3. Mai – 23. Mai 2021
Wer meinen Blog/Instagram verfolgt, weiß, dass ich ein großer Streetart Fan bin, was ein bisschen merkwürdig ist, denn ich kann mit „normaler“ Kunst generell nichts anfangen. Aber Murals und besondere Kunstinstallationen im öffentlichen Raum begeistern mich einfach sehr.
Und davon soll es einige geben in Vancouver. Dann lasst uns mal auf eine Entdeckungsreise gehen.
Golden Tree – Douglas Coupland
Ich wusste, das es diesen Baum gibt, habe ihn dann aber nur durch Zufall entdeckt. Zu finden ist der 13 m hohe vergoldete Baum gegenüber der Canada Line Station Marine/Cambie. Das Kunstwerk wurde 2016 enthüllt und stellt ein exaktes Replikat vom 800 Jahre alten ausgebrannten Baum im Stanley Park dar.

Als ich dort ankomme, kommt gerade noch mal ein bisschen die Sonne raus und das gold strahlt richtig. Ich stelle mich in den Baum und schaue nach oben und die Wolkenkratzer schauen auf mich herab. Ein ganz toller Street Art Start für mich in Vancouver.
The Birds – Myfanwy Macleod
Die beiden übergroßen Spatzen sind am Eingang des ehemaligen Olympic Village (Winterspiele 2010) an der False Creek zu finden. Da fragt man sich wie jemand auf die Idee kommt ein paar Gigantenspatzen als Kunst zu verkaufen aber hey, sowas ist mir tausend mal lieber als irgendwas super abstraktes.


The proud youth – Chen Wenling
Speaking of super abstrakt – guckt euch diesen Wahnsinn an. Das Kunstwerk soll das Kind in dir symbolisieren aber ganz ehrlich, wenn das Kind in mir aussieht wie etwas das Blutgebadet in einem Horrorfilm entspringt, dann kann es gern ausziehen. Während ich da stand und Fotos machte, kam ein Paar vorbei und sie guckte die Kunst an und meinte nur „ich habe Fragen“… und ja so ging es mir auch. Ich meine schöner Kontrast das rot gegen den blauen Himmel und der Spiegelsockel ist für Fotos auch Klasse aber so generell finde ich es eher angsteinflößend als schön. Aber was weiß ich Kunstbanause schon.


Spinning Chandalier – Rodney Graham
Mein persönliches Lieblingskunstwerk weil es einfach so unfassbar viele Fragen und Kopfschütteln hervorruft und dabei so wahnsinnig random ist aber dennoch auch sehr schön anzusehen.

Das, haltet euch fest, 4,8 Millionen!!!!! teuere Kunstwerk wurde von Westbank, einer Projektmanagementbaufirma, in Auftrag gegeben, die als Ausgleich für ein Projekt ein Kunstwerk für den öffentlichen Raum spenden sollten im Wert von 1 Million. Da sie aber noch weitere Projekte auszugleichen hatten, haben sie dann gleich etwas mehr Geld in die Hand genommen und das hier in Auftrag gegeben. Es wird auch gesagt, dass der Künstler den Preis mit Absicht in die Höhe getrieben hat, da er wusste das hier viel Geld zur Verfügung steht.
Der überdimensionale Kronleuchter unter der Burradbrücke wird um 12, 16 Uhr und 20 Uhr angeschaltet und dreht sich aber nur 16 Uhr wird auch das Licht noch mit angemacht (was ja für den 20 Uhr „Auftritt“ mehr Sinn gemacht hätte). Ich muss sagen, ich hab mir gern die 16 Uhr „Vorstellung“ angesehen, wie sich das Ding 15 Min lang leuchtend dreht.
Aber reden wir mal bitte über den Irrsinn des Ganzen?! Am anderen Ende Downtowns liegen die Obdachlosen auf der Straße und am anderen Ende der Welt verhungern Menschen und hier werden 5 Millionen Dollar für etwas völlig sinnffreies überdimensioniertes ausgegeben. Für mich absolut unverständlich!

Engagement – Dennis Oppenheim

Ja, kann mein eigentlich gar nicht so viel zu sagen. 2 überdimensional große Ringe in einem Park – Verlobungsringe!
Das Kunstwerk wird gern für Verlobungs- oder Hochzeitsshootings verwendet. Wer hätte das gedacht.
Ich hab eigentlich keine Meinung weiter dazu, da es nicht anstößig oder wunderschön ist und auch so halb untergeht da auf der Wiese.

A-ma-zing laughter – Yue Minjun

Die 2009 installierten 14 Bronzefiguren stellen den Künstler selbst dar und wurden von einer Kunststiftung an die Stadt Vancouver gespendet.
Auf einer Inschrift auf einer Bank daneben steht, dass sie allen ein Stück Freunde und Lachen mit auf den Weg geben sollen und ich glaube das schaffen sie auch, denn so viele Leute machen lustige Selfies mit den Figuren. Generell nicht die schlechteste Kunst die ich je gesehen habe, wenn auch etwas weird, dass der Künstler sich 14 Mal selbst porträtiert hat – sehr selbstverliebt könnte man meinen, oder!?


Inukshuk – Inuit Art
Das traditionelle Inuit Kunstwerk ist an einigen Stellen in Kanada zu finden, unter anderem auf einem der Berge in Whistler oder vor Hotels, habe ich es auch schon gesehen.
Es wird auch als „Greeter“ bezeichnet, da es meist an Orten steht die man als erstes sieht wenn man wo ankommt, wie hier in der English Bay, wenn man beispielsweise mit dem Boot vom Wasser aus hier ankommen würde. So „Kanada grüßt seine Gäste“ mäßig.
Ich mag diese Steinfiguren sehr und freue mich jedes Mal wenn sie mir irgendwo begegnen, denn ich fühle mich willkommen.


East Van Cross – Ken Lum

Ich wollte das East Van Cross unbedingt sehen und bin da extra hin gefahren und war dann sehr enttäuscht, da es einfach nur neben all den Bahngleisen in einem Industriegebiet steht.
Das East Van Symbol wurde Ende der 90er von Graffitiartists in der Stadt getagged und wurde so zum absoluten Kultsymbol wovon man heute sogar T-Shirts und Schmuck kaufen kann. Und da ich einige Leute mit den coolen Shirts gesehen habe, wollte ich selbst mal gucken wo das eigentlich her kommt.
Sieht bestimmt cool aus wenn es im Dunkeln leuchtet aber so generell hat es keinen großen Eindruck bei mir hinterlassen.
Fazit
Ich fand es super spannend auf eine kleine Streetart Suche in Vancouve zu gehen und habe mir sicher die außergwöhnlichsten Werke dabei raus gepickt. Es gibt noch so viel mehr von kleinen unscheinbaren Kunstwerken, Kunstwerke die sich in die Landschaft einfügen bis hin zu großartigen Murals aber ich bin mit meiner Auswahl sehr zufrieden. Ich finde Kunst in einer Stadt sehr wichtig und spannend aber ob die Werke immer Millionen von Dollar kosten müssen – ich weiß nicht…