Amsterdam – Hidden Gems / Geheimtipps

30. Juli 2020

Als erstes erzähle ich euch was ich alles an Amsterdam hasse um euch dann zu sagen warum ihr doch herkommen solltet und was ihr dabei beachtet müsst.

Amsterdam ist eine wunderschöne geschichtsträchtige Stadt mit einer einmaligen Architektur und über ihre wundervolle Optik müssen wir an dieser Stelle auch nicht diskutieren.

Warum ich es hasse ist folgender Grund – Amsterdam ist krank – es leidet unter Tourismus!

Ich war bereits 2016 das erste Mal hier. An einem herrlichen Wochenende Ende September. Da war es voll und anstrengend aber inzwischen finde ich gar keine Worte mehr dafür. Ich würde behaupten zur Zeit kommt pro Einwohner noch ein Tourist. Und 80 % davon sind die typischen Partytouristen die der Stadt langsam aber sicher das Genick brechen und durch die die Stadt ihre Romantik verliert. Die Müllberge die jede Nacht auf die Straße geworfen werden, die Menge an Urin, die sich im Laufe einer Nacht in den Gassen verteilt – all das ist einfach nur erschreckend.

Die Müllabfuhr und die Straßenfeger hatten am Morgen alle Hände voll zu tun um die Spuren der letzten Nacht in den Straßen rund um das Rotlichtviertel zu beseitigen. Es sah dort aus wie nach einem Festival. Überall lag Müll herum, den die Tauben und die Möwen auch noch schön in alle Bestandteile zerpflückt hatten. Und da es Donnerstag ist und nicht mal Wochenende befürchte ich, dass das kein Einzelfall ist, sondern es jeden Morgen hier so aussieht. Ich habe schon viel gesehen in meinem Leben aber da war ich absolut fassungslos.

Warum solltet ihr aber nun trotzdem herkommen?! Weil es schlicht und ergreifend Amsterdam ist. Wenn ihr noch nie vorher in den Niederlanden gewesen seid, dann wird es ein großes Ahh und Ohh bei euch auslösen wegen den schönen Häusern und den Grachten und all der vielen Coffee Shops, die man ja so nun auch nicht unbedingt tagtäglich sieht.

Da ich ja schon mal hier war und das volle Touristenprogramm abserviert habe, inklusive Grachtenbootsfahrt, soll es an dieser Stelle mal um die Geheimtipps gehen, die Orte die noch nicht ganz so schrecklich überlaufen sind bzw. wo sich die Mengen einfach besser verteilen als in den Gassen der Innenstadt. Aber seid euch bewusst, ihr seid in einer DER Touristenstädte Europas – geheim ist hier nichts!

Wenn ihr bis ganz zum Schluss lest, dann verrate ich euch noch den allerschönsten Ort in Amsterdam von dem ihr garantiert nicht enttäuscht sein werdet!

Allgemeine Tipps:

  • kommt nicht mit dem Auto! Ihr kommt in die direkte Innenstadt sowieso nicht rein und generell ist auch alles drum herum sehr wuselig also am Besten park and ride oder ganz von woanders mit den Öffis angefahren kommen, was mich zu Punkt 2 bringt
  • übernachtet nicht in Amsterdam (es sei denn ihr gehört zu besagtem Partyvolk) Es ist unfassbar laut und extrem teuer hier, also schlaft lieber in den umliegenden Orten wie Haarlem, Leiden oder Alkmaar
  • startet so früh wie möglich euren Tag in der Altstadt um den Touristenmassen aus dem Weg zu gehen. Die Museen und andere Attraktionen öffnen erst um 10. Nehmt euch den frühen Morgen um die Stadt zu erkunden. Alles ist herrlich ruhig (bis auf die Stadtreinigung die die Spuren der letzten Nacht beseitigt) aber die Touristenhotspots sind nahezu menschenleer. Außerdem ist das Licht am frühen morgen viel schöner.
  • Zieht euch gute Schuhe an. Ihr werdet viel laufen, denn innerhalb der Altstadt kommt man nicht mit Öffis herum. Ich hatte am Ende des Tages 20 km auf der Uhr.
  • Passt bloß auf mit den ganzen Kamikaze Radfahrern. Ihr müsst euch echt ständig umdrehen wenn ihr mal ein paar Schritte nach rechts oder links gehen wollt, denn hinter euch lauern sie, die verrückten Radfahrer, die durch jede noch so kleine Lücke zwischen fahrenden Autos und Fußgängern schlüpfen in den schmalen Grachtstraßen. Anstregend!

Nun zu meinen liebsten Orten in der Stadt. Fangen wir mit dem Touristischsten an.

Grachten

Grachten sind etwas an dem ich mich einfach nicht satt sehen kann. Ich bin jetzt seit 3 Wochen in den Beneluxländern unterwegs und hab mehr Wasserläufe gesehen als ich zählen kann aber es ist halt auch einfach schön und macht eine Stadt irgendwie lebenswerter.

Und Amsterdams Grachten sind besonders schön durch die reichlichen Bepflanzungen und die vielen bunten Hausboote die auf den stillen Gewässern liegen und teilweise geschmückt sind.

Prinsengracht, Kaizergracht, Herengracht und Singelgracht sind die die in der direkten Innenstadt liegen und im Grunde könnte man alle einmal ablaufen und würde unzählige Photospots finden und Sehenswürdigkeiten wie vers. Kirchen, das Anne Frank Haus oder die Ons Lieve Heer op Solder – die berühmte Kirche auf dem Dachboden – überall würde man vorbei kommen. Wenn man in die Museen rein will, sollte man sich schon vorher online um Tickets kümmern, da vor allem im Sommer jeden Tag alles restlos ausgebucht ist.

Schaufensterbummel

Man könnte in vers. kleinen Gässchen der Innenstadt auch herrlich shoppen gehen oder so wie ich, einfach nur einen Schaufensterbummel machen, denn viele der Schaufenster sind wunderschön dekoriert, sehr alt und reich verziert.

Mich persönlich haben die vielen Second Hand Läden interessiert, sodass ich sogar mal in einem drin war. Schöne handverlesene Teile aber die Preise sind jenseits von Gut und Böse.

Die Sachen sind nicht mal vintage sondern lediglich ein paar Jahre alt und teilweise von fast fashion brands und kosten dennoch manchmal mehr als sie in der Neuanschaffung gekostet hätten. Das ist nicht mein Verständnis von second hand aber zum gucken ist es auf jeden Fall spannend.

Magere Brug

Die kleine weiße Klappbrücke erlangte durch einen Auftritt in James Bond „Diamonds are forever“ Berühmtheit. Sie stellt ein schönes Fotomotiv dar, vor allem vom kleinen Holzsteg vor dem Hermitage.

Begijenhof

Leider momentan geschlossen aber an sich eine kleine Oase der Ruhe innerhalb der hektischen Stadt. So ein richtiger kleiner Narniamoment wenn man durch die kleine Tür von der wuseligen Einkaufsstraße aus in einen Ort voll Ruhe tritt. Es wird da auch immer ganz schön voll aber viele wissen glaub ich nicht, dass der Begijnhof existiert oder haben einfach kein Interesse daran.

Rijksmuseum mit Park

Einer meiner absoluten Lieblingsorte. Definitiv kein Geheimtipp aber so weitläufig, dass sich die Massen gut verteilen und jeder ein schönes Plätzchen für sich selbst findet.

Natürlich kann man auch ins Museum und sich die Gemälde namenhafter Künstler ansehen.

Man kann aber auch einfach nur die Architektur genießen. Im Wasserbecken die Füße abkühlen.

Auf der angrenzenden Wiese chillen oder den schönen Garten besuchen.

Vondelpark

Ein wunderschöner großer Parkt, nur wenige Schritte neben dem Rijksmuseum.

Große Wiesen mit genug Platz für jeden. Außerdem gibt es einige nette Cafes und Restaurants und Wasserflächen die zum Verweilen einladen.

NDSM Gelände

Ich hatte schon ein paar Berichte im Fernsehen dazu gesehen und auch der nette Typ aus dem Haarlem Hostel schlug mir das NDSM Gelände vor, als ich ihm sagte, dass ich Streetart mag.

Die Neederlandse Dok and Scheepsbouw Maatchappij also die Niederländische Schiffsbauwerft gibt es inzwischen seit 1978 nicht mehr und das Gelände stand lange leer und gammelte vor sich hin, bis sich hier immer mehr Künstler, Bars und Clubs ansiedelten. Es gibt viel Streetart. 2 mal im Monat einen großen Flohmarkt.

Außerhalb von Corona ständig kleine und große Festivals. Man kann hier auf dem Botel (einem zum Hotel umgebauten Schiff) schlafen oder in alten Eisenbahnwaggons. Es gibt sogar ein AirBnB in einem alten Kran.

In der alten Werfthalle haben sich vers. Kunsthandwerker kleine Container hinein gebaut, in denen sie jeweils ihre Workshops haben. Es gibt an der Pllek Bar einen kleinen Strand. Also an sich ein super interessantes Gelände und das Beste an der Sache – die 15 minütige Fährfahrt vom Bahnhof ist komplett kostenlos!!!(Backpackers are screaming)

Soweit zum Guten – nun aber zu einem Punkt den ich mit Besorgnis beäuge – das Gelände ist HIP geworden und das ist für kein Gebiet jemals gut gewesen, denn auch hier schlägt die fiese Gentrifizierung zu. Direkt neben der Werft entstehen schicke Hotels, Penthousewohnungen und generell ein neues hippes teures Wohnviertel – es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis die Künstler von ihrem Gelände vertrieben werden und in der alten Werft Loftwohnungen entstehen (ich gebe der Sache 5 Jahre) Der Kapitalismus killt einfach alles und jeden!

Also kommt noch schnell her, so lange es hier noch rau und ungeschliffen und somit interessant ist!

Und mein allerliebster Ort:

Die Rooftopbar des Nemo Science Museum am Oosterdok

Als ich 2016 hier war habe ich auf einem der Boote am Oosterdok geschlafen und bekam von meinem Vermieter den Tipp doch abends mal auf das Dach des Nemo zu steigen um den Sonnenuntergang zu genießen. Und ich sage euch – Liebe auf den ersten Blick.

Damals war das Ganze noch kostenlos. Heute kostet es 3,50€ Eintritt aber man bekommt an der Bar ein Getränk seiner Wahl dazu (auch Bier oder Wein).

Man hat auf der Aussichtsterrasse einen atemberaubenden Blick auf die vielen Türme der Stadt und das Oosterdok. Alles ist hier so Amphitheatermäßig angelegt, sodass man von überall eine herrliche Sicht hat und sein Getränk genießen kann. Und da man ja auf dem Dach des Wissenschaftsmuseum ist, gibt es hier oben auch ein paar nette Spielereien zum Thema Wasser.

Für mich ist der Ort ein absolutes Must See. Schon gut besucht aber hauptsächlich von Einheimischen und es ist genug Platz für alle ohne das man sich auf die Füße tritt. 10 bis 17:30 Uhr von Sonntag bis Mittwoch und 10 bis 21 Uhr Donnerstag bis Samstag geöffnet.

Marihuana Tourismus

Ich meine das es hierzu in den letzten Jahren ein paar gesetzliche Änderungen gab, denn meine Beobachtungen 2016 zu 2020 waren recht unterschiedlich. Grundsätzlich ist es aber so, dass der Gebrauch und Besitz von Cannabis nicht legal im klassischen Sinne ist. Es ist bis zu einer Menge von 5 Gramm nur entkriminalisiert, das heißt es schert sich keiner darum.

Damals war es allerdings so, dass man nur in den Coffeeshops rauchen durfte und auch nur Locals. Das war gerade so eine Phase wo das eingeführt werden sollte, dass die Touris nicht in die Coffeeshops dürfen. Amsterdam hat sich dagegen auf die Barrikaden gestellt, schließlich leben die auch vom Marihuana Tourismus. Ich weiß noch, dass es damals ein großes grünes Wölkchen über dem Vondelpark gab und hier und da ein paar typische Gerüche. Heute kifft quasi jeder überall und eine riesige Graswolke liegt über der Innenstadt. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Verfechter der Heilwirkung von Marihuana aber wovon ich kein Freund bin, ist irgendwelche Kinder völlig breit in jeden Ecken der Stadt herum liegen zu sehen. Kurzum ich bin absolut kein Freund vom Marihuana Tourismus, denn die meisten die hier Urlaub machen sind Deutsche und Engländer im Alter von 15 bis 20 die nur auf Party aus sind und das steht für mich irgendwie sehr im Kontrast zu der eigentlich so schicken alten ehrwürdigen Stadt.

Fazit

Sag niemals nie aber ich würde behaupten, das es mein letztes Mal Amsterdam gewesen sein dürfte. Es gibt weitaus schönere und ruhigere Ecken in den Niederlanden die mich mehr anziehen.

Wenn du Partytourist und/oder Großstädter bist, dann wirst du Amsterdam lieben, ansonsten musst du zeitig da sein und brauchst starke Nerven.

Dennoch ist es eine wunderschöne sehenswerte Stadt und ich hoffe, dass ich ein paar Tipps geben konnte, wie man hier möglichst stressfrei ein paar schöne Tage verbringen kann.


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