Victoria, BC Teil I– Downtown und Umgebung

Willkommen in Victoria! Hauptstadt British Columbias. Inselhauptstadt. Hauptstadt der Hippies und der freien Liebe. Wärmste Haupstadt Kanadas. Hauptstadt der Vielfalt!

Kurzum genau mein Ort. Mein Plan war von Anfang an, den Winter hier zu verbringen, denn Kälte und ich sind einfach zwei Dinge die nicht zusammen passen. Eine Durchschnittstemperatur von 6 Grad und dunkelgrau sind ja quasi Winter in Deutschland (also zumindest in dem Teil wo ich lebe). Das ist halt einfach ne ganz andere Hausnummer als Winter in Toronto wo die Durchschnittstemperatur wahrscheinlich bei Minus 20 Grad liegt. Keine Ahnung wie man das überlebt und ich will es auch nicht herausfinden. Deshalb bin ich genau am richtigen Ort gelandet und was es hier alles Tolles zu sehen gibt, lest ihr gleich. Und da ich schon gemerkt habe, dass es hier allein im Umkreis von 15 km so viel Schönes zu entdecken gibt, wird es mehrere Teile geben.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an:

Downtown

Und ums gleich vorweg zu nehmen – ich bin absolut kein Fan von Downtown. Ich war 2017 bereits für 2 Tage hier und habe in einem Hostel Downtown gewohnt und mich auch nur in dem Bereich aufgehalten und weiß noch, dass ich irgendwie recht unterwältigt war. Aber Downtown ist halt auch einfach nicht „the place to be in Victoria“. Das ist das gleiche wie in Vancouver. Da kann man auch getrost nen Bogen um die Innenstadt machen.

Die Architektur hier ist eher nichtssagend. Die Douglas Street, welche auch gleichzeitig Highway 1 ist (der komplett durch Kanada führt) ist eine absolute Katastrophe weil dreckig, laut und so ziemlich alle Gebäude stehen leer und dann haben wir ja noch das große Problem der Obdachlosigkeit in Victoria, denn auch die Obdachlosen haben gemerkt, dass es hier nicht sonderlich kalt wird und der Winter so leichter zu überleben ist und so werden es jedes Jahr mehr und die hängen bevorzugt am Centannial Square ab, welcher direkt neben dem Rathaus liegt. Als ich 2017 hier war, war gerade der 150. Kanada Geburtstag. Der Platz war schön geschmückt. Es gab eine Bühne und jeden Tag spielte eine andere Band. Es war eine tolle Stimmung. Wenn man heute dort entlang läuft, dann muss man eher Angst haben, das man nicht in eine Nadel tritt oder zwischen einen Streit gerät. Sehr traurig zu sehen. Also macht einen Bogen darum wenn ihr hier seid.

So, genug der negativen Dinge – kommen wir zu den wenigen Orten die sich in Downtown lohnen:

Chinatown

Es gibt so einen typischen Chinatown Eingangsbereich, wie es ihn wohl überall auf der Welt gibt. Viele kleine Geschäfte aber das eigentlich besondere sind die super kleinen engen Gassen zwischen den Häuserblocks. Die berühmteste ist die Fan Tan Alley – eine der schmalsten Gassen der Welt. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

Market Square

Früher war das mal ein Industriegebiet hier, jetzt hat man einen hübschen kleinen Platz zwischen den alten Backsteinbauten errichtet. Im Innenhof gibt es ein paar nette Cafes und Bars und es ist einfach gemütlich hier. Auch die Geschäfte ringsherum sind ziemlich lässig. Vegane Restaurants, Sneakerstore, Witchcraft Laden. Definitiv der hipstrigste Ort in Vic.

Government Street

Die Einkaufsstraße in Vic. Alles ein bisschen sehr touristisch aber es gibt ein paar nette Shops und Häuser. Kann man mal entlang laufen auf seinem Weg zum

Inner Harbour

Die wohl touristischste Ecke der Stadt. Hier legt die Stadt auch sehr viel Wert darauf, dass alles ordentlich und vorzeigbar aussieht. Man kann schön am kleinen Hafen entlang schlendern, wo normalerweise Ausflugsschiffe, Whale Watching Touren und Wasserflugzeuge starten. Es gibt viele hübsche Blumenbepflanzungen. Mein Highlight sind die Pflanzen-Orcas an der Ecke vorm

Empress Hotel

Das 1908 eröffnete Hotel beherbergte schon einige Könige und Berühmtheiten wie die Queen 1939. Es gehört zur berühmten Fairmont Hotel Kette, die in ganz Kanada Anfang des 20. Jahrhunderts monumentale Gebäude errichtet haben. Das Berühmteste hierbei ist sicher das Fairmont am Lake Louise und das meist fotografierteste, das Fairmont in Quebec.

Schräg gegenüber liegt zum einen das Royal BC Museum und auf der anderen Seite das

British Columbia Parlaments Gebäude

Das 1897 errichtete Neobarocke Gebäude ist definitiv das beeindruckendste Gebäude in ganz Vic. Auf dem Platz davor gibt es einen großen Brunnen und einige Native American Totempfähle. Momentan leider alles eine riesen Baustelle aber die nutzen wohl die Gunst der Stunde weil nahezu keine Touristen in der Stadt sind.

Laurel Point

Von dort kann man herrlich am Wasser entlang durch einen kleinen Park schlendern und den Sonnenuntergang am Laurel Point genießen. Wenn man Glück hat, dann schwimmt auch noch ein Otter oder ein Seehund an einem vorbei.

Okay, das war schon alles ganz nett aber kommen wir nun zu den coolen Orten in Vic, die ich auch wirklich als meine Lieblingsorte betiteln würde (das Vorgeplänkel war nur der Vollständigkeit halber ;-D).

Craighdarroch Castle

Man muss ja generell sagen – was die hier Schloss nennen ist im Vergleich zu Europa natürlich niedlich bis lächerlich, denn die Gebäude sind teilweise kaum 100 Jahre alt. Dennoch ganz nett anzusehen. Das 1887 von Robert Dunsmuir erbaute Schloss, diente von 1920 bis 1946 als Universität von Victoria. Dunsmuir, Erbe eines Großindustriellen, baute auch das unweit entfernte Hatley Castel, um das es in meinem nächsten Blogpost gehen wird.

Das Schloss kann auch von innen besichtigt werden (19 $) und es finden Theaterveranstaltungen oder Hochzeiten statt. Mir hat besonders die Lage gefallen, denn im Grunde liegt es mitten in der Stadt auf einem kleinen Hügel in der Fairfield Nachbarschaft, die zu einer der besseren Wohngegenden gehört, mit riesigen alten viktorianischen Villen und Mansions mit monumentalen Zäunen und Vorgärten.

Durch die Nachbarschaft zu laufen ist eine reine Freude und man kann dem ein oder anderen Reh bei seinem Gang durch die Vorgärten begegnen.

Gleich um die Ecke liegt auch das

Government House and Gardens

mein persönlicher Lieblingsort in der Stadt. Das Haus an sich brannte diverse Male ab und besteht in seiner heutigen Optik seit den 50er Jahren. Kein architektonisches Highlight und wird heutzutage auch nur noch für repräsentative Zwecke genutzt.

Eigentliches Highlight ist der große Garten drum herum. Auf dem steinig hügligem Gelände drum herum gibt es vers. Themengärten, einen Ententeich, Rosengärten usw. Jeden Dienstag und Donnerstag Vormittag treffen sich hier vor allem Rentner um gemeinnützige Arbeit zu leisten in dem sie den Garten von eingeschleppten Parasitenpflanzen bereinigen, damit die fragilen einheimischen Pflanzen besser wachsen können. Ich war genau an so einem Dienstag vormittag hier und die alten Leute sind ja alle so goldig. Das muss man sich mal vorstellen. Da treffen sich bestimmt fast 100 Leute unentgeltlich um die große Anlage hübsch zu halten. Sowas gäbe es in Deutschland doch nicht. Und jeder ist freundlich und zu einem Schwätzchen aufgelegt.

Wenn man Glück hat, dann kann man Kolibris beobachten. Für mich sind das die wohl faszinierensten Vögel und ich habe sie bisher nirgends anders auf der Welt gesehen als in Kanada, wo ich sie vermutlich am Wenigsten erwartet hätte.

Von hier kann man auch den Woodlands Trail starten durch den Wald mit den alten verknöcherten Garry Oaks. Im Frühling soll hier wohl alles voll sein mit der lila blühenden einheimischen Pflanze Camas. Da „muss“ ich wohl im Frühling noch mal kommen.

Jedenfalls ist es kostenlos, recht groß und so eine herrliche Time Out in der Natur ohne weit laufen oder fahren zu müssen.

Ich denke das reicht erst mal für einen ersten Einblick in Vic, auch wenn ich an dieser Stelle schon 10 weitere Seiten füllen könnte mit meinen Erlebnissen.


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