3. Mai – 23. Mai 2021
Vancouver selbst ist ja eigentlich nur ein recht kleiner Teil von dem riesen Geflecht was man sieht wenn man auf die Karte guckt. Das Ganze nennt sich Greater Vancouver und umfasst Richmond, Surrey, Burnaby usw.
Das Schöne hier ist allerdings das es neben all den Hochhäusern immer noch verdammt viel grün gibt. British Coulumbia hat viele Flächen zum Naturschutzgebiet erklärt. Außerdem gibt es riesige Farmflächen, die auch nicht bebaut werden und nur als Farmland weiter veräußert werden dürfen. Hier, im sogenannten Fraser Valley werden verdammt viele Blaubeeren, Erdbeeren und Himbeeren angebaut – Kanada das Beerenland eben hihi
Und auch hier gibt es ein verdammt gutes Busnetz. Zwar meist eine sehr lange Fahrzeit und viel Umsteigen aber immerhin, man kommt hier auch fast in alle abgelegenen Ecken und das alte Ehepaar bei dem ich hier lebe, nimmt mich auch immer mal auf einen Ausflug ins Umland mit.
White Rock
An einem Samstag Morgen meinte mein Workaway Host, dass sie gern einen Ausflug mit mir am Nachmittag machen wollen. Sowas lasse ich mir ja nun nicht zwei mal sagen.
White Rock war auch tatsächlich einer der Orte auf meiner To Do Liste, denn es gibt hier den Längsten Kanadas, also den längsten Pier natürlich 😀

Mit 470 m ist der sogar kürzer als der im Seebad Heringsdorf. Der weist nämlich stolze 508 m auf. Auch wenn sonst alles so riesig ist aber mit dem mickrigen Ding können sie keinen Blumtopp gewinnen lol

Dennoch ist White Rock ein süßes Örtchen nur ca. 5 km von der US Border entfernt. Das fühlt sich so komisch an, das die USA zum Greifen nah ist aber man einfach nicht rein darf.
Einen Strand gibt es hier nur bei Ebbe und dieser wird von einer kleinen Bahnlinie durchtrennt, die von den USA nach Kanada führt und ab und an auch noch für Cargozüge genutzt wird, sehr zum Unmut der zumeist reichen Bevölkerung hier. Die Häuser hier in Strandnähe sind alle mal wieder next level und könnten in jeder MTV „Welcome to my crib“ Show bestehen.
Ansonsten greift die Gentrifizierung um sich. Ach wie ich das Thema hasse. Jeder will halt leben wo es schön ist, leider ist es dann nur irgendwann nicht mehr schön (und von den Preisen mal ganz zu schweigen). Vor noch ca. 20 Jahren gab es hier kleine Strandhäuser, wovon noch ein paar wenige übrig sind, der Rest sind moderne Apartmentkomplexe zu denen sich gerade auch noch Hochhäuser gesellen. Also wer dem zugestimmt hat, gehört auf die Streckbank.
Am Pier gibt es ein paar Tafeln mit alten Fotos. Unter anderem ein tolles von ungefähr 1930 mit Menschen die am Bahnhof stehen und im Hintergrund ist nur Wald zu sehen. Nicht mehr viel übrig davon. Schade!

Am Strand liegt auch der White Rock herum, von dem ich erst dachte es wäre ein gigantischer Eisberg aber es ist nur wieder so eine „native people“ Saga, wo mal wieder einer zu Stein erstarrt ist. Kennen wir ja unter anderem schon vom Siwash Rock im Stanley Park.

Die kleine Seepromenade wurde erst im letzten Jahr neu gestaltet mit ein paar Fontänen und vielen Picknickbänken. Der alte Bahnhof von 1912 erstrahlt mit vielen hängenden Blumenkörben als kleines Museum im neuen Glanze. Davor gibt’s einige kleine Foodtrucks und an der Hauptstraße unzählige Restaurants, Fish n Chips Shops, Eis- und Andenkenläden. So ein richtiges Urlaubsörtchen. Hat mich ein bisschen an Brighton, Weymouth oder Porthmouth in Südengland erinnert.

Ich möchte echt nicht wissen was hier im Sommer los ist. Heute waren die vielen Parkplätze schon gut gefüllt.

An sich nichts besonderes aber irgendwie dann doch weil es nur eine halbe Stunde von Downtown entfernt ist aber sich anfühlt wie eine andere Welt. Ein bisschen als wenn man in einer halben Stunde von Berlin in eines der Ostseebäder fahren würde.

Cypress Provincial Park Lookout
Auch wieder ein Ausflug mit meiner Workaway Host Familie, denn mit den Öffis kommt man hier leider nicht her. Zuerst fahren wir einmal quer durch Downtown. Sehr cool die ganzen Wolkenkratzer auch mal aus der Windschutzscheibe heraus zu sehen und nicht nur aus dem Bus. Dann über die Lionsgate Bridge und dann immer Richtung Westen ab in den Cypress Provincial Park. Als wir oben am Highview Lookout ankommen, stellen wir fest wie wahnsinnig diesig es heute ist und das man nahezu nichts von Vancouver sieht. Nun ja, es ist trotzdem schön und Charlie der kleine Womanizer (der Familienhund) hat eine gute Zeit und lässt sich von allen Damen am Aussichtspunkt streicheln.


Horseshoe Bay
Weiter gehts, nächste Station Horseshoe Bay. Ich bin hier 2017 schon mal mit der Fähre von Nanaimo (Vancouver Island) angekommen und fand die Bucht absolut atemberaubend. Und auch diesmal gibt es ein großes Oh und Ah von mir. Das sieht hier mal wieder einfach nur wahnsinnig kanadisch aus. Ich weiß nie genau woran das liegt aber ich meine, man sieht das Bild und weiß sofort „Kanada“ oder?!

Wir laufen ein Stück am Pier entlang, sehen die Fähren raus und reinfahren und staunen über den riesigen Wohnkomplex der hier gerade am Wasser gebaut wird und rätseln über die Preise, die sicher wieder jenseits von gut und böse liegen. Der Ort selbst ist winzig. Ein paar kleine Cafes und Restaurants und der Rest Wohnhäuser, zumeist recht große.

Hier gefällt es mir am Besten. Meer und Berge ist halt einfach eine unschlagbare Kombination.

Sea to sky Highway
Danach fahren wir noch ein Stück eine meiner absoluten Lieblingsstraßen der Welt, den Highway 99, besser bekannt als den Sea to Sky Highway, welcher nach Whistler führt. Die Aussicht verschlägt einem nur die Sprache. Am Horizont tauchen immer mehr schneebedeckte Gipfel auf. Am Straßenrand rauschen Wasserfälle. Schade dass wir nur ein kleines Stück fahren (weiter ist gesperrt, da die Orte Squamish und Whistler aus Sicherheitsgründen nur noch für Anwohner befahrbar sind) bis

Lions Bay
Ein winzig kleiner Ort unterhalb des Highway. Wir fahren zum Yachthafen damit ich ein kurzes Foto der Bucht schießen kann. Nebenan gibt es einen kleinen öffentlichen Park mit Strand, an dem die Kinder an einem warmen Freitag Nachmittag im Wasser spielen.


Whytecliff Park
Nächste und letzte Haltestelle des kleinen Roadtrips – Whytecliff Park. Ich hatte bei meiner Recherche schon von dem Park gehört, hatte ihn aber nicht mit auf meine To Do List genommen, da ich dachte, dass ich hier eh nicht herkommen würde.

Ein tolles Stück Erde an dem ich mich hätte Stunden aufhalten können. Es gibt einen langen Sandstrand, eine niedliche Bucht und oberhalb einige Aussichtspunkte zu denen man stromern kann. Eigentliches Highlight ist aber der riesen Fels im Wasser, der durch eine kleine Sandbank zu erreichen wäre.


Burnaby Mountain
Mein letzter Ausflug in Vancouver ging hoch zum Burnaby Mountain. Das praktische ist, dass hier oben eine Uni ist und somit der Bus bis ganz hoch fährt und man dann von hier nur 2 km zur Aussichtsplattform laufen muss.
Die ganz Faulen und davon gab es viele, können sogar mit dem Auto zum Aussichtspunkt hoch fahren. Die Aussicht ist mega, allerdings nicht, wenn man wie ich wieder einen diesigen Tag erwischt. Aber immerhin war die Aussicht runter zum Inlet richtig toll.



Oben gibt es noch eine Art Totempfahl Park, der ganz interessant ist. Unzählige Menschen picknicken hier und genießen ihren Samstag und das Pfingstwochenende.


Ich hatte mir vorher in den Kopf gesetzt, dass ich eigentlich runter zum Strand will und auf meiner Map auch einen Wanderweg gesehen aber die Schilder dazu schrecken mich reichlich ab. Es heißt, nur für erfahrene Wanderer, medium schwerer Weg, gefährlich usw. Ich überlege wieder umzudrehen, verharre dann aber doch einen Moment um mir die Leute anzugucken die hier hoch kommen oder runter gehen. Einfache Turnschuhe und Leute mit Kindern, okay dann kann es nicht ganz so wild sein. Also auf nach unten. Es geht erst durch den Wald, bergab über ein paar Wurzeln und lose Steine aber nichts allzu wildes. Dann eine Abzweigung mit dem Vermerk schwerer Streckenabschnitt. Aber schwer ist es nur für die Leute die hier hoch laufen, denn es sind über 500 Stufen zu bewältigen. Für mich runter zu eine Leichtigkeit.


Unterhalb der Stufen geht es dann noch mal ein längeres Stück durch den Wald und es kommen endlich nicht mehr unzählige Leute entgegen oder laufen hinter mir. Sowas nervt mich ja richtig hart beim Wandern, wenn ständig Leute hinter oder vor die lauern.

Und nach einer dreiviertel Stunde Weg und reichlich Schweiß (wie müssen erst die Leute auf dem Weg nach oben geschwitzt haben?!) bin ich am
Barnet Marine Park
Wenn ich mir so die Karte angucke, dann ist der Park die einzige Fläche am Wasser die Burnaby aufzuweisen hat. Kein Wunder das es hier 3 riesen Parkplätze gibt und sich Heerscharen vor mir herschieben.

Aber es ist dennoch sehr schön. So ein Inlet ist halt auch was besonderes. Es ist quasi ein Teil vom Meer der sich sehr weit ins Inland schiebt, sodass es sich mehr anfühlt als wenn ich an einem Fluss liegen würde. Die großen Schiffe die vorbei fahren, tragen natürlich auch zu dem Gefühl bei.




Nach einer Stunde hier herumlungern, trete ich dann wieder den 1,5 h Heimweg an, mit dem Fazit, dass sich der weite Weg doch sehr gelohnt hat.
Fazit
Vancouver hat schöne Ecken aber mein Favorit ist alles ringsherum, da alles viel ruhiger und kleiner und mehr Natur ist. Ich hatte eine gute Zeit und bin sehr dankbar, dass mich meine Workaway Hosts mit auf 2 Roadtrips genommen haben, damit ich noch ein bisschen mehr entdecken konnte.
