30. August 2020
Vorwort
Ums gleich vorweg zu nehmen – ich denke, dass Frankreich landschaftlich /architektonisch wirklich viel zu bieten hat aber diese Franzosen sind mir einfach mehr als suspekt. Ich konnte während meinen Reisen so viele Eindrücke sammeln und am unangenehmsten fielen mir dabei immer Gruppen an Franzosen auf. Ich habe aber auch sehr liebe allein reisende Franzosen getroffen aber in Gruppen sind die eher mit Vorsicht zu genießen weil einfach immer einen Ticken zu Stolz aka arrogant.
Und auch so generell hatte ich noch nie irgendwas Gutes über Paris gehört mit all seinem Massentourismus, Dreckecken und Straßenhändlern – kurzum es gab keinen Zeitpunkt in meinem Leben wo ich jemals dort hin gewollt hätte.
Aber nun ja, manchmal kann man sich Dinge halt auch einfach nicht so richtig aussuchen, denn ich wollte endlich mein Jahr Working Holiday in Kanada beginnen und hatte noch einen Gutschein einer bestimmten Fluggesellschaft von meinem letzten stornierten Versuch nach Kanada zu kommen. Normalerweise fliegen sie auch von Amsterdam und Prag aber halt nicht zu Covid Zeiten. Da wird nur von Paris geflogen und wenn man dann ja eh schon mal hin muss, dann kann man sich halt auch ein paar wenige Stunden mit Sightseeing beschäftigen.
Anreise
Für humane 60€ geht es für mich, mit nur einmal umsteigen in Frankfurt, in 8 h von Wittenberg nach Paris. Ich muss ja sagen, dass ich sowohl vom Preis als auch von der unkomplizierten Art der Reise sehr begeistert bin. Ich meine entspannter als mit der Bahn kommt man nun wirklich nicht in die Innenstadt von Paris. Da es im Zug ab Frankreich auch eine Platzreservierungspflicht gibt, habe ich mir für zusätzliche 4€ schon einen netten Fensterplatz ab Deutschland ausgesucht und sehe die Landschaft an mir vorbei rauschen.
Und ab Frankreich rauscht es dann auch gewaltig als der Zug mit 320 km dort lang brettert (in Frankreich darf der ICE schneller fahren als in Deutschland). Ich war vorher noch nie so schnell mit einem ICE gefahren. Schon ein bisschen gruseliges wenn es im Zug auf einmal anfängt zu schaukeln wie im Flugzeug.

Ich komme gegen 16 Uhr am schönen Gare Est also am Ostbahnhof an. Sehr schönes altes Gebäude. Also Architektur können sie auf jeden Fall in Paris, wie mir später noch einige Male bewusst werden soll.

Hostel
Das St. Christopher Inn ist eine Hostelkette die es auch in Berlin, Amsterdam, Interlaken usw gibt. Es liegt genau zwischen Gare Est und Gare Nord in einer kleinen Seitenstraße also extrem gut zu Fuß in wenigen Schritten vom Bahnhof zu erreichen.
Die Nacht im 6 Bett Frauendorm kostet 25 €, was ich völlig okay finde für ein so zentrales Hostel. Es ist enorm groß aber alles sehr ordentlich und auch hier spielt mir Covid mal wieder positiv in die Karten, denn es ist so leer, dass ich das komplette 6 Bett Zimmer für mich allein hatte.

Unten im Hostel gibt es auch eine Sportsbar mit leckerem Essen. Ich könnte mir vorstellen, dass da zu „normaleren“ Zeiten auch einiges los ist und es nachts laut werden kann aber zur Zeit ist alles herrlich ruhig und entspannt.

Einziger Kritikpunkt: die Lage ist an sich von der Erreichbarkeit her gut aber es liegt halt auch in einem Multikultiviertel. Das meiste sind irgendwelche normalen ostafrikanischen Geschäfte und Restaurants aber einige Ecken sehen auch mehr als „sketchy“ aus und was sollen eigentlich diese ganzen Zigarettenverkäufer auf der Straße die einen ständig anquatschen?! Die verkaufen doch nicht nur Zigaretten oder? Jedenfalls würde ich da als Frau nachts niemals allein raus gehen, weshalb ich auch unbedingt vorm Dunkel werden wieder zurück im Hostel sein will.
Notre Dame
Ich mache mich mit der Metro (1,90€) vom Gare Nord auf ins touristische Viertel von Paris. Man hätte theoretisch auch laufen können aber aus Zeitmangel fahre ich lieber Metro.

Erster Haltepunkt die Notre Dame Kathedrale. Es ist mir ja schon fast ein bisschen peinlich aber ich weiß absolut nichts über Paris weil ich mich einfach nie damit beschäftigt habe. Mein ganzes Wissen stammt aus Filmen oder News die ich so am Rande auf social media mitbekomme.

Ich meine ich wusste natürlich, dass es 2019 einen großen Hype gab weil Teile der Kathedrale abgebrannt sind und für den Wiederaufbau völlig unnötiger Weise Millionen gespendet wurden (Korrigiert mich wenn ich falsch liege aber wären nicht eher Spenden zur Rettung unseres Lebensraumes angebracht – Aufforstung, Reinigung der Meere, erneuerbare Energien, Probleme in der Massentierhaltung – anstatt welche für ein altes Gebäude was auch als Ruine gut aussehen würde?! Aber was weiß ich schon…) aber mehr weiß ich auch nicht über das Ding. Achso und nen Glöckner gab es auch noch aber auch nie gelesen oder gesehen. Also ihr merkt schon, wirklich null Interesse an irgendwas was Paris betrifft. Aber das Gute daran ist ja, dass ich so völlig erwartungslos an meinen Stadtrundgang heran gehen kann.

Das ist sie also die berühmte Notre Dame. Hm, ist halt auch nur ne Kirche bei der momentan ringsherum halt alles wegen dem Brand abgesperrt ist aber immerhin die Lage direkt an der Seine ist sehr schön.
Seine
Während ich zuvor noch mit Ohhs und Ahhs gespart habe, kommen diese nun an der Seine hervor, denn hier gefällt es mir richtig gut.
Dieser herrliche breite Fluss der von der wunderschönen alten Promenade gesäumt wird. Die vielen Brücken darüber. Und daneben diese ganzen herrschaftlichen Wohnhäuser oder offiziellen Gebäude.

Ich kann jetzt jeden verstehen der schon mal über seinen Spaziergang an der Seine geschwärmt hat.



Ich bin ja so ein kleiner Architekturjunkie und diese alten großen Pariser Häuser sind schon echt ein Träumchen und während ich da so lang schlendere fühle ich mich als wenn ich ein Teil von Filmen wie Ratatouille, LOL oder Ziemlich beste Freunde wäre.



Ich will gar nicht wissen wie es an einem normalen Sonntag im Sommer hieraussieht. Heute ist hier nahezu niemand und es gibt auch nur wenige dieser antiken Bücher Stände hier an der Seine.
Also wenn ihr mal nach Paris müsst räusper dann haltet euch an der Seine auf, damit macht ihr nichts verkehrt, denn im Grunde liegen auch fast alle Sehenswürdigkeiten am Fluss, was ich als sehr praktisch empfinde, da ich trotz totaler Planlosigkeit und wenig Zeit/Interesse echt viel sehen kann.
Palais du Louvre
An der Seine liegt auch das Louvre zu dem ich als nächstes abbiege. Auch hier musste ich erst mal googeln was genau das jetzt eigentlich ist. Ich meine ich weiß, dass es ein Kunstmuseum ist (das mit 12 Millionen Besuchern im Jahr meistbesuchte Museum der Welt um genau zu sein) aber was ist der ganze riesige alte Palast ringsherum? Na, wisst ihr das?! Wahrscheinlich ja… Es ist die ehemalige Residenz des französischen Königs, ein Teil des Pariser Stadtschloss. Napoleon hat z.b. auch schon hier drin gewohnt. Da hatte der kleine Mann ja ordentlich Platz.

Ich finde den großen Palast, mit dessen Bau bereits im 12. Jahrhundert begonnen wurde, total schön. Und mal wieder ist herrlich wenig los. In den Eingängen spielen ein paar Straßenmusiker richtig schöne moderne Musik im klassischen Gewand, sodass man direkt in so eine herrschaftliche Mood kommt. Die Sonne findet ihren Weg auch noch mal kurz zwischen den Wolken hervor und so gefällt es mir hier tatsächlich so richtig gut. Man muss keine Angst haben, das einem im Gemenge Dinge aus dem Rucksack gestohlen werden. Man kann seine Kamera mit Selbstauslöser irgendwo hinstellen um ein Foto von sich zu machen. Ja, das sind Dinge die ich sehr schätze, denn das hätte ich mir im Rest von Paris nicht getraut.



Und generell muss man ja sagen – der interessante touristische Teil von Paris ist sowas von Fußgängerfreundlich angelegt. Man kommt nahezu null in Kontakt mit dem nervigen Straßenverkehr weil alles Fußwege an der Seine oder durch Parks sind. Und in genauso einen Park steuere ich hinter dem Louvre.
Jardin de Tueleries
Der im 17. Jahrhundert angelegt Park ist absolut herrlich. Es ist allerdings schon ein bisschen voller hier. Hauptsächlich Locals die einen kleinen Sonntagsspaziergang machen. Touristen sieht man nahezu keine.

Der Park ist so schön angelegt mit vielen bunten Blumen, Springbrunnen, alten Statuen und vor allem mit ganz vielen einzelnen Metallstühlen die man sich einfach dort hinziehen kann wo man sitzen möchte. Und so langsam fange ich an diesen gewissen Paris Hype zu verstehen.

Es ist schon schön hier – zumindest in der Tourizone – das Problem sonst sind halt nur die Touris und alles Negative was sie mit sich bringen wie große Menschenansammlungen, Taschendiebe, noch mehr Müll und nervig aufdringliche Straßenverkäufer.
Am Rande des Parks gibt es auch einen großen Jahrmarkt mit verrückten Fahrschäften und Riesenrad. Ich glaube das ist sowas wie der Wiener Prater und das ganze Jahr über hier.

Jedenfalls ein entspanntes Fleckchen Erde.
Champs Elysees mit Triumphbogen
Am Ende des Parks liegt der Concorde Platz, der größte Platz Paris mit zwei monumentalen Brunnen und dem Obelisken von Luxor. Der Obelisk soll im 13. Jahrhundert VOR Christus gefertigt worden sein und stand bis 1831 im Tempel von Luxor. 1831 hat der ägyptische König das Ding dem französischen König geschenkt und der hat diesen nach äußerst beschwerlichem jahrelangen Transport nach Paris, 1836 auf den Platz gestellt. Die goldene Spitze des Obelisken wurde erst 1998 hinzugefügt. Crazy Story und ich finde es einfach nur extrem faszinierend vor etwas zu stehen was vermeintlich tausende von Jahre alt ist. Unvorstellbar!


Vom Concorde Platz hat man einen äußerst guten Blick auf die sehr befahrene Champs Elysses und den Triumphbogen in der Ferne. Neben der breiten Straße gibt es rechts und links einen Park. Na woran erinnert euch die ganze städtebauliche Gestaltung – also mich an das Ensemble aus Siegessäule und Brandenburger Tor. Wer hat da von wem abgeguckt?

Aus Zeitgründen spare ich mir weiter dort hin zu laufen und steuere an der Seine entlang Richtung Eiffelturm.
Ponte Alexander III.
Mein Weg führt mich dabei vorbei durch einen kleinen Park, der leider völlig von Obachlosen eingenommen ist. Im Park befindet sich das kleine Palais und auf der gegenüberliegenden Straßenseite das große Palais.
Ich glaube alles in Paris ist nur wegen dieser einen Weltausstellung 1900 so schön. Also klar, es gab schon vorher diese ganzen königlichen alten Gebäude aber vieles wurde erst 1900 erbaut und genau das sind die Dinge die mir am besten gefallen haben weil ich Gründerzeitstil / Jugendstil so sehr liebe.

Und diese beiden Palais wurden auch in der Zeit erbaut genau wie die Alexander der III. Brücke über die Seine. Was für ein Bauwerk. Wow! So viel Gold und Prunk und kleine Details. Einfach nur wunderschön und dazu noch dieser Blick über die Seine zum Eiffelturm. Okay, das ist dann hier wohl das richtige Paris Feeling. Schon schön, man kann es echt nicht schlecht reden.



Auch dieser Invalidendom und das Militärmuseum am Ende der Brücke ist einfach nur ein wahnsinnig beeindruckendes Gebäude. Ah, Wikipedia erklärt mir gerade, dass Napoleons Grab in dem Dom ist. Interessant. Geschichtlich interessierte Menschen wussten das sicher bereits. Ich, völlig unwissend, werde immer wieder überrascht von Dingen die ich nach einem Besuch eines Ortes im Internet lese. Wäre ja auch viel zu einfach sich vor einer Reise damit zu beschäftigen räusper


Eiffelturm

Und wie es das Schicksal so will, laufe ich nicht die wohl typische Strecke bis zum Invalidendom und dann von dort aus über die Champs de Mars zum 1887 -1889 errichteten Eiffelturm sondern ich laufe einfach direkt in die Richtung wo ich den Turm über den Häusern hinweg blitzen sehe. Meine Gehweise stellt sich als sehr gut heraus, denn so bekomme ich noch eine andere Art des typischen Pariser Flair mit, nämlich die kleinen Straßen mit schicken Geschäften und süßen Straßencafés und Bars in denen gut gekleidete intellektuell aussehende Menschen bei einem Kaffee oder einem Glas Wein sitzen und über das Leben philosophieren. Also auch das ist kein Film-Klischee sondern das gibt es in Paris wirklich. Und dazu noch die Sichtachse zum Eiffelturm und die Sonne die sich noch ein letztes Mal zeigt – Perfektion!



Aber ich muss euch sagen, das war`s dann leider auch mit der ganzen Schönheit, denn danach ging es nur noch bergab mit meinen positiven Gefühlen für Paris.
Das erste was ich am Champs de Mars, dem kleinen Park vorm Eiffelturm sehe, sind schwer bewaffnete Frauen und Männer die dort Patrouille laufen. Na sowas mag man doch gern sehen wenn man als Tourist unterwegs ist – nicht! Der Park ist auch irgendwie nicht sehr sauber und das Wetter auf einmal doof und dann diese Heerscharen von nervigen Straßenverkäufern (sicherlich immer noch sehr wenige im Vergleich zu sonst) und auch dieser Eiffelturm, also ich weiß nicht. Von Weitem sieht der so beeindruckend und interessant aus und wenn man dann davor steht, denkt man sich, hm, ich war da letztens im Harz auf dem Josephskreuz – das sah auch nicht anders aus. Kurzum ich bin unterwältigt bis leicht genervt und wusel mich in Windeseile zwischen den Straßenverläufern am Turm vorbei, den Blick immer auf den Boden gerichtet um bloß nicht noch mal angesprochen zu werden. Sowas ist ja gar nichts für mich!


Diese ganzen romantischen Filme am Eiffelturm – vergesst es! Daran ist nichts aber auch absolut gaaar nichts romantisch. Gleich dahinter gibt es eine große laute Straße und alles sieht irgendwie so lodderig aus. Näh, also wenn ich mir das Ding als ersten Sightseeingpunkt vorgenommen hätte, dann wäre ich wohl gleich wieder zurück ins Hostel gefahren, so enttäuscht bin ich.
Ich bin allerdings total überrascht, das es absolut keine Schlange am Turm gibt und man direkt hoch fahren könnte aber 25€ oder was das kostet – näh, lass ma!

Und generell hatte ich mir das ja alles so anders vorgestellt, so von der Lage und der Einteilung her. Ihr kennt doch sicher alle diese Instagrambilder die so von oberhalb am Palais de Chaillot aufgenommen werden. Die sehen dann immer alle ultra verträumt und romantisch aus aber nee. Nichts ist hier romantisch. So gar nicht und ich bin so schockiert wie Vorstellung und Realität hier nicht weiter auseinander gegen könnten. Die ganze Ecke sieht so schmuddelig und armselig aus. Unten im Park gehen die Springbrunnen nicht. Auf den Treppenstufen wieder unzählige Straßenhändler / Handtaschendiebe/Abfall. Einige Teile der Brüstung sind mit einer mehr als hässlichen Holzwand abgesperrt (die sicherlich die ganzen Touris davon abhalten soll auf das Geländer zu klettern um das beste Bild zu machen und dabei in den Tod zu stürzen) aber holy moly sieht das kacke hier aus. Ich weiß nicht an welchem berühmten Ort ich jemals so unterwältigt und enttäuscht über die Realität war.

Ich versuche dennoch ein nettes Bild zu machen und musse feststellen, dass das nichts wird. Außerdem habe ich Angst um meine Habseligkeiten also sehe ich zu, das ich hier schnellstmöglich wieder in die Metro komme und ins Hostel zurück fahre.


Fazit
Natürlich schade, dass das mein letzter Eindruck von Paris ist aber so läuft das halt manchmal.
Und ich weiß auch, dass ich viele tolle Orte nicht geschafft habe. Aber ich werde wohl auch nicht nochmal herkommen.

Ja, das klingt jetzt echt böse aber dieses Paris, ich weiß nicht. Es hat definitiv seine schönen Seiten und die Architektur ist einfach nur „a wet dream“ aber für mich persönlich gibt es einfach zu viele Negativpunkte die mein positives Erlebnis hier extrem schmälern. Es gibt von allem Negativem einfach zu viel. Zu groß, zu laut, zu voll, zu viele sketchy Menschen, zu viel Dreck und einfach zu wenig von diesem Parisienne Chic der immer so beworben wird.

Aber Paris, mach dir nichts draus – Berlin z.B. finde ich aus genannten Gründen genauso kacke obwohl es auch dort super schöne Ecken gibt und die Touris kommen ja trotzdem (zumindest in einem normalen Jahr)
Also alles in allem – ich habs mal gesehen aber reicht dann auch.