8 November 2020
Es ist mal wieder Familienausflugssonntag hier in Kanada und das Wetter ist zwar kühl aber wunderschön.

Diesmal durfte ich mir den Instagram Beach schlechthin aussuchen – Mystic Beach auf der Westseite der Insel.
Anreise
Da meine Familie das Wochenende in East Sooke verbringt, haben sie mir angeboten, dass ich mit dem Bus in die Nähe dort komme und wir von dort weiter fahren, denn Mystic Beach liegt ca 60 km von Victoria entfernt.
Ich habe mir jetzt übrigens mit meinem neuen Job auch eine Monatskarte für 85 $ zugelegt und muss nicht mehr gucken ob ich auch ja genau 5 $ passend für den Bus habe, was das Bus fahren in Zukunft noch leichter macht. Und dann geht es mit meinem trusty Bus 50 erst wieder nach Langford und dann weiter Richtung Sooke. Auf dem Parkplatz eines Liquor Stores werde ich dann abgeholt und weiter geht es die schmale kurvige Straße in Richtung der Traumstrände im Westen.
Waldwanderung
Zum Mystic Beach kommt man vom Parkplatz des China Beach aus. Das muss man vorher wissen, denn der Mystic Beach ist an der Straße nicht extra ausgeschildert.
Um an den Strand zu kommen muss man 2 km den Juan de Fuca Trail folgen. Dieser Trail ist eine der bekanntesten Mehrtageswanderungen auf der Insel. Die 45 km lange Route führt von Port Renfrew über unzählige Strände und durch Urwald zum China Beach. Viele nehmen sich für die Route 4 Tage Zeit und zelten an den vers. Campingplätzen am Strand und im Wald. Ich hatte mich im Vorfeld gewundert warum man für 45 km 4 Tage Zeit nehmen sollte wenn man das doch auch in 2 Tagen schaffen kann aber als ich den Weg sehe, wird klar, warum man lieber mehr Zeit einplanen sollte. Denn wir reden hier nicht über einen herrlich ausgebauten Waldweg sondern eher über einen Abenteuerweg, an dessen Ende man aussieht als hätte man in einem fancy Spa ein Schlammbad genommen aber dazu gleich mehr.


Als wir vom völlig überfüllten Parkplatz (und es gibt schon 2) in den Wald gehen, werde ich mal wieder sehr ehrfürchtig. Ein Ort voller mystischer Energien. Ich fühle mich so zwischen Jurrasic Park und Märchenwunderwald wo mir Feen entgegen springen. Die Sonne lugt durch die hohen alten Bäume hindurch. Riesenfarne leuchten im schönsten Grün. Eine frische Kühle liegt in der Luft. Mein Herz geht auf! Ich habe das Gefühl als wenn meine leeren Batterien instant aufgeladen werden nur durch meine bloße Anwesenheit im Wald.

Wir wandern los. Der Anfang des Weges ist noch recht entspannt, führt aber schon ordentlich über unzählige Wurzeln. Dann fängt es langsam an etwas matschiger zu werden und mir wird schnell klar, dass das kein „sauberer“ Hike werden wird. Wir laufen über kleine Wasserläufe, überspringen Pfützen, rutschen von Wurzeln ab in den Matsch. Und das hier so viel los ist, macht das umgehen der Matschpfützen auch nicht einfacher. Nach ca. einem Kilometer darf ich dann über eine Hängebrücke hüpfen. Kaum vorstellbar, dass ich vor 3 Jahren noch panische Angst vor den Dingern hatte. Aber seitdem ich die atemberaubende Sea to Sky Suspension Bridge in Squamisch, Canada 2017 bezwungen habe, bin ich „obsessed“ und nehme jede Hängebrücke mit, die ich finden kann.

Dann geht es bergab, immer leicht und an den steilen Stellen gibt es zum Glück kleine Holztreppen. Der Untergrund wird immer matschiger und das Abenteuer größer. Es macht so viel Spaß und man hat noch absolut keine Ahnung wo der Weg hinführen wird, was es noch aufregender macht.

Am Ende folgen noch mal einige Stufen und man ist am
Mystic Beach
Uff! Mir bleibt die Spucke weg. Eine herrliche Bucht mit den rundesten Steinen die ich je gesehen habe, dem Blick auf die nur ca. 40 km entfernten Berge der USA und dem herrlichen Wald rechts und links. WoW! Kein Wunder das hier alle her wollen. Der Strand ist zum Glück recht groß und kann die Völkerwanderung, die ihren Weg hier her gemacht hat, auch gut aufnehmen.


Meine Familie macht erst mal Mittag während ich schon mal zur „Hauptattraktion“ hüpfe, dem Wasserfall. Ich muss allerdings sagen, dass es mir hier ähnlich geht wie in Lauterbrunnen (liest du hier) und ich feststelle, dass der am Ende des Tages gar nicht so besonders ist. Man kann auch leider momentan nicht drunter durch laufen ohne nasse Füße zu bekommen, weil das Wasser besonders hoch steht. Eigentlich ist gerade Ebbe, dennoch kommen die Wellen bis an den Felsen gespült.
Ich warte bis alle Leute aus dem Bild sind um endlich auch ein Foto machen zu können. Schon schön aber der Strand überzeugt eher in seiner Gesamtschönheit als mit dem kleinen Wasserfall.

Wir laufen ans andere Ende der Bucht und müssen dabei einen kleinen Wasserlauf überqueren und über ein paar Felsen hüpfen. Dann wird es noch mal spannend als wir halb durchs Wasser um einen Felsen herum müssen um in eine andere kleine Bucht zu kommen.


Ich genieße den tollen Blick auf den großen Strand. Alles sieht mal wieder so herrlich perfekt kanadisch aus und ich könnte nicht dankbarer sein, dass ich hier auf Vancouver Island gelandet bin.


Nach ca. einer Stunde, treten wir den Rückweg an und müssen erst mal einen Haufen Treppen bergauf. Generell kommt mir der Rückweg irgendwie länger, anstrengender und noch matschiger vor und ich bin froh, dass es nur 2 km sind und nicht die vollen 45 km des Juan de Fuca Trails.
Ich hatte echt überlegt den mal zu machen im Frühjahr aber ich sehe mich da echt nicht mit Zelt und Schlafsack und allem nötigen bepackt 4 Tage durch die Wildnis ziehen, zumal hier wohl normalerweise auch extrem viele Bären unterwegs sind (kein Wunder, so schön wie es hier ist und mit den vielen Besuchern, haben sie ja auch genug zu snacken :-D)
Wieder am Parkplatz angekommen, sind die Kiddies total erschöpft aber ich schlage vor, auf dem Rückweg noch einen Leuchtturm anzufahren, den witzigerweise noch nicht mal meine Familie kennt, die hier seit 20 Jahren lebt.
Sheringham Lighthouse
Unser erster Anfahrtversuch endet vor einem großen Zaun und ich bin enttäuscht. Doch dann probieren wir es zum Glück noch mal von der anderen Seite und finden wirklich einen Parkplatz und einen offiziellen Trail dort hin. Ich fange an die 600 m bergab zu rennen, da ich sehe, dass die Sonne gerade dabei ist hinter den US Bergen zu verschwinden.
Am Leuchtturm angekommen schaffe ich es gerade so noch den letzten Sonnenpunkt des Tages einzufangen bevor sie endgültig hinterm Berg ist.


Wir gehen zum Leuchtturm herunter und gucken aufs immer dunkler werdende Meer, die schneebedeckten Berge gegenüber und den schönen Himmel in Pastelfarben. Alles sieht aus wie bei einem Scherenschnitt. Meine Kamera glüht bevor wir den Rückweg antreten. Ich hatte schon auf einem Schild gelesen, dass die Anlage nur bis 17 Uhr geöffnet ist aber da noch einige Leute hier unten sind, mache ich mir keine Gedanken, dass sich daran gehalten wird. Als ich allerdings oben am Zaun ankomme, will gerade ein etwas grummelig aussehender alter Mann (der sich dann als Deutscher herausstellt – was die Grummeligkeit und die Überpünktlichkeit erklärt) den Zaun abschließen obwohl es noch eine Minute vor 5 ist und ich ihm sage, dass da unten noch einige Leute sind. Er guckt mich grimmig an, antwortet irgendwas auf deutsch (was mir aber erst hinterher klar wird weil ich eigentlich nur so schnell wie möglich versuche von dem grimmigen Kerl weg zu kommen) und verschwindet Richtung Leuchtturm.



Der Rest meiner Familie schafft es auch noch aus dem eingezäunten Gelände heraus. Wie es dem Rest der Menschen die noch da unten waren, ergangen ist, kann man nur erahnen – wahrscheinlich zu Fischfutter verarbeitet :-D.
Fazit
So ein absolut wunderschöner Tag. Ich bin so gesegnet mit dem meist schönen Wetter am Wochenende. Ich kann mich ehrlich gesagt nur an ein Wochenende in meinen 2 Monaten hier erinnern wo mal nicht die Sonne schien und dabei ist es unter der Woche oft grau.

Ich bin so dankbar, dass die Familie auch immer offen für Ausflüge ist und mich an einige schöne Orte im südlichen Teil der Insel bringt.
Oh wie schön ist Kanada – kann ich auch an dieser Stelle mal wieder sagen. Ich hab irgendwie so das Gefühl, dass es keinen Ausflug geben wird von dem ich nicht völlig „stoked“ zurück kommen werde.
