Tod Inlet – Bear Hill – Elk Lake

  1. November 2020

Disclaimer: Es gab weder den Tod, noch nen Bären oder nen Elch zu sehen… die Namen hier sind alle „just false advertisment“

Wer hätte gedacht, dass der 1. November (und erster Tag der Uhrzeitumstellung) selbst in Kanada, ein Sonntag mit traumhaftem Wetter sein könnte. Generell muss ich sagen, sind mir die Wochenenden bis jetzt recht wohl gesonnen und ich hatte oft tolles sonniges Wetter und konnte etwas unternehmen. Und so macht auch dieser Sonntag seinem Namen mal wieder alle Ehre und ich kann auf Erkundungstour gehen.

Anreise

Mit einmal umsteigen geht es mit dem Bus heute mal in eine andere Richtung (bisher war ich immer nur Richtung Langford gefahren) und zwar nach Saanich. Der Himmel hat sein strahlendstes blau aufgelegt und die Sicht auf die Berge der USA ist heute einfach nur traumhaft. In ca. einer Stunde fahre ich bis zur Haltestelle der berühmten Butchards Gardens (der Eintrittspreis ist recht saftig, deshalb werde ich mir die wohl nur einmal im Frühling zu Gemüte führen). Von dort laufe ich etwas umständlich und unerlaubterweise wieder vom Parkplatz herunter und biege in einen kleinen Seitenweg zum Inlet ab. Erstaunlicherweise ist hier einiges mehr los als ich dachte aber jeder nutzt wohl heute das tolle Wetter.

Tod Inlet

Das Inlet ist wie eine Art Meerarm der sich weit ins Landesinnere herein zieht. Das Wasser hier ist herrlich ruhig. Die Sonne stahlt auf den feinen Sandstrand. Ein paar Boote liegen auf dem Wasser. Es ist wunderschön hier. Auf meiner Maps.me Karte habe ich gesehen, dass es in eine Richtung noch mehr Strände geben soll. Ich versuche einen Weg dort hin zu finden und schlage mich abenteuerlustig wie ich bin über eine steile Strecke durch den Wald aber nichts zu machen, denn plötzlich stehe ich vor einem großen Zaun an dem mit bissigen Wachhunden geworben wird. Okay dann geht’s also wieder zurück in die andere Richtung, den offiziellen Wanderweg entlang. Es gibt einen etwas abenteuerlichen Abzweig zum Wasser hinunter, wo ich mich wegen Abrutschgefahr mal wieder an sämtlichen Wurzeln und Baumstämmen festhalten muss. Aber es lohnt sich. Unten angekommen verschlägt es mir den Atem. An dieser Stelle fließt der kleine Bach ins Meer. Ich stehe auf einer kleinen rutschigen Landzunge umgeben vom dunklen Wald und starre auf die helle spiegelglatte Oberfläche des Inlets. Wow! Mal wieder so ein typisch kanadischer Anblick. Ob diese jemals langweilig oder austauschbar werden können? Ich hoffe nicht!

Als ich mich wieder nach oben auf den Wanderweg gekämpft habe, gibt es von hier traumhafte An- und Aussichten. Die Sonne scheint in den Wald herein und beleuchtet einige gelbe Herbstblätter und Farne.

Beim Blick nach unten sieht man den kleinen Fluss der sich über Stromschnellen durch das Tal windet. Es sieht hier alles ein bisschen aus wie in Jurrasic Park. Dazu kommen noch die Überreste eines Kalkabbaugebietes, welche nur noch fragmenteweise vorhanden sind. Ein toller „lost place“.

Nach ein paar weiteren hundert Metern komme ich oben an der Straße heraus und muss neben der Fahrbahn wieder zur Haltestelle zurück finden. Ich glaub ich bin die einzige Person die hier nicht mit dem Auto hergekommen ist. Die Busse fahren hier nicht allzu häufig und so muss ich erst mal die richtige Bushaltestelle finden (da die mich in den Butchards Gardens nicht wieder rein und zur Bushaltestelle lassen ohne Ticket – ich hätte da vorhin schon gar nicht aussteigen dürfen) und dann noch eine ganze Weile auf den Bus warten, da dieser erst über den Parkplatz der Gärten und vorbei an den Tickethäuschen fahren muss, wo sich eine lange Autoschlange davor gebildet hat.

Mit ein paar Minuten Verspätung kommt er aber endlich und ich kann zu meinem zweiten heutigen Ziel aufbrechen.

Bear Hill

Maps.me zeigt mir mal wieder einen inoffiziellen Weg an bei dem ich ein Stück an der Straße entlang laufen muss. Mache ich ja äußerst ungern aber zum Glück ist sie nicht so befahren. Dann geht’s eine Wohnstraße lang hoch, wo mir eine ganze Horde Rehe entgegen gerannt kommt. Zum Ende hin, ist nicht so ganz klar ob ich hier nun weiter gehen kann oder auf einem Privatgrundstück lande aber ich finde einen kleinen Weg der sich am Ende der Straße in den Wald hineinschlängelt. Es geht immer weiter den 220 m hohen Hügel hinauf. Ich schniefe wie eine alte Dampflok (das wird sich wohl nie ändern) und stehe auf einmal vor einer Moos/ Gesteinswand und frage mich wo es jetzt lang gehen soll – einzige Antwort, über die Felsen nach oben. Nach oben ist für mich ja meist nicht so problematisch, nur runter zu bin ich ein Schisser. Ich kämpfe mich nach oben und halte mich hier und da an Wurzeln oder kleinen Bäumen fest. Bin mir aber da schon sicher, dass sich der Aufstieg lohnen wird. Und wie er sich lohnt. Ich stehe da oben auf den Felsen mit weit aufgerissenem Mund und komme aus den Staunen nicht mehr heraus. Denn man hat heute die perfekte Sicht auf den inaktiven schneebedeckten 3300 m hohen Mt. Baker im US Bundeststaat Washington. Das Bild was sich da vor mir zeigt ist einfach so perfekt, dass es kein Foto dieser Welt jemals so beeindruckend abbilden könnte, wie es in der Realität ist. Die Nachmittagssonne scheint von hinten, vor mir gibt es ein paar knorrige alte Bäume, dahinter einige in Herbstlaub gekleidete, dann das Meer, mittendrin eine Insel und dann der Vulkankegel. Ich hatte selten einen perfekteren Ausblick und das absolut geile – da ich hier auf einem eher inoffiziellen Aussichtspunkt und nicht auf dem Gipfel gelandet bin, bin ich mutterseelenallein und kann die Aussicht für eine Weile in völliger Ruhe genießen, bevor ich beschließe mich auf zum Gipfel zu machen. Ich will gerade meine Antibären Musik anwerfen (das mache ich immer wenn ich im Wald komplett allein unterwegs bin und die Chance auf Bären somit steigt), kommt mir ein weiterer Wandersmann entgegen. Als ich oben auf dem Gipfel ankomme, wundere ich mich über die ganzen Menschen mit kleinen Kindern die auch hier oben sind, der Aufstieg hat es ganz schön in sich, denn der Waldboden ist nass und rutschig und dazu ist der Weg sehr steinig. Aber kanadische Kinder sind das Wandern halt auch mehr gewohnt. Hier oben hat man noch mal einen Blick in die andere Richtung und in die kanadischen Bergen und ganz in der Ferne sind Whistler und sogar Teile der Rockies auszumachen. Schon eine geile Aussicht hier aber definitiv nicht so gut wie meine vorherige.

Bevor ich mich auf den Weg nach unten machen, folge ich noch einem kleinen Pfad zu einem anderer Aussichtspunkt in eine andere Richtung, zur Sonnenseite und alles was ich sehe ist dichter kanadischer Nadelwald. Natureporn! So wunderschön!

Ich mache mich auf einem anderen Weg langsam nach unten und wundere mich mal wieder wie holprig und gefährlich und schlecht begehbar hier teilweise die Strecken sind. Immer schön langsam schiebe ich mich den matschigen Untergrund hinunter. Der Weg will nicht enden und meine Knie werden wieder ganz schön in Anspruch genommen. Als ich endlich wieder festeren Boden unter den Füßen habe, geht es weiter durch den Wald durch eine kleine Wohnsiedlung und vorbei an ein paar Ponys. Und schon bin ich auch wieder an der Straße und muss mal wieder ein Stück dieser bis zu einem Abzweig folgen an dem es zum letzten Tagesziel geht, dem

Elk Lake

Einer der größten See in der Victoria Region, wenn nicht sogar der Größte. Man sieht diesen schon wenn man von der Fähre oder vom Flughafen aus in die Stadt fährt. Die Abendsonne taucht die Bäume ins schönste Herbstlicht und ich bin verzückt. Ich folge für ca. 2,5 km dem 10 k Rundweg um den See. Auf diesem dümpeln ein paar Boote herum und Enten – viele Enten und diese sind nur in der Gruppe anzutreffen und schwimmen immer in Formation von links nach rechts und wieder zurück. Keine Ahnung warum aber sowas sehe ich auch zum ersten Mal.

Ich spaziere weiter auf dem schönen sehr begangenen Weg zum Hamsterly Beach (süßer Name wie ich finde), dort setzte ich mich noch eine Weile auf die Bank und beobachte wie so langsam die Sonne hinter den Bäumen verschwindet und es recht winterlich frisch wird.

Rückfahrt

Dann heißt es den Rückweg antreten und ich laufe vor zum großen sehr befahrenen Highway, der sich wie eine Autobahn anfühlt, um neben einer Tankstelle auf den Bus zu warten. Ich habe vorher nicht nachgesehen wann einer fährt aber da 4 vers. Busse hier vorbei kommen, bin ich mir ziemlich sicher, dass es nicht allzu lange dauern kann, allerdings warte ich am Ende doch 15 Minuten. Es ist inzwischen ganz schön kühl geworden und an so einer „Autobahn“ stehen ist auch nicht so geil.

Ich erwische mal wieder einen der Doppeldeckerbusse und beobachte von oben die unendlich vielen Zwergkaninchen, die wild lebend auf dem Seitenstreifen zum Beaver Lake hin ihr Unwesen treiben. Also falls ich mal wieder Sehnsucht nach Häschen kuscheln habe, dann weiß ich jetzt wo ich die finde. Wahrscheinlich haben Leute mal ihre Haustiere hier ausgesetzt und die vermehren sich nun seit Generationen. Die Sonne geht gerade endgültig unter und taucht die Stadt in ein rosa Licht. Von einer Stelle des Highway kann man auf ganz Downtown, das Meer dahinter und die US Berge gucken und ich bin mal wieder völlig verzückt an welch wunderschönem Ort ich hier gelandet bin… Ich weiß momentan echt nicht ob ich hier jemals wieder weg will…muss ich?!

Fazit

Ein weiterer dieser absolut perfekten Tage die ich so immer nur auf Reisen erlebe. Großartiges Wetter, alles klappt, ein Schutzengel hält bei waghalsigen Aktionen seine schützende Hand über mich. Ich habe tolle Tiererlebnisse. Sehe Orte die mir den Atem verschlagen und mein Herz wild klopfen lassen. Ich fühle wie die Energie der Natur in meine Adern schießt während ich meine wunderschöne Insel erkunde. Oh wie schön ist Kanada!!!


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