Vancouver – Touristen Hotspots und ob sie einen Besuch wert sind

3. Mai – 23. Mai 2021

Ich hab mich beim diesmaligen Besuch in Vancouver eigentlich eher auf die nicht so offensichtlichen Sachen, die Hidden Gems der Stadt spezialisiert aber am Ende habe ich dann doch auch ein paar touristische Ziele erkundet, die ich hier mit euch teilen will. Auch meinen Eindruck zwischen 2017, wo ich zur 150 Jahrfeier von Kanada hier war und heute in Zeiten einer weltweiten Pandemie möchte ich an dieser Stelle mal vergleichen.

Was als erstes auffällt, die Stadt wächst und wächst und wächst. Unaufhaltsam, immer höher, schneller, weiter. Ob das gut ist, keine Ahnung. Für die Mietpreise jedenfalls nicht, denn die sind in Vancouver jenseits von gut und böse und werden nur durch den Wohnungsmarkt in New York getoppt.

Die Metropolregion Vancouver (alos mit Richmond, Burnaby, North Van usw hat 2,5 Million Einwohner. Die ganze Provinz BC (British Columbia) hat ca. 4,5 Millionen Einwohner. Das heißt über die Hälfte aller Menschen in BC lebt im Großraum Vancouver. Tendenz steigend. Was dazu führt, das jeder freie Spot für ein neues Gebäude genuzt wird. Es wird also gebaut soweit das Auge gucken kann.

Aber was gibts denn so zu sehen an klassischen Sehenswürdigkeiten innerhalb von Downtown?!

Canada Place

Google verriet mir gerade das der Canada Place bereits 1986 für die Weltausstellung hier erbaut wurde. Hm, hätte ich als wesentlich neumodischer eingeschätzt mit seinen weißen Sonnensegeln auf dem Dach. Normalerweise beherbergt der Canada Place die Messe, ein IMAX Kino, ein Hotel und ist Anleger für Kreuzfahrtschiffe. Zur Zeit ist hier die Impfstelle drin. Was für eine Wandlung.

Dennoch hat man nette Ausblicke wenn man einmal auf der Terrasse des Gebäudes herum geht. Auf den Industriehafen, North Vancouver, Stanley Park und den Rest auf Downtown. 2017 fanden hier im Sommer jeden Abend Outdoorkinoabende statt.

Yaletown

DIE neue Wolkenkratzerneubauecke der Stadt. Hier wollen sich die Architekten alle gegenseitig übertreffen mit Höhe und Besonderheit der Apartment Hochhäuser. Und die Preise übertreffen sich dabei auch in schwindelerregender Höhe.

Der Bereich um die False Creek neben der Rogers Arena ist aus architektonischer Sicht meiner Meinung nach einen Abstecher wert, da es hier einige interessante Features an den Hochhäusern zu entdecken gibt.

Mein Favorit ist eindeutig das Concord Pacific Gebäude, „the arc“ (der Bogen) an der Cambie Bridge. Ich dachte erst, wow ein Gebäude was mit einer Art Brücke verbunden ist aber bei genauerer Betrachtung sah ich, dass in dem Brückenteil ein Pool eingelassen wurde. Man kann sich also in der ca 30. Etage in den Pool begeben und durch den Glasboden 60 Meter nach unten gucken während man schwimmt. Spannend aber auch gruselige Vorstellung. Habe ich vorher so noch nie gesehen und war deshalb tatsächlich sehr angetan.

Gastown

Gastown eigentlich das älteste Indurstriegebiet der Stadt, beherbergt heute in seinen alten Backsteinhäusern (die hier was sehr besonderes sind, denn alle anderen sind aus Holz und die neumodischen natürlich aus Glas und Beton) heute schicke Gallerien, Bekleidungsgeschäfte und Bars. So ein bisschen der touristische Hipsterteil der Stadt.

Highlight natürlich die Steamclock, die erste mit Dampf angetriebene Uhr. Google verriet mir gerade, dass sie gar nicht alt ist sondern von 1977. Ich bin etwas enttäuscht, wenn man bedenkt, dass der Stadtteil von 1870 ist und die halt perfekt in die Zeit der industriellen Revolution gepasst hätte aber nee. Die haben sogar in Japan ein mechanisch angetriebenes Replikat aufgestellt. Diese Asiaten! Zu jeder vollen Stunde pfeift sie aus allen Löchern ihr kurzes Liedchen und immer steht mindestens ein Tourist herum und macht ein Video davon.

Mir gefällt auch das Hotel Europe sehr gut, welches mit seiner Architektur ein klitzekleines bisschen an das Flatiron Building in Miniatur erinnert.

Hat schon ein gewissen Flair hier durch zu laufen auch wegen den großen Straßenbäumen aber wehe man läuft 2 Straßen zu weit, dann landet man nämlich auf einmal in Drogencity aber dazu gleich mehr.

Chinatown

2017 absolut busy und interessant stand Chinatown noch da. Inzwischen ist das wohl der Teil, der am meisten unter der Pandemie gelitten hat. Die Obdachlosen sind immer mehr geworden, viele Geschäfte mussten schließen. Nur noch ein Schatten seiner selbst.

Es gibt auch den ganz netten Dr. Sun Yat Sen Garten in Chinatown, den ich 2017 noch kostenlos besuchen dufte. Heute 16$ Eintritt und mehr geschlossen als offen und wenn man mich fragt auch keine 16$ wert.

Und auch das schmalste kommerzielle Gebäude der Welt sieht eher nur noch traurig aus. Damals besuchten unzählige Touristen das schmale Haus, heute geschlossen und wie ausgestorben.

Sehr deprimierend hier wieder durch zu laufen.

Aber nun zu ein paar schöneren touristischen Dingen.

False Creek

Die falsche Bucht, so das Name wörtlich ist neben dem Stanley Park, das Auslaufgebiet für den Großstädter. Wenn man abends hier her kommt, dann sieht man unzählige Leute joggen, Fahrrad fahren oder auch einfach nur auf einer der vielen Grünflächen chillen. Der ganze Bereich auf der gegenüberliegenden Downtown Seite hat teilweise immer noch einen leichten Industrietouch aber nachdem für die olympischen Spiele 2010 dort das Olympic Village gebaut wurde, hat sich viel verändert und viele der Industriebrachen wurden zu Parks umgebaut und die Dichte an schicken Apartment Buildings nimmt auch jedes Jahr zu.

Von hier hat man einen tollen Blick über Downtown und im Hintergrund die Berge oder auf das im herrlichen Abendlicht angeleuchtete Science Museum.

Granville Island

Good old Granville Island – einer der wohl am meisten besuchten Orte rund um Downtown. Die kleine Halbinsel war und ist teilweise immer noch ein Industriegebiet. Heute ist noch ein bisschen davon zu sehen in dem Betonmischwerk mit den bunt angemalten Betontürmen.

Ansonsten kommen die Menschen in Scharen weil es eine tolle Markthalle mit sämtlichen Köstlichkeiten gibt, viele Künstler, Restaurants, Bars, Brauereien und süße kleine Geschäfte. Mit einem der kleinen Boote von Downtown über die False Creek hier her zu fahren ist auf jeden Fall immer ein netter kleiner Ausflug.

Orte die man lieber nicht besucht

East Hastings, Victory Square und Granville Street in der Downtown Area.

Wie schon oben erwähnt hat Vancouver ein riesen Junkie und Obdachlosen Problem. Holy moly, das war 2017 schon schlimm aber als ich das jetzt das erste Mal wieder sah und wie viele Straßen die inzwischen einnehmen war ich echt entsetzt.

Ein für mich besonders einschneidendes Erlebnis hatte ich als ich mit dem Bus durch Chinatown fuhr. In einer Seitenstraße wurde gerade ein Hollywood Film gedreht mit Millionen Budget und viel Puff und Peng und eine Seitenstraße weiter lagen die Obdachlosen und vor allem Junkies überall herum. Heftig.

Es gibt den sogenannten East Hastings Bus, von dem ich immer gehört hatte. Ein Bus der an den ganzen Opfern (sorry mit fällt kein besseres Wort ein) vorbei fährt und die auch da mitfahren. Nun ja, ich wusste nicht, dass ich diverse Male auch diese Route fahren werde. Wenn man aus einer Kleinstadt kommt und dann das hier vor die Nase gesetzt bekommt ist man erst mal baff. Und auch ich, die schon viel gesehen hat, weiß nicht wie sie damit umgehen soll. In regelmäßigen Abständen rollen die Sanitäter an weil einer sich gar nicht mehr regt, die Polizei fährt Dauerstreife, irgendwer schreit immer und wenn man nicht aufpasst, dann tritt man auf Nadeln. Besonders schlimm empfand ich das Nadelproblem übrigens in dem eigentlich hübschen Park am Hafen. Da war ich so schockiert als ich auf den Boden guckte und realisierte das ich in einem Haufen weggeworfener Nadeln stehe.

Dadurch das Vancouver keinen harten Winter bekommt, treffen sich wohl alle Obdachlosen Kanadas hier und in Victoria. Heftig mit anzusehen vor allem in einer so reichen hoch gelobten Stadt wie Vancouver. Aber es ist halt auch in Kanada nicht alles gold was glänzt und wahrscheinlich inzwischen ein weltweites Großstadtproblem und der Arm/Reich Schere die immer weiter auseinander geht.

Disclaimer: Ich habe mit Absicht keine Fotos der Situation gemacht, weil ich schönen Content zeigen will. Die tägliche Realität ist oft schon hässlich genug. Allerdings ansprechen möchte ich die Problematik dennoch, denn das ist wohl etwas an was die wenigstens denken, wenn sie an das tolle Vancouver denken.

Fazit

Auch weiterhin muss ich einfach sagen, auch wenn Downtown spannende und schöne Seiten hat – ich hasse es! Es raubt mir jegliche Energie. Diese vielen Menschen, die großen Gebäude, der Verkehr, die Junkies. Nein, einfach nur nein! Da ziehe ich jeden noch so langweiligen Waldspaziergang vor.


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