- September
Was für ein Sonn-tag! So viel gesehen, so viel gestaunt und das großartige Wetter genossen.

Anreise
Mein erster richtiger Ausflug ins Umland von Victoria steht an und das erste mal so richtig Bus fahren. Mal sehen wie gut das klappen wird. Ein Tagesticket für den Bus kostet hier immer 5 Dollar. Egal ob man nur 2 km fährt oder z.B. in 40 km entfernte Orte. Mit Bus Nr. 4 geht es erst mal Richtung Downtown, wo ich an einer sehr shabby Ecke der Douglas Street umsteigen soll. Ich warte ca. 15 Minuten auf den 50er Bus Richtung Langford und beschließe, sollte ich jemals wieder diese Strecke fahren, dann steige ich an einer Stelle um wo nicht sämtliche Drogensüchtige der Stadt herumwandern. Der 50er Bus ist ein Doppeldeckerbus, da die Strecke von und nach Langford sehr frequentiert ist. Ich habe Glück und bekomme einen Platz ganz oben vorn am Fenster und staune schon das erste Mal über den Transcanada Highway, welcher auf einer Strecke von 7000 km einmal quer von West nach Ost Kanada führt und genau in Victoria startet. Die Strecke führt vorbei an wunderschönen Buchten in denen Häuser auf Inseln stehen. Hier muss ich unbedingt noch mal gesondert herkommen.
Im Stadtteil Colwood muss ich noch mal umsteigen und den Bus zur Royal Roads University nehmen (wie viele Universitäten gibt es hier eigentlich?!).
Hatley Castle
An der Bushaltestelle angekommen, wandere ich bergab über den Unicampus. Wieder so ein schöner Campus, mitten im Wald und teilweise mit Blick aufs Meer.

Und dann liegt es vor mir – Hatley Castle. Meine kanadische Familie hat mich gestern noch aufgeklärt, dass das Schloss als Außenfassade von der X-Men Schule diente und diverse andere Filme und Serien hier gedreht wurden wie Deadpool oder eine meiner liebsten Serien „Unreal“. Kanada bzw hauptsächlich Vancouver gilt ja als das Hollywood des Nordens, denn die Regierung unterstützt die Filmindustrie sehr, sodass einige sehr erfolgreiche Serien, die eigentlich in der USA spielen, hier gedreht werden/wurden wie Suits, Riverdale, Lucifer, Arrow oder Izombie um nur einige der Namen zu nennen. Und auch auf Vancouver Island wird relativ häufig gedreht.

Das Schloss wurde erst 1906 vom Premier von BC nach schottischem Vorbild im Tudorstil erbaut. Es ist ganz nett anzusehen auch wenn man es natürlich nicht mit europäischen alten Schlössern vergleichen kann.

Die eigentliche Attraktion sind die wunderschönen vers. Gärten die man kostenfrei besichtigen kann. Rosengarten, englischer Garten, japanischer Garten usw. Man kann einige Zeit hier verbringen beim durchwandern des großen Areals.


Leider hat sich der Himmel inzwischen ganz schön zugezogen und es ist frisch geworden, sodass ich beschließe über den Campus weiter Richtung Meer zu wandern. Genauer gesagt zur
Esquimalt Lagoon
Man sieht die Lagune schon vom Schloss aus. Beim Weg dorthin durch waldiges Gelände entdecke ich auch ein paar Schilder die darauf hinweisen, dass das Areal Bären und Pumagelände ist. Immer noch schwer vorstellbar für mich, dass man bei einem Waldspaziergang auf einen Bären treffen könnte oder noch schlimmer ein Puma. Vom Auto oder Bus aus gerne aber so ganz persönlich muss das nicht sein.

Die Lagune ist Vogelschutzgebiet und gleich bei meiner Ankunft dort treffe ich auf einige Kanada Gänse die gerade im Landeanflug sind. Was für ein Anblick. Ich laufe erst mal auf die andere Straßenseite zum Meer und setze mich auf einen der vielen Treibholzstämme um mein Mittagessen zu vertilgen mit Blick auf das Meer und noch viel interessanter – den USA Bundesstaat Washington mit seinen über 2000 m hohen Bergen auf denen bereits oder immer noch Schnee liegt. Es ist einfach nur herrlich hier. Am anderen Ende kann man auf Downtown Victoria gucken. Ein riesen Containerschiff dümpelt auch noch im Meer herum. Es gibt also einiges zu sehen hier.


Ich laufe weiter auf der Lagunenseite entlang. Auf der anderen Seite zum Meer hin, würde es noch einiges an Treibholzkunst zu betrachten geben aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt leider nicht, sodass ich den ganzen Weg entlang der Lagune laufe und die vielen Vögel dort beobachte.



Am Ende der Lagune gibt es eine kleine Holzbrücke unter der man hindurch auf die Meerseite kommt, von der man schon einen Blick auf mein nächstes Ziel hat, den


Fisgard Leuchtturm und Fort Roddhill
Fort Roddhill ist eine National Historic Site und gehört zu Parks Canada. Eintrittspreis 8$, kostenfrei, wenn man wie ich den Jahrespass von Parks Canada hat (diesen braucht man eh wenn man in den Nationalparks campen will oder mit dem Auto rein fahren – Jahrespass 80$)

Das Fort wurde Stück für Stück ab 1870 errichtet. Der Fisgard Leuchtturm wurde bereits 1860 errichtet als hier die ersten Schiffe anlegten.


Auf dem großen Gelände kann man einiges an Zeit verbringen und es bieten sich unzählige Fotomöglichkeiten. Und auch die Rehe die fröhlich am Strand oder zwischen den alten Kanonen herum laufen, sorgen für gute Laune. Ich wollte ursprünglich meine Kanadareise im Mai ganz im Osten beginnen weil ich immer so schöne Küsten und Leuchtturm Fotos von Nova Scotia, Neufundland und Labrador gesehen hatte. Aber ich muss sagen, der Fisgard Leuchtturm und seine Lage steht diesen Fotos in nichts nach und ich bin total begeistert, dass ich doch noch mein Stück Nova Scotia bekomme, wenn auch nur die Version aus dem Westen 😀


Ich setze mich ein bisschen ans Meer, sehe den Wellen zu und lassen meinen Blick immer wieder hinüber zum Leuchtturm gleiten, welcher im schönsten Nachmittagslicht erstrahlt.


Das Haus des Leuchtturms ist ein kleines sehr nett eingerichtetes Museum was das Leben in der damaligen Zeit zeigen soll. Auf den Leuchtturm selbst kann man leider nicht hoch.

Auch das Gelände des Forts ist ein einziges großes Freilichtmuseum mit seinen vielen Baracken und Kanonen und dem ganzen Kram von dem ich keine Ahnung habe, der aber nett anzusehen ist. Vom Bunkerberg aus hat man noch mal einen schönen Blick auf den Leuchtturm.


Rückreise
Und dann heißt Heimreise antreten und die 3,5 km vom Fort zur Bushaltestelle laufen und das zeitlich so takten, dass man den Bus erwischt ohne zu lange warten zu müssen. Warum ziehen sich Rückwege immer wie Kaugummi? Und natürlich geht es die ganze Zeit bergauf. Herrlich, an einem Tag wo man bereits einige Kilometer auf dem Buckel hat.
Zum Glück soll alles ganz hervorragend mit meinen Bussen klappen, sodass ich vorm dunkel werden wieder zu Hause bin.
Fazit
So ein schöner Tag. Ich habe so viel vers. Dinge gesehen. Und generell ein Tag am Meer bei schönem Wetter kann sich doch einfach nie schlecht anfühlen.
Am beeindruckendsten fand ich auf jeden Fall das Fort und den Leuchtturm. Ich würde jedem einen Abstecher hier her ans Herz legen.
Ich freue mich schon jetzt auf all die Wanderungen und Ausflüge die in Kanada noch kommen mögen.
