Haarlem – so richtig hyggelig

28. – 31. Juli 2020

Für meine letzte (Übernachtungs-) Station in den Niederlanden standen Haarlem oder Leiden zur Auswahl. Von der Google Bildersuche her, beide sehr ansehnlich. Am Ende hat die Suche nach einer günstigen Unterkunft die Sache entschieden und ich war mehr als glücklich mit meiner Entscheidung, denn habe ich in Haarlem vielleicht mein neues zu Hause gefunden (also wenn ich endlich mal mit Reisen feetig bin und mich zur Ruhe setzen will)?!

Anreise

Von Brügge ging es in aller früh mit dem Flixbus in 4 h für 17€ nach Amsterdam Sloterdijk und von dort mit dem Sprinter ins nur 5 Minuten entfernte Haarlem.

Schon der Bahnhof in Haarlem ist echt niedlich, sodass ich mich sofort gut aufgehoben fühlte.

Unterkunft


Mit dem Hello, I´m local habe ich wohl das schönste Hostel der Niederlande gefunden. Mit 28€ pro Nacht im 14 Bettzimmer nicht gerade günstig aber jeden Cent wert.

Das in einem traditionellen Haus am Rande der Altstadt liegende Hostel wurde von Designstudenten eingerichtet. Alles ist darauf ausgerichtet, dass man sich hier so heimelig wie möglich fühlt und so gibt es hübsche private Bäder, eine niedliche kleine Küche (der Nachteil in all meinen Hostels war, dass es nie richtige Küchen gab, bzw. die nicht geöffnet waren. Auch die hier eignet sich nicht zum Kochen sondern höchstens für einen Kaffee oder ein Porridge.) und auf allen Produkten steht „Hello, I´m Handwash“, „Hello, I´m a Hairdryer“. Alles sehr niedlich gemacht.

Der kleine Innenhof wurde überdacht und dient so als eine Art Wohnzimmer. Im Hostel kann man auch Kleinigkeiten essen oder an der Bar ein Getränk zu sich nehmen. Auch wenn ich noch nie in einem Zimmer mit so vielen Betten geschlafen habe, war es verdammt ruhig. Jeder hat seine kleine Koje mit Steckdose und Licht und unter dem Bett ein Abteil für sein Gepäck. Das Hostel scheint generell eher gediegene Reisenden anzuziehen.


Markt

Der große Platz mit der prägnanten St. Bavo Kirche und dem Stadthaus wird von vielen Restaurants und Bars in hübschen Gildehäusern gesäumt.


Gassen

Von den vielen kleinen Gassen war ich hier besonders angetan und genau die haben die Stadt für mich auch so besonders gemacht. Denn überall haben die Locals unzählige Pflanzentöpfe vor die Tür gestellt, die im Sommer herrlich blühen.

Teilweise dachte ich, ich würde gerade an einem Blumenladen vorbei laufen aber nein, das war die Idee der Locals. Das ist doch in Deutschland undenkbar. Das würde innerhalb von ein paar Stunden geklaut oder beschädigt sein und hier erfreut sich jeder daran und macht Fotos. Außerdem werden kleine Tische, Stühle und Bänke vor die Tür gestellt, wo die Hausbewohner abends mit einem Gläschen Wein chillen. Das ist so ein toller Vibe den die Innenstadt dadurch ausstrahlt. So familiär, friedlich und liebevoll. So ein Stück Heile Welt, nach der man sich in der heutigen Zeit besonders sehnt.

Mein absolutes Highlight war aber ein Kohlkopf direkt vor der Haustür, welcher ein kleines Schildchen mit einem eigenen Hashtag bekommen hat. Sowas habe ich noch wirklich nirgends gesehen.

#haarlemkool

Wie würden die Dänen sagen: die Innenstadt von Haarlem ist verdammt hyggelig.

Innenhöfe

Einige der Häuserblocks haben begrünte Innenhöfe wo Touristen auch gern gesehen sind. Generell ist hier alles viel offener. In Deutschland würde sich jeder abschirmen und das Fremde bloß nicht zu viel vom Leben der anderen sehen.

Hier hat kaum jemand auch nur Gardinen vor den Fenstern, sodass man immer in die perfekt dekorierten „schöner Wohnen“ Wohnungen herein gucken kann. Die Offenheit der Niederländer fängt also schon bei deren Wohnungen an.

Geschäfte

Haarlem wurde mehrfach zur besten Einkaufsstadt der Niederlande gewählt und ich verstehe warum. Selbst alle größeren Ketten wie H&M, Zara und so weiter sind in kleinen traditionellen Häusern untergebracht.

In den Seitengassen der Haupteinkaufsstraße gibt es schöne Individuelle Läden von Lampen über Handtaschen bis hin zu einem Laden nur für Erdnussbutter. Hier lohnt sich auch ein Schaufensterbummel.

Coffeeshops dürfen in Haarlem natürlich auch nicht fehlen. Bei dem hier gefällt mir der Name besonders gut, denn Wortels bedeutet im niederländischen Karotte also Willie Karottes Cannabis Shop *süß*


St. Bavo Kathedrale

Ich hatte die interessant aussehenden Türme der Kathedrale schon von Weitem gesehen und mich neugierig auf den Weg dorthin gemacht. Leider zog gerade ein Gewitter auf, sodass ich nur kurz ein paar Fotos machen konnte und mich dann in sicherere Gefilde begeben musste ohne die Kathedrale näher angeguckt zu haben.


Park Harlemmerhout

Nur wenige Kilometer außerhalb der Innenstadt liegt ein schöner großer Park mit Spielplätzen und einem kleinen Tierpark, welcher leider schon geschlossen hatte aber immerhin die Rehe waren frei zugänglich.

Bambi ❤

Viele Sportgruppen sind hier unterwegs und die Locals chillen bei einem Feierabendbier.


Grachten

Einfache Faustregel in den Niederlanden – hat eine Stadt eine Gracht, dann lauf diese ab und du findest unzählige Fotomotive.

Tolle Klappbrücken. Alte schiefe Häuser. Schön bepflanze Grünflächen.

Es kann einfach nie falsch sein hier entlang zu schlendern, vor allem am frühen Morgen wenn das Wasser noch so herrlich still ist und die Häuser sich darin spiegeln.


Molen de Aadrian

Die alte Windmühle aus dem Jahre 1779 kann besichtigt werden. Die Tickets für 5,50€ sollten im Vorfeld online gekauft werden. Während der Tour wird die Mühle auch mal angeschaltet, sodass sich die Flügel drehen. Das ist tatsächlich etwas besonderes, denn alle alten Mühlen die ich bis dahin gesehen hatte, standen still, was ja irgendwie nicht der Sinn einer Windmühle ist, ne?!

Man kann ganz wunderbar in den umliegenden Restaurants sitzen und auf die einfahrenden Boote gucken. Ein schönes Fleckchen Erde.

Fazit

Im Grunde gibt es in Haarlem gar nicht so viel anzugucken im klassischen Sinne. Es ist mehr der Vibe der Stadt der einen hier so verzaubert. Die vielen kleinen Gässchen mit all den Blumentöpfen, die individuellen Geschäfte und die sehr freundlichen Menschen (und Kätzchen).


Schon von der ersten Sekunde an, hat es sich angefühlt wie nach Hause kommen und genau deshalb baut sich der Gedanke in meinem Kopf immer weiter aus, mich nach meinen kommenden Reisen in den Niederlanden sesshaft zu werden und Haarlem wäre da auf jeden Fall die erste Wahl für mich. Es hat genau die richtige Größe, eine absolut perfekte Lage zwischen Meer und Großstadt und diesen lässigen Sommerurlaub Vibe den hier auch die Locals während ihrer Arbeit an den Tag legen.



Hinterlasse einen Kommentar