nicht mehr sooo traurig, dass ich nicht mitfahren kann, denn das sieht verdammt scary aus.

Grimselpass
Weiter zum Grimselpass, wo heute besseres Licht ist, sodass wir noch mal an einem anderen Aussichtspunkt zum Bilder machen und Staunen anhalten.

Wir haben davor und danach noch ganz wundervolle Dinge gesehen auf unserer Reise aber der Grimselpass hat mich einfach völlig von den Socken gehauen. Mein erster richtiger Pass mit dem Motorrad, spannendes Wetter mit den tiefen Wolken, eine Landschaft wie ich sie zuvor noch nie gesehen habe und dabei auch so verdammt abwechslungsreich. Schönheit – nicht von dieser Welt!

Furkapass

Die vielen Serpentinen wieder ins Tal nach Gletsch an der Rhone und gleich danach wieder unzählige Serpentinen hinauf auf den Furkapass.
Wir stellen Dörte ab und gucken erst ins Rhone Tal und staunen bis wir uns umdrehen und beide gleichzeitig denken – Moment mal, ist das nicht dieses berühmte Instagram Bild?! Ich glaub keiner hatte auf dem Schirm das das alte leer stehende Hotel hier liegt, genau in einer der Kurven. Wir sind mal wieder völlig begeistert wo uns die KTM App immer so lang schickt. Kann ich jedem Motorradfahrer nur empfehlen (keine Werbung).



Wir halten ein paar Meter weiter an einem anderen Aussichtspunkt an dem es auch wieder einen der Grand Tour de suisse Aufsteller (die weltberühmte 1600 km lange Reiseroute vereint 5 Bergpässe, 22 Seen und 11 Unseco Welterbestätten der Schweiz. Chrissi – die Tour machen wir wenn ich wieder da bin! :-D) gibt, die wir bereits einige Male gesehen haben.

Ich hatte gestern noch gesagt, dass es der beste Tag meines Lebens wäre, wenn wir ein Murmeltier sehen würden, als mich Chris auf einmal anschreit, dass unterhalb im Gras eines herum steht. Ich bin hin und weg. Ich liebe diese lustigen Gesellen und freue mich wie ein kleines Kind endlich welche zu sehen. Bester Tag ever!

Dann geht es nach Andermatt über eine erstaunlich schlechte Straße weiter zum Oberalppass, welcher auf einmal wieder ein komplett anderes Landschaftsbild zeigt. Hier sieht es aus wie im schottischen Hochland (zumindest wie ich es mir vorstellen würde). Vielleicht liegt es auch am schlechteren Wetter aber alles wirkt auf einmal so düster und rau.

Wir kommen an einer der Quellen des Rhein vorbei und halten kurz, damit ich ein Foto vom Babyrhein machen kann.

Eigentlich steht hier oben auch noch ein Leuchtturm. Eine Nachbildung des Leuchtturms der an der Mündung des Rheins an die Nordsee in Rotterdam steht. Diese Ausfahrt haben wir aber leider verpasst. Beim nächsten Mal dann.
Weiter geht es. So eine Fahrt über Bergpässe enttäuscht einfach nie. Alles sieht so atemberaubend aus, dass ich am liebsten die ganze Zeit Fotos machen möchte. So bleibt mir nur übrig diese Eindrücke für immer in meinem Kopf abzuspeichern und mit einem wohligen Gefühl im Herzen daran zurück zu denken.
Kanton Uri
Wir kommen ins Kanton Uri und wieder ändert sich alles. Die Häuser sehen anders aus und die Sprache wird auf einmal zu Teilen italienisch. Wir machen einen kurzen Supermarktstop und holen uns ein paar regionale Spezialitäten die wir sitzend auf dem Asphalt des Supermarktparkplatzes verdrücken.

Kanton Graubünden
Schon wieder ein neues Kanton. Hier sieht es ein bisschen wie in Bayern aus. Wir fahren mal wieder durch viele Tunnel wobei der längste fast 4 km ist. Mir ist die Sache irgendwie unbehaglich. Aber ich mag Tunnel mit dem Auto schon nicht.
Ab Chur wird die Fahrt anstrengend, denn es gibt wahnsinnig viele Kreisverkehre, es herrscht Feierabendverkehr und es ist heiß.
Erst als wir raus aus der Stadt sind und durch das wahnsinnig süße Örtchen Meienfeld fahren können wir uns wieder entspannen. Hier sehen wir auch den Abzweig zum Heididorf, was wir leider nicht mehr besuchen.
Dann wird es Militärisch. Überall Sperrgebiet und Bunker und Panzersperren. Ich wusste gar nicht, dass die Schweiz so viel Militär hat. Die halten sich doch eigentlich aus allem raus, dachte ich. Wir fahren im Militärort St.Luzisteig durch eine Festungsmauer. Spannend!
Von da geht es in das 33. Land was ich je besucht habe.
Wenn ihr wissen wollt wie unsere Reise weiter geht, dann lestin ein paar Tagen weiter… (der nächste Teil wird kürzer – versprochen)
Fazit Schweiz
Die Schweiz hat mich absolut von den Socken gehauen. Diese enorme Vielfältigkeit zwischen schroffen Viertausendern, mediterranen Weinhängen, gemütlichen alten Schweizer Dörfern oder italienischem Flair am Badesee hätte ich so einfach nicht erwartet. Die Schweiz hatte den Überraschungsmoment also auf ihrer Seite und hat mich damit total sprachlos gemacht.

Dieses Gefühl wenn man so eine Passstraße hoch fährt und dann ein 360° Bergpanorama hat, haut einen einfach nur völlig um. Ich kann hier noch so viele schöne Bilder posten aber keines wird das Gefühl ersetzen können, wenn man selbst dort steht und einfach nur völlig überwältigt ist und mit Gänsehaut auf unseren atemberaubenden Planeten hinab blickt.
