3. Mai bis 23. Mai 21
Vancouver wird ja auch the Nature City genannt. Das liegt zum einen natürlich an der Umgebung von Bergen, Meer und Flussdelta. Zum anderen liegt es aber auch an den unzähligen wunderschönen Parks und Gärten die die Stadt zu bieten hat.

Und da wir diesmal etwas abseits der Touripfade wandern, habe ich versucht die etwas außergewöhnlichen weniger stark besuchten Locations zu finden.

Ob mir das gelungen ist, lest ihr jetzt….
Stanley Park
Ich höre schon den Aufschrei der durch die Massen geht „das ist doch das Touristischste überhaupt in Vancouver“ und ja, das stimmt wohl aber es hat ja einfach auch seinen Grund warum der Stanley Park so gehyped wird. Er ist halt einfach wunderschön. Vancouvers grüne Lunge. Wenige Gehminuten von Downtown entfernt denkt man, man sei mitten im Küstenregenwald gelandet.

Meiner Meinung nach sind die super touristischen Dinge im Stanley Park:
- die Umwanderung oder Umradelung der Seawall, was ich bereist 2017 gemacht habe
- Vancouver Aquarium, wohl eines der berühmtesten der Welt
- die Strände




Ich habe mich aber diesmal eher auf die Mitte und die oberen Aussichtspunkte fokussiert, die vielleicht nicht jeder kennt.
Mein persönliches Highlight ist einfach nur einmal quer durch den Park zu laufen über einen der vielen Pfade. Dort begegnet man selbst zu Hoch-zeiten keiner Menschenseele, da 99% nur außen herum laufen, dabei ist das dicke waldige Herz doch das Besondere. Ein naturbelassenes Stück Regenwald mitten in der Stadt. So sah es hier früher überall aus.

Prospect Point
Kennen wahrscheinlich auch viele aber da man nen ganz schönen Anstieg von der Seawall hier hoch bewerkstelligen muss, sieht man hier oben nahezu nur Rennradfahrer, die die Strecke als kleine Herausforderung nehmen. 2017 war hier deutlich mehr los, da es hier auch einen Parkplatz gibt. Früher gab es sogar Andenkenläden, eine Imbissbude usw. Heute ist alles mit Brettern abgesperrt. Auch ein Opfer der Weltwirtschaftskrise ähh Pandemie.

Nichtsdestotrotz ist der Ausblick immer noch da und der hat es in sich. Lions Gate Bridge, North Vancouver, leicht schneebedeckte Berge im Hintergrund, Diese Ansicht wird einfach nie alt und sorgt immer für ein Wow.
Stanley Park Causeway Brücke
Für mich persönlich ist die kleine Brücke die über den Highway führt auch ein Highlight, denn man hat eine herrlich symmetrische Sichtachse auf die Lionsgate Bridge. Man kommt hier eh entlang wenn man zum Prospect Point will.

Siwash Rock Lookout
Der Siwash Rock ist bekannt und wird von den Meisten nur von der Seawall aus begutachtet. Es gibt aber noch einen oberhalb gelegenen Aussichtspunkt, der von der Seawall aus nur schwer und über Umwege zu erreichen ist, deshalb bin ich gleich von oberhalb hier her gelaufen. Gar nicht so leicht zu finden, weil nicht ausgeschildert. Da ist Maps.me natürlich auch wieder eine gute Hilfe.


Der Aussichtspunkt liegt auf einem alten Weltkriegsausspähpunkt, welcher nie benutzt wurde, da es in Kanada einfach nix zu spähen gab. Oben drauf wurde deshalb ein Aussichtspunkt angelegt, der über eine kleine Brücke zu erreichen ist. Die Enttäuschung ist allerdings, das man den Siwash Rock von hier nur im Winter sehen kann, denn das Blätterdach bedeckt hier leider fast alles vom Felsen aber dafür ist der Ausblick auf die Seawall, North Vancouver und die Berge aber umso schöner. Ein weiterer Pluspunkt ist, das man hier nahezu allein ist, da es doch mehr oder weniger ein Geheimtipp ist.

9 o clock gun
Jeden Abend um 9 wird die Kanone die Richtung Downtown zeigt per Hand ausgelöst und schießt zwei mal. 1898 wurde sie zum ersten Mal im Stanley Park abgefeuert. Gemacht wurde das damals, damit die Schiffe die im Hafen lagen ihre Chronometer richtig einstellen konnten, wie eine automatische Zeitansage einmal am Tag quasi. Ich habe es leider nie selbst miterlebt (denn ich will nicht im dunkeln in Downtown Van unterwegs sein) aber ich denke wir können uns alle zwei Kanonenschüsse am Abend vorstellen.

Lost Lagoon
Eingentlich ein Teil des Stanley Parks, hat der kleine Süßwassersee, umgeben von Salzwasser einen besonderen Abschnitt verdient, einfach weil ich hier so niedliche Tierbegegnungen hatte.

Ich war eigentlich bereits auf dem Weg zum Bus und bin nur an der Lagune entlang gelaufen in einem Abschnitt wo sich eher wenige Menschen hin verirren. Als erstes stand ein kleines schwarzes Eichhörnchen neben mir und bettelte mich an. Ein paar Minuten später war ich gerade damit beschäftigt aufs Wasser zu gucken, als ich neben mir ein Geräusch hörte (es gibt im Park auch Kojoten, da wird man leicht nervös bei undefinierbaren Geräuschen) und neben meinem Fuß auf einmal ein Waschbär saß. Ich hab noch nie einen wilden Waschbär gesehen (in real life) und erst recht nicht bettelnd neben mir. Ich war erst mal ein wenig überfordert. Zum Glück merkte der Kleine das auch und lief weiter ins Wasser um dort nach etwas Essbarem zu suchen.

Wenig später kam dann eine ganzer Kindergarten Kanada Gänse auf mich zumarschiert und ich konnte ein niedliches Video von ihnen drehen wie sie auf mich zu rennen.

Das letzte Highlight war dann ein weiterer Waschbär, der richtig in der Sonne für ein paar Fotos posierte. Also jeder der zur Lost Lagoon kommt, darf keine Angst vor ein paar Fell- und Federfreunden haben, denn eine Sichtung derer ist vor allem früh und am späten Nachmittag sehr wahrscheinlich.


Bloedel Conservatory
Vancouver wird aber auch „the rain city“ genannt, was also machen, wenn mal kein Draußenwetter ist?! Da kommt das Bloedel (die sprechen das Wort ganz komisch aus, jedenfalls nicht wie Blödel) Conservatory ins Spiel.

Zur Zeit muss man für die Tropenhalle im voraus ein Onlineticket buchen und einen bestimmten Timeslot wählen. Man darf dann jeweils 45 Minuten dort drin bleiben und sich alles angucken, denn die Zeit reicht absolut aus. Der Eintrittspreis von 8,40$ geht auch voll klar, wie ich finde.

So ein bisschen wie das Leipziger Gondwanaland nur in Miniatur. Hohe Luftfeuchtigkeit, tropische Pflanzen und jede Menge Vögel. Fasane, alle möglichen Finken, besondere Tauben und unzählige Papageien. Die kleineren Vögel flattern einem auch schön über den Kopf oder rennen über den Weg. Man muss da ganz schön aufpassen, das man nicht beim erstaunten nach oben gucken, einen kleinen Gesellen am Boden übersieht, der gerade Nistmaterial klar machen will.




Ein netter kleiner Ausflug in die Tropen. Im Winter sicher sehr angenehm.
Queen Elizabeth Park
Ich hab noch nicht allzu viel von Vancouver gesehen aber ich behaupte einfach mal, dass das mein liebster unter den kleineren Parks ist (es geht halt nichts über den Stanley Park weil er so abwechslungsreich ist).

Ich war gestern hier schon im Bloedel Conservatory allerdings hat es da geregnet, deshalb musste ich mir das Ganze noch mal bei schönem Wetter ansehen.
Und Frühling ist halt einfach nur die Beste Jahreszeit für alle Parks und Gärten. Die vielen Blumen überall, das saftige grün. Einfach nur herrlich!
Bevor man das aber alles genießen kann, geht’s erst mal bergauf. Auf halber Strecke gibt es schon ein wunderschön angelegtes Blumenareal von dem aus man auf eine kleine Brücke oberhalb und das Konservatorium schauen kann.Tulpen, rosa Dogwoodbäume und Bambus. Es gibt einiges zu sehen. Weiter über einige Stufen nach oben kommt man zur Aussichtsplattform auf der sich das Konservatorium und auch die kleine Brücke befinden. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf den angelegten Blumengarten und schon ein kleines bisschen auf die Berge.


Wenn man dann aber zur ersten richtigen Aussichtsplattform kommt, wird man vom Berg und Downtown Blick begeistert. Ich liebe liebe liebe solche Orte die oberhalb einer Stadt liegen und man auf diese runter schauen kann. Und hier dann auch noch die Berge im Hintergrund und davor ein Blumenmeer. Gänsehaut und tiefe Dankbarkeit hier sein zu dürfen.


Von einer zweiten Aussichtsplattform hat man dann nochmal das volle Panorama. Wie von einer Postkarte.

Es gibt dann auf der anderen Seite des Hügels noch eine dritte Aussichtsplattform von der aus man eigentlich in die US und den Fraser River gucken könnte aber hier sind die Bäume schon so hoch, das man sich das eigentlich sparen kann.
UBC Botanical Garden & Greenheart Treetop Walk
Ich liebe Hängebrücken und alle im Umkreis sind gerade geschlossen oder kosten 60$ Eintritt. Bei meiner Online Recherche stieß ich dann auf den Greenheart Treetop Walk. Im 2 Jahre alten Beitrag kam dieser noch 5$ Eintritt. Zeiten ändern sich und so musste ich bereits im Vorfeld online ein Ticket für den botanischen Garten und Treetop Walk kaufen für ein bestimmtes Zeitfenster. Das Ganze kostet inzwischen 24$ und ich sags mal so, wenn der Treetop Walk nicht wäre, dann würde sich das meiner Meinung nach gar nicht lohnen.

Der botanische Garten der Universität wird eigentlich für Forschungszwecke genutzt, momentan aber wohl eher für Besucher, denn es war trotz Zeitfenster gut gefüllt im Garten. Es gibt einen Bereich, welcher eher der einheimischen Pflanzenwelt gewidmet ist also sehr waldig mit ein paar hübschen blühenden Pflanzen hier und da. Ganz nett anzusehen aber das könnte ich auch in der „normalen“ Natur sehen. Der andere Teil des Gartens ist durch einen Tunnel unter der Straße hindurch zu erreichen. Dort gibt es dann die eher typischen Bereiche wie einen alpinen Garten, einen Kräutergarten, einen Gemüsegarten usw. Es gibt auch große Wiesen und Picknick Bänke die zum Verweilen einladen, allerdings nicht in diesen Zeiten wo man nur 1,5 h für seinen Besuch Zeit hat.



Und da mein eigentlicher Grund ja der Baumwipfelpfad war, hab ich den auch gleich 2 Mal gemacht. Beim ersten Mal waren sehr viele sehr langsame Menschen vor mir und schnellere Menschen hinter mir und es war einfach nur anstregend. Dann wollte ich eine zweite Runde drehen, kam aber mit dem Betreiber ins Gespräch. Netter Kerl, der Forstwirtschaft studiert hat und auf das große Abholzen der kanadischen Wälder aufmerksam machen will. Er hat diese Anlage vor ein paar Jahren hier gebaut und inzwischen auch eine im brasilianischen Regenwald, wo seine Frau her kommt. War ein sehr interessantes Gespräch, allerdings hatte ich dann meine Chance verpasst noch eine Runde zu drehen bevor es wieder voll wurde, deshalb drehte ich dann noch mal eine komplett allein, kurz bevor der Garten schloss. Und das machte dann so richtig Spaß. Die kleinen Minihängebrücken zwischen den Bäumen sind ordentlich wackelig, sodass ich leichte Koordinationsprobleme hatte mit Handy, Kamera und meinen wackeligen Beinen. Man kommt nicht so sehr weit hoch und ist mehr in den Bäumen als über ihnen und der Weg ist auch extrem kurz aber dennoch hat es mir so viel Spaß gemacht hier entlang zu wackeln.

Fazit
Man muss sagen Vancouver wird nicht umsonst Nature City genannt, denn nicht nur um die Stadt herum gibt es wahnsinnig atemberaubende Natur sondern auch innerhalb der Stadt findet man ganz wundervolle Orte, die einen zur Ruhe kommen lassen in der hektischen Großstadt Umgebung.

Im nächsten Teil gucke ich mir die typisch touristischen Ziele der Stadt etwas genauer an…