19. August 2020
Ich bin jemand der immer skeptisch mit Orten ist, die super gehyped sind. Wo kommt der Hype her? Ist er berechtigt oder ist alles am Ende doch sehr überbewertet?
Und der größte Hypeort in Österreich ist ja nun eindeutig Hallstatt. Ich meine die Chinesen haben den Ort bei sich nachgebaut (siehe hier), was ich nun wirklich für völlig verrückt halte.
Da frage ich mich doch, wo kommt die Faszination her? Was ist das Besondere? Ich meine die vielen Fotos bei Instagram sind nett aber so richtig vom Hocker gehauen haben sie mich nie im Vergleich z.B. zu Lauterbrunnen in der Schweiz (dazu in ein paar Wochen mehr). All dem galt es nun persönlich auf den Grund zu gehen…

Anreise
4 Uhr früh aufstehen – ich stehe oft früh auf, um Orte für mich allein zu haben. Aber so früh, war dann doch eine Premiere.
Das lag allerdings daran, dass ich ein wenig umständlich von Salzburg mit dem Zug hier her fahren musste. Wenn man erst ab 10 hier sein will, dann kann man auch super mit dem Bus nach Bad Ischl und dann in ein paar Minuten mit dem Zug nach Hallstatt fahren.
Ich wollte jedoch schon vor 8 da sein und da gab es nur die Möglichkeit mit dem Zug erst Richtung Wien zu fahren und dann noch mal 1,5 h von einem Ort weiter nördlich wieder zurück ins Salzkammergut.. Da ich kein Problem mit langen Anreisen habe, verging die Zeit auch mehr als zügig.
Witzige Anekdote: Die Türen von meinem Hostel waren 4 Uhr früh noch fest verschlossen. Das Zahlenpad zur Türöffnung habe ich vergeblich gesucht und den Notausgang wollte ich nicht benutzen, da mehrfach dran stand „nur im Notfall zu benutzen“ und das erschien mir nicht unbedingt als Notfall. Was blieb mir da als letzte Möglichkeit – aus dem Fenster im Erdgeschoss klettern. Sehr abenteuerlich. War auf jeden Fall schon mal ein interessanter Start in den Morgen 😀
Erster Eindruck
Am Abend, in der Nacht und selbst noch auf der Fahrt hier her hatte es nur geregnet, sodass ich schon ein wenig traurig war. Ich hatte mir alles ganz anders vorgestellt aber dann kam mein Zug am See an und die Wolken rissen auf einmal auf. Danke Schicksal, Karma, Wettergott.

Der Zug kommt auf der anderen Seite des Sees an, sodass noch eine kleine Fahrt mit der Fähre notwendig ist. Die Fähre fährt immer wenn ein Zug ankommt oder abfährt, kostet 3€ und dauert ca. 10 Minuten.

Und hier schon der erste Wow Moment. Ich fühlte mich ein bisschen wie in Milford Sound in Neuseeland. Die Wolken klebten noch in den Bergen aber die Sonne kam langsam darüber und beleuchtete den Ort, sodass ich bereits vom See aus eine spektakuläre Aussicht hatte.

Mit mir war nur eine Frau an Bord, sodass ich früh kurz vor 8 den kompletten Ort für mich allein hatte. Es war so herrlich ruhig. Noch recht kühl und es lag eine gewisse Herbststimmung in der Luft.

Als ich an DEM Hallstatt Aussichtspunkt ankam und das Bild einfach nur perfekt war und schöner als ich es mir hätte vorstellen können, kamen mir wieder Tränen der Dankbarkeit und des Glücks. Ich war mir hier schon sicher – der Ort hat seinen Hype Status zu Recht, denn diese Ansicht ist schlicht und ergreifend atemberaubend. Kein Foto dieser Welt kann das Gefühl rüber bringen, was man hat wenn man persönlich hier steht.

Der Ort
Ich hatte den ganzen Vormittag den Ort gemieden und diverse andere Punkte angesehen, sodass es ziemlich voll war als ich endlich mit meinen Eltern im Ort ankam. Allerdings ist das was hier los war für die Verhältnisse sogar noch leer, denn durch die ganze Covid Geschichte fallen die asiatischen Reisebusse und die Überseereisenden weg, die im Normalfall den ganzen Ort einnehmen würden. So gab es „nur“ europäische Touristen aber das war mir irgendwie schon zu viel, nachdem ich den Vormittag in absoluter Ruhe und Glückseeligkeit verbracht hatte. Es war heiß und voll und ich ein wenig genervt, sodass ich zu dem Schluss kam, die Ortsmitte ist es nicht die den Zauber ausmacht.

Versteht mich nicht falsch. Die Häuser und Blumenbepflanzungen sind absolut herrlich aber es hat auch alles so einen gewissen Kitschvibe der etwas drüber ist. Es gibt sogar Österreicher, die hier in der Gegend Urlaub machen oder wohnen und noch nie hier waren weil es ihnen einfach nicht authentisch genug und eher wie eine Art Disneyland ist.



Aber zum Glück gibt es noch wesentlich magischere Orte, die, wenn man zur richtigen Zeit kommt, auch noch menschenleer sind, wie z.B. der
Friedhof mit Beinhaus
Tagsüber auch reichlich überlaufen und irgendwie gefiel es mir gar nicht, dass alle Touristen über den Friedhof rennen und die Ruhe dort stören aber früh um 8 war hier niemand, sodass noch ein respektvoller Umgang mit dem Tod möglich war. Die Grabstätten mit Blick auf den See sind wunderschön angelegt und reich bepflanzt. Ich bin ja generell ein Freund davon mir an fremden Orten auch die Friedhöfe anzusehen, denn zum einen lernt man viel über die Kultur des Landes und zum anderen ist es hier meist herrlich ruhig und friedlich.

Kleine Attraktion hier ist das Beinhaus. Dieses kostet 1,50€ Eintritt und man kann sehr morbide, bemalte Schädel angucken.
Ich war nicht drin weil ich die Vorstellung irgendwie absurd finde mir einen menschlichen Schädel anzugucken.
Dennoch ist der Friedhof einen Besuch wert aber kommt außerhalb der busy hours um ein friedlicheres Erlebnis zu haben.

Welterbeblick und Wanderung

Ich war am Morgen etwas übermotiviert und hatte ein paar Stunden tot zu schlagen bevor meinen Eltern kamen und stand auf einmal auf dem Wanderweg hoch zu den Salzwelten bzw. zum Welterbeblick und dachte mir, ach warum eigentlich nicht „let`s go“!

Vorbei am Wasserfall windet sich der Weg über viele Serpentinen den Berg lang hoch. Ein schöner gut ausgebauter breiter Wanderweg. Genauso hatte ich mir den der Elmausteinwanderung (siehe hier) vorgestellt. Hier bekam ich ihn endlich.

Ich kam ganz schön ins Schwitzen aber der schöne Weg war es wert erklommen zu werden. Bis auf einmal die Nebelwand immer dichter und dichter wurde. Der Wetterbericht sagte dazu noch ein Gewitter voraus.

Ich wartete eine Weile in einer Schutzhütte auf der Hälfte des Weges aber die Suppe nach oben wurde immer dichter, sodass ich schweren Herzens beschloss wieder nach unten zu wandern. Safety first – vor allem in den Bergen.

Als meine Eltern dann auch endlich in Hallstatt ankamen, beschloss wir gegen 11 einfach für 10€ pro Person mit der Bergbahn hoch zu fahren um herunter zu laufen.

Die Aussicht aus der Bahn war schon toll aber oben am Welterbeblick war es richtig atemberaubend, da der Steg quasi in der Luft hängt, von dem aus man einen tollen Blick auf den Hallstätter See und ganz nach unten auf den Ort hat. Schon recht überlaufen (sicherlich absolut nichts im Vergleich zu Coronafreien Jahren) aber man bekam dennoch die Chance auch mal ganz vorn auf der Spitze zu stehen. Erinnerte mich alles ein bisschen an die Schauderterrassen am Gardasee.



Die Gastronomie hier oben ist auch herrlich und weniger teuer als erwartet (Aperol Spritz für vernünftige 4,90€) und dazu das Wetter und die Aussicht. Einer dieser Momente die man für immer in seinem Hirn festhalten und nie wieder los lassen will. Das Leben kann schon schön sein.

Eigentlich kann man von hier aus auch noch zu den Salzwelten laufen, dem Salzbergwerk durch das Hallstatt quasi erst entstanden ist und mit einer Bahn in den Berg hinein fahren und das ganze Abenteuer auf einer Tour erleben. Ich bin nicht so der größte Fan von engen dunklen Räumen und außerdem ist das Ganze nicht gerade preiswert, deshalb sparten wir uns diesen Ausflug.

Nachdem wir einen kleinen Snack zu uns genommen hatten, machten wir uns auf den Weg die vielen Serpentinen wieder bergab.
Es gibt immer mal wieder tolle Blicke auf den See. Es wachsen hier echte Alpenveilchen, was ich ganz spannend fand, da ich die sonst nur von unserer Fensterbank kenne.

Noch relativ am Anfang des Weges geht es in den Stollen hinein. Der Weg ist abgesperrt aber man kann zumindest mal ins Dunkle gucken.

Auf dem Weg gibt es 11 vers. Informationstafeln zu Hallstatt, dem Leben vor über 100 Jahren und zum Salzabbau. Alles recht interessant gestaltet und schon heftig zu lesen was die Menschen damals so für harte Jobs machen mussten. Einfach mitten im Dunkeln das Salz abschlagen um es dann in extrem heißen Kesseln einzuschmelzen, in die der ein oder andere Arbeiter auch schon mal hinein fiel. Richtig grausam. Also schätzt eure öden ungefährlichen Jobs. (Wobei nach meiner Erfahrung kann man auch an Langeweile sterben – zumindest innerlich)
Ich würde diesen Weg auf jeden Fall jedem empfehlen, egal ob ihr nun eine Strecke Bahn fahrt oder beides lauft. Ihr werdet mit herrlichen An- und Aussichten belohnt.

Heile Welt
Ich bin an einer Stelle am Morgen mal „falsch“ abgebogen und stand auf einmal in einem völlig untouristischen Hallstatt, dort wo die echten Menschen leben und ich kann euch gar nicht genug verschwärmen wie herrlich ich es hier fand, trotz (oder vielleicht gerade wegen)des moody Wetters.

Das Stück heile Welt befindet sich in dem Seitental hinter dem großen Parkplatz. Von hier aus könnte man wunderschöne Wanderungen durch das Tal oder zu vers. Aussichtspunkten machen.

Ich lief nur ein paar Meter durch das Dorf, bestaunte die wunderschöne Aussicht, die alten Häuser und freundete mich mit den Schafen an.

Die Schafe waren dann definitiv auch eines von vielen Tageshighlights, denn eines der Schafe kam nach langem gut zureden zu mir und erlaubte mir, es in den Schlaf zu kuscheln. Es gibt doch nichts Schöneres als ein Tier vor sich zu haben, was so viel Ruhe und Liebe ausstrahlt und dazu noch diese Kulisse um mich herum. Ich fühlte mich wie in einer anderen (besseren) Welt.

Schönster Platz
Mein absolut liebster Platz und auch so ein bisschen der Geheimtipp ist die kleine Halbinsel am Ortsausgang von der aus man einen tollen Blick auf den Ort und den See hat. Man kann die Beine im Wasser baumeln lassen, schwimmen gehen und sein Leben genießen.

Es ist hier lange nicht so überlaufen wie in der Stadt, dennoch gibt es einiges zu entdecken. Eine nette Badestelle, einen schönen Spielplatz und diese Aussicht natürlich.

Aus fotografischer Sicht fand ich die hölzernen alten Bootshäuser im Morgenlicht einfach nur wunderschön und magisch.

Solltet ihr unbedingt auschecken wenn ihr her kommt!

Fazit
Ja, Hallstatt ist definitiv den Hype wert. Ich war so beeindruckt von der Lage des Ortes und was es hier alles zu entdecken gibt. Allerdings rate ich euch: kommt vor um 9! Danach verliert das Ganze seine Gemütlichkeit und wird ab Mittag zu einem schrecklich nervigen Instagram Hypeort.
Dennoch, wer früh hier ist wird Teil eines Naturwunders und kann mal wieder so richtig über die Schönheit unserer Erde staunen!
