- Oktober 2020
Sonntag ist Familienzeit und da das Wetter auch noch halbwegs passte, was schnell klar, heute machen wir einen Ausflug!
Und ich durfte mir aussuchen wohin es geht. Ich kann zwar einiges mit dem Bus abfahren aber die richtigen Knaller Locations liegen meist irgendwo im nirgendwo und man benötigt ein Auto.
Anreise
6 bezaubernde Grad Celsius, dazu ein relativ starkes Lüftchen und nur so halb Sonne – dick eingemummelt mit allen möglichen Lagen die ich habe (ich besitze immer noch keine Winterjacke) geht es gegen 12 wieder nach Sooke. Ich habe die Ehre hinten zwischen meinen beiden kleinen Kürbissen zu sitzen und die benehmen sich während der einstündigen Autofahrt sogar mal richtig ordentlich ohne Drama oder andere Kämpfe. Die Strecke nach Sooke ist stellenweise so schön weil es viel am Wasser lang geht. Durchs Schiebedach sehe ich einen Weißkopfseeadler und bin total begeistert, denn die hatte ich das letzte mal 2017 am anderen Ende der Insel gesehen und wusste nicht, dass die sich hier auch herum treiben. Majestätische Tiere!
Kurz vor Sooke biegen wir in die Wälder ab und folgen kleinen Straßen bis wir auf einem ersten Parkplatz am Sooke River landen.
Sooke Potholes Provincial Park
Wir setzen uns in die Sonne, verdrücken unsere Sandwiches und warten auf einen Freund der Familie, der uns bei unserer kleinen Wanderung begleite. Der Sooke River ist hier unten ein glasklarer ruhiger Strom, der so aussieht als wenn er kein Wässerchen trüben könnte 😀 Aber weiter fluss- und bergaufwärts gibt es so einige spannende und gefährliche Stellen, die es zu erkunden gilt.

Als wir vollständig sind, geht es bergauf zum nächsten Parkplatz. Im Grunde könnte man das alles auch laufen aber mit den Kiddies ist das nicht so die beste Variante.
Vom zweiten Parkplatz aus, machen wir dann einen kleinen Spaziergang hinunter zu einem Strand am Fluss. Die kleinen Kürbisse spielen und springen über die Steine. Ich liebe es glückliche Kindern zuzusehen und auch wenn die Mäuse nicht immer einfach sind und eine Schraube locker haben, so würde ich behaupten, sind sie zu 100% glückliche kleine Menschen.
Aber auch ich bin glücklich, denn die Sonne scheint und es gibt hier so einiges zu entdecken. Ich fühle mich wie auf einem Naturspielplatz und kraxele freudig über die Steine um die Schlucht hinunter zu schauen. Leider habe ich immer noch nicht heraus gefunden, wie man es hinbekommt, dass man auch auf Fotos erkennen kann, wie tief etwas ist. Zum Glück sind die Männer an einer Stelle nach unten zum Fluss geklettert, sodass ich da einen kleinen Referenzpunkt habe.

Der Fluss schlängelt sich hier durch eine Schlucht über wilde Stromschnellen hinweg.
Die Gesteinsformationen
Das kleines 8 jähriges Äffchen wille an jeder möglichen Stelle die gefährlichen Klippen lang runter klettern und ist jedes mal bockig, wenn wir sie davon abhalten. Stattdessen machen wir uns auf dem Weg zu einem der offiziellen Aussichtspunkte, welcher mit Treppen und Geländer ausgestattet ist. Von dort hat man einen tollen Blich auf den rauschenden Sooke River. Was ich aber noch wesentlich spannender finde, ist dieses alte Steingebäude, welches da am Felsen klebt und voll mit Graffiti ist und die alte Autositzbank unterhalb auf den Felsen. Meine „kanadischen Eltern“ erklären mir dann, dass die hier vor ein paar Jahren mal ein fancy „Burghotel“hinbauen wollten. Das Projekt scheiterte allerdings und das Ganze wurde zu einem Lost Place in dem Underground Parties statt fanden. Richtig spannend! Allerdings kamen dann 2 junge Männer ums Leben als sie nachts mit ihrem Truck von der Straße abkamen, im Fluss landeten und dort ertranken. Daraufhin wurde das komplette Gelände großräumig abgesperrt, mit einem Zaun den man (leider) wirklich nicht überwinden kann. Schade!


Wir laufen zurück zum Parkplatz und fahren bergauf zum letzten Parkplatz. Dort entdecken wir einige fotogene Fliegenpilze. Hatte ich hier vorher noch nicht gesehen. Und weiter geht es mit dem über die Felsen klettern. Die Äffchen kletteren mit ihrem Papa am Strand entlang, während ich mich schon mal auf den Weg zu den anderen Aussichtspunkten mache. An dieser Stelle wieder mal ein Shoutout an die App Maps.me (die mich immer noch nicht sponsored obwohl ich so viel Werbung mache ;-)). Aber ohne die hätten wir die ganzen inoffiziellen Aussichtspunkte gar nicht gefunden, denn die Karte im Park selbst war mal wieder sehr unübersichtlich und zeigt ja auch nur die offiziellen Wege und meine Familie scheint ein großes Orientierungsproblem zu haben, denn anstatt dem richtigen Weg zu folgen und wieder auf mich zu treffen, laufen sie zurück zum Parkplatz und laufen die Straße bis zum nächsten Strand, an dem ich sie dann dank meines Kamerazooms viel später entdecke.


Die inoffiziellen Abzweige vom Wanderweg sind natürlich viel spannender. Ich habe ja eigentlich starke Höhenangst und mir wird immer ein bisschen komisch wenn ich an Abgründen herum laufe aber ich hab dann doch so viel Ehrgeiz wirklich alles zu sehen, dass ich meine Angst dann immer mal für ein paar Sekunden ausschalten kann. Doof ist nur immer, wenn sie zurück kommt, wenn ich noch keinen festen Boden unter den Füßen habe. Das passiert mir auch manchmal, inklusive Panikattacke und Schwindelgefühl. Ganz schlecht an Abgründen. Passiert mir diesmal auch als ich allein unterwegs bin. Aber da ja keiner da ist der über mich lachen kann, lege ich mich einfach auf den Bauch um in die Schlucht gucken zu können und robbe dann wieder auf ungefährlicheren Untergrund zurück. Ich will nicht wissen wie ich dabei auseheh aber es funktioniert 😀


Salmon Run
Nachdem ich wieder mit dem Rest vereint bin, verabschieden wir uns vom Freund der Familie und fahren weiter. Beim Weg zurück sehen wir einige Leute auf einer Brücke stehen vor der ein Schild mit der Aufschrift „Salmon Habitat“ steht und so dreht „mein Dad“ kurzerhand um und hält am Parkplatz, denn zur Zeit ist der sogenannte Salmon Run. Kurze Erklärung, falls jemand in Biologie nicht aufgepasst hat. Lachse schlüpfen und schwimmen dann flussabwärts ins Meer, wo sie ihr Leben bis zu dem Zeitpunkt verbringen wo sie Geschlechtsreif sind. Sie paaren sich und schwimmen dann wieder den ganzen Weg flussaufwärts zurück bis zu der Stelle wo sie geschlüpft sind. Legen da dann ihre abertausenden Eier ab und sterben danach. Sie sterben also genau an der Stelle wo sie geboren wurden. Und dort wo wir aussteigen ist genau so eine Stelle. Und ich sage euch, sterbende Lachse riechen einfach nur widerlich!!! Und dabei ist das noch nicht mal der Zeitpunkt wo schon alle ihre Eier abgelegt haben. Einige sind immer noch dabei aber es liegen halt auch schon einige tot im Wasser oder am Wegesrand. Der ganze Wald stinkt zum Himmel und ich bin froh, dass ich schon eine Weile nichts gegessen habe. Wir laufen ein Stück auf dem Weg durch den wunderschönen Märchenwald. So ein atemberaubend schöner Weg, dass ich die Lachse samt Gestank fast ausblenden kann. Fast!

Wir gucken ein paar Lachsen beim Laichen zu, wobei man das weder gut sehen noch fotografieren kann aber glaubt mir, es passiert. Ich sag mal so, hab ich das auch mal gesehen. Das ganze Prozedere geht bis Dezember und ich denke, dass ich mich bis dahin von Lachsflüssen fern halten werde, denn einmal reicht mir echt!

Fazit
Auch wenn ich mich zum hundersten Mal wiederhole – Kanada ist einfach nur der absolute Naturwahnsinn. Also für alle die Outdoor oder Tierbegeistert sind, kann ich nur sagen – ihr müsst einmal im Leben nach Kanada. Es ist einfach etwas ganz besonderes was man hier so alles sehen und erleben kann. Auch wenn ich mir wirklich versuche Mühe zu geben mit den Fotos – es kommt nicht mal annähernd rüber wie atemberaubend das hier eigentlich alles ist.
Ich bin so froh, dass ich eine Familie hier gefunden habe, mit der ich mich gut verstehe und die ihre Wochenenden auch lieber in der Natur verbringt anstatt in der Mall.
