3. Mai 2021
Nach 8 Monaten wird es nun Zeit Victoria und Vancouver Island zu verlassen um endlich noch ein kleines bisschen mehr von Kanada sehen zu können. Einerseits bin ich ein kleines bisschen traurig weil ich glaube, dass es nicht mehr besser werden kann aber andererseits freue ich mich auch wahnsinnig das etwas Neues Ungewisses Aufregendes vor mir liegt.
Allerdings liegt erst mal eine etwas beschwerliche Reise vor mir von der ich hier erzählen will.
Goodbye Vancouver Island
Es ist Montag, der 3. Mai. Nach einem herrlich sonnigen Wochenende regnet es bereits früh am Morgen. Die Insel und ich sind wohl gleichermaßen traurig über meinen Abschied.
Es wird Zeit mich von meiner Familie zu verabschieden bevor sie zur Schule und Arbeit müssen. Ich bekomme noch ein kleines Abschiedsgeschenk was mich vor allem an meine Zeit als Kolibri Babysitter erinnern wird.
Nachdem wir die Kleine zur Schule gefahren haben, bringt mich der Dad zur Bushaltestelle, damit ich nur einen Bus nehmen und bezahlen muss.
Denn ich habe ordentlich Gepäck angesammelt. Das ist der Nachteil wenn man bei Value Village arbeitet und 50% Mitarbeiterrabatt bekommt. Mein Kleidungsvolumen hat sich von einem kleinen Handgepäckkoffer und Rucksack zu einem übervollen Handgepäck und neuem großen Koffer erweitert. Alles übervoll wie sich versteht.
Zum Glück ist es gegen 9 und die Meisten schon bei der Arbeit, sodass der Bus zur Fähre leer ist und ich genug Platz habe mein schweres Gepäck dort rein zu wuchten.
9:40 bin ich bereits an der Fähre und hoffe, dass ich vielleicht noch mit auf die 10 Uhr Fähre kann, aber die ist gecancelled wegen zu geringer Auslastung, denn von und zur Insel ist nur essential travel erlaubt. Dennoch bin ich erstaunt wie sich der Wartebereich für die Fußgängerpassagiere kurz vor 11 gefüllt hat.
Meine beiden Koffer konnte ich gleich am Eingangsbereich aufgeben, was mir die Fährfahrt sehr erleichtert. Allerdings habe ich dabei die Waage zerstört. Ich dachte erst, ups ist der Koffer wohl doch wesentlich schwerer als er sich anfühlt aber nein, ein Mitarbeiter versichert mir das es nicht die Schuld meines 13 kg schweren Koffers ist sondern das Ding einfach nur nen Montag hat. Mein großer Koffer hingegen wiegt stolze 19 kg, diesen will ich aus Kostengründen erst von Vancouver zurück nach Deutschland schicken, da ich mich einfach nicht von meinen hochwertigen Wintersachen verabschieden will und kann.

Fährfahrt
17,30$ kostet der Spaß für Fußgänger. Für Autos ist es so viel teurer (um die 60 $ glaube ich). Ein geringer Kostenbeitrag für einen 1,5 h Schiffsausflug vorbei an Inseln und über das weite Meer.
Natürlich habe ich das mit dem Wetter heute nicht allzu gut erwischt aber wie sagt man immer so schön, es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung.
Deshalb verstaue ich gleich meinen Rucksack in einem der großen Besucher Indoor Areale und gehe aufs sogenannte Sonnendeck. Nunja, trifft heute nicht ganz zu. Es regnet mal mehr und mal weniger und dicke Wolken schieben sich über die vers. Inselberge. Hat auch was.
Es geht los und ich winke meiner geliebten Insel noch mal zum Abschied.

Ich habe mir vorgenommen, egal wie kacke das Wetter hier oben ist, ich bleibe die ganze Fährfahrt draußen, denn ich will Wale sehen!!! Nachdem ich auf meiner Whale watching Tour ja die Orcas neben der Fähre gesehen habe, wusste ich, es ist möglich. Meine Familie hatte mir allerdings nochmal erklärt, dass es super selten ist und sie von um die 20 Fährfahrten nur 3 Mal Wale gesehen haben. Aber ich will, ich will, ich will und visualisiere mein Ziel.
Wir schippern an den vers. Inseln vorbei und ich genieße den dramatischen Ausblick. Die US Berge werden allerdings in sanftes Sonnenlicht getaucht wohingegen der Rest einfach nur düster aussieht.




Ich habe mittlerweile ganz oben an Deck eine Stelle gefunden wo ich beide Seiten vom Meer sehe, der Wind nicht so zieht und es nicht so arg regnet. Hier bleibe ich!
Wir kommen zu der Meerenge wo wir die Orcas gesehen hatten bei der Tour. Scheinbar wissen viele Leute, das man hier die Chance auf Wale haben könnte, denn auf einmal füllt sich das Deck für eine kurze Weile mit Menschen. Ich gucke wie ein Erdmännchen wild um mich herum ob ich irgendwo eine Fontäne sehe aber nichts. Nur ein paar Seehunde spielen im Meer herum. Dennoch ist die Stelle einfach besonders schön und hier kommt einem auch immer die andere Fähre entgegen. Ich stelle mir das ja fahrmäßig eher nicht so einfach vor, wenn an der schmalsten Stelle sich die beiden dicken Fähre begegnen. Haben die das dann allein aus ästhetischen Gründen gemacht???


Wir fahren aufs offene Meer, welches heute sehr ruhig vor uns liegt. Die Sichtweite wird immer schlechter. Von Vancouver ist absolut gar nichts zu sehen, keine Berge, keine Hochhäuser, nichts. Noch nicht mal als wir schon fast am Anleger sind, sieht man irgendwas, so dick ist die Wolkensuppe.


Die Ansage ertönt, dass alle ihren Weg ins Auto zurück finden sollen. Ich gucke noch mal rechts und links bevor ich mich auch unter Deck begebe. Keine Wale gesehen, schade.
Im Besucherraum suche ich nach einem einsamen Platz für meinen Rucksack und gucke dabei aus dem Fenster und traue meinen Augen kaum, ist das da eine Fontäne? Und das ist doch eine Rückenflosse. Ich kann mein Glück kaum fassen. 2 Orcas. Ich könnte schon wieder weinen vor Glück. Ich meine wie groß sind die Chancen, das ich genau in der Minute wo wir an denen vorbei fahren aus dem Fenster gucke. Für mich mal wieder eine Bestätigung, dass (realistische) Wunder wahr werden können wenn man nur ganz fest daran glaub und sie visualisiert.


Ich schiebe mich, nachdem wir angelegt haben, mit ca. 40 anderen Fußgängern vom Schiff und finde auch gleich meine zwei Koffer. Ich laufe zur Bushaltestelle und warte auf den Bus, der mich näher nach Downtown bringen wird. Planungsmensch wie ich bin, hab ich mir schon vorher eine Monatskarte für Vancouver mit der Post schicken lassen, die ich gleich das erste Mal einsetzen kann. Das ist trotz stolzen 130 $ für 2 Zonen nämlich so viel günstiger als Tageskarten.

Vancouver Stadtverkehr
Der Bus ist ganz schön voll aber ich habe einen guten 2 Kofferplatz erwischt. Es ist kurz nach 1 und ich hoffe, das ich in keine Rush Hour mit meinem Gepäck geraten werde.
Die erste Busfahrt dauert stolze 40 Minuten und bringt mich zur Haltestelle des Skytrains, den ich dann weiter Richtung Downtown nehme. Dann noch in den letzte Bus und ich bin endlich da. Ich steige an der Haltestelle aus und schaue mich verdutzt um. Moment mal, das sieht hier irgendwie nicht richtig aus. Und wir sind hier im einstelligen Straßenbereich. Ich muss aber zur 55th Ave. Ich gucke nochmal auf meine Screenshots die ich mir für die Anreise gemacht habe und sehe das da 5th Ave steht. Hab ich wohl die falsche Zahl gestern eingeben. Zum Glück bin ich wieder bei einem Skytrain gelandet der mich ein Stück näher zum Ziel bringt und der Bus in den ich umsteigen muss, wartet auch schon. Das klappt ja gut. Allerdings muss ich dann nochmal stolze 40 Minuten fahren.
Aber gegen 3 komme ich endlich völlig erschöpft und verschwitzt bei meinem neuen zu Hause für die nächsten Wochen an und treffe auf ein nettes altes Pärchen, ihren Hund Charlie und die wunderschöne 16 Jahre alte Katze Pickles.

Fazit
Das war anstrengend. Ich frage mich wie es Leute geben kann, die dauerhaft mit so viel Gepäck reisen. Ich bin schon nach einer 6 h Anreise völlig erschöpft.

Das Wetter hier in Vancouver ist so diesig, dass sich meine Begeisterung in Grenzen hält. Man sieht absolut nichts. Na hoffentlich bleibt das nicht für die nächsten Wochen so, denn Vancouver trägt ja auch den Beinamen „die Regenstadt“.