Whiffin Spit – Sooke – ein Wintertag im Herbst

24. Oktober 2020

Nur noch 2 Monate bis Weihnachten – der Winter hat sich allerdings jetzt schon überlegt mal um die Ecke zu illern. In Alberta und um Calgary herum hat es gestern geschneit und bei uns sind nachts unter Null Grad und tagsüber 5°C. Dazu weht ein kräftiger Wind. Allerdings werden wir für die Kälte mit herrlichstem Sonnenschein belohnt und den gilt es am heutigen Samstag zu nutzen.

Ich habe mir, als ich in Quarantäne war, sämtliche Blogs, Internetseiten, Facebook etc. durchgelesen um die besten Spots rund um Victoria zu finden, die ich mit dem Bus erreichen kann.

Ich habe davon schon einige abgearbeitet. Guckst du hier oder hier.

Der Ort der am weitesten von Victoria entfernt liegt, nämlich 40 km und dennoch mit dem normalen Stadtbus zu erreichen ist, ist Sooke und dort hin sollte es heute gehen, genauer gesagt zum Whiffin Spit. Was das ist, erzähle ich euch gleich aber fangen wir von vorn an:

Anreise

Meine kanadische Familie belächelt mich ein wenig, als ich erzähle, dass ich 2 h bis nach Sooke brauche. Das können die sich in Nordamerika einfach nicht vorstellen, dass sich Menschen lieber in einen Bus setzen und ewig unterwegs sind, als mit dem Auto in der Hälfte der Zeit dort hin zu kommen. Ich hingegen liebe Bus fahren. Was man da alles sieht und erlebt und dann fahren in die Richtung auch noch die coolen Doppelstockbusse, wo ich fast immer oben ganz vorn einen Platz bekomme. Das kann dir im Auto keiner geben. Na jedenfalls komme ich erst gegen 12 in Sooke an. Die Fahrt hier her ist allerdings sehr ansehnlich, da ein Teil der Strecke an den vers. Buchten entlang führt, die alle einfach nur traumhaft aussehen, wie ein Werbeplakat für Kanada.

Meine Endhaltestelle – Downtown Sooke, falls man die 10 Geschäfte so bezeichnen kann. Von dort geht es als erstes zum:

Ed MacGregor Park

Der Park an sich ist nichts besonderes aber wenn man dem kleinen Rollstuhlfahrerfreundlichen Holzweg nach unten Richtung Meer folgt, kommt man zu einer Art Seebrücke (mir fällt der passende Name gerade nicht ein). Ein hölzerner Steg, auf dem alle angeln, mitten im Wasser jedenfalls.

Schön ist es hier, auch wenn mir der Sturm fast meine Haare vom Kopf weht und ich Mütze und Kapuze aufsetzen muss. Ich schaue den Anglern zu, die Krabben fischen. Den gierigen Möwen gefällt das und so findet man neben jedem Angler auch eine Möwe.

Alles sieht hier einfach schon wieder so „schrecklich“ kanadisch aus. Warum ist das so? Es sind doch eigentlich nur Bäume, Meer und ein paar Boote, dennoch würde wohl ziemlich jeder sofort sagen, dass ist Kanada. Ich liebe diesen stereotypen Kanadaanblick jedenfalls so sehr, dass mir jedes Mal die Tränen in den Augen stehen und mein Bauch vor Glück fast platzt. Es ist und bleibt das schönste Land der nördlichen Hemisphäre!

Von dort geht es ca. 2 km an der recht befahrenen Straße entlang, die zumeist keinen Fußweg hat, was mal wieder verdeutlicht, dass hier wohl noch nie jemand auf die Idee gekommen ist von der Innenstadt hier her zu laufen.

Zum Glück sind die letzten ca. 1,5 km entlang einer kleineren weniger befahrenen Straße die genau endet am

Whiffin Spit

Keine Ahnung wer oder was Whiffin ist aber der hat da jedenfalls hingespuckt (laut wortwörtlicher Übersetzung) und nun gibt es eine sehr lange Landzunge mitten ins Meer. Um genau zu sein, ca 1,5 km lang. Von weitem sieht das Ganze jedenfalls aus als wenn es eine Brücke bis nach East Sooke wäre, denn allzu weit ist das wirklich nicht mehr. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht mal den kompletten Weg bis ans Ende gelaufen bin, denn ich hatte zum einen nicht so viel Zeit (der Bus fährt nur einmal die Stunde) und zum anderen gibt es heute etwas viel Interessanteres (zumindest für mich). Dazu gleich mehr.

Schon beim ersten Schritt auf die Landzunge wird klar – ich brauche wieder meine Mütze und Kapuze auf meinem Kopf. Ich bin froh, dass ich mir unzählige wärmende Kleidungsstücke angezogen habe um bei der eisigen Luft nicht blau anzulaufen.

Wenn man nach links schaut, hat man einen schönen Blick auf Sooke und seine vielen kleinen einzelnen Häfen. Beim Blick nach rechts landet man in wenigen Kilometern (so scheint es zumindest – es sind ungefähr 40 km) im Bundesstaat Washington in den USA. Ich finde es nach wie vor einfach nur unheimlich faszinierend, dass wir nur durch eine schmale Wasserstraße von den USA getrennt sind, geografisch sogar schon mit drin liegen würden, wenn man eine gerade Grenzlinie ziehen würde und das man dennoch dort nicht hin kann. Irgendwie frustrierend, denn auch wenn ich kein USA Fan bin, hätte ich mir z.B. Seattle, was mit der Fähre in nur 2 h zu erreichen wäre, gerne mal angesehen. In diesen Zeiten muss ich mich mit einem Blick auf die 2000ender Berge begnügen.

Überall liegen mal wieder Unmengen an Treibholz, wovon vieles sehr fotogen aussieht. Die letzten bunten Punkte, wie Blumen oder Hagebutten zeichnen den Herbst in seinen schönsten Farben.

Ich kämpfe mich gegen den Wind weiter Richtung Spitze als ich auf einmal lustige sehr bekannte Geräusche vernehme….Das klingt doch nicht etwas wie Seelöwen?! Und tatsächlich – im Meer sehe ich eine kleine Flosse mir zuwinken und bei näherer Betrachtung sehe ich 3 faule Seelöwen dort herum lungern und fröhlich vor sich hin „jaulen“ (keine Ahnung wie man das lustige Seehundgeräusch besser beschreiben sollte)

Ich gehe ein Stück weiter auf die zum offenen Meer hingewandte Seite der Landzunge und auf einmal ist es komplett windstill und durch die Sonne sogar richtig warm. Herrlich! Noch herrlicher wird es als ich entdecke, dass da nicht nur 3 faule Seelöwen am Start sind sondern noch mindestens 20 andere die gerade mit jagen beschäftigt sind. Die Möwen kreisen über ihnen um eventuell Fischreste abstauben zu können. Was für ein Anblick.

Auf einmal kommt ein Hund fröhlich den Strand entlang gerannt und entdeckt 2 der Seelöwen und sie entdecken scheinbar ihn, denn beide Parteien sind plötzlich total aufgeregt und nähren sich langsam an. Der Hund springt ins Wasser, leider pfeifft ihn sein Frauchen zurück, sonst hätte ich vielleicht Zeuge einer Herzschmelzenden Seehund – Landhund Begegnung werden können.

So werde ich „nur“ Zeuge wie ein massives Alttier langsam am Strand entlang schwimmt, während im Hintergrund die Jungspunde sogar richtige Kunststücke vollführen, wie einen eleganten Rückwärtssalto. Ich könnte Stunden in der warmen Sonne sitzen und mir die aufgeregte Horde Seelöwen und Möwen ansehen. Ich habe heute übrigens auch etwas gelernt, denn meine kanadische Mama wollte nicht glauben, dass es Seelöwen waren, weil die eher selten in Menschennähe kommen. Aber ich habe dank vers. Internetseiten gelernt, dass Seelöwen diese lustigen Geräusche machen und Seehunde nicht. Das Seelöwen Öhrchen haben und Seehunde nicht. Und generell sehen Seelöwen viel wuchtiger aus als ihre lieblicheren Artgenossen. Und die Wuchtbrummen die ich da heute sehen konnten, waren eindeutig Löwen und nicht „nur“ Hunde.

Leider heißt es nach einer Stunde Wildlife Sichtung dann wieder Abschied nehmen, denn ich muss noch fast 3 km laufen um zur nächst gelegenen Bushaltestelle zu kommen und da ich mich schwer von den ganzen tollen Aussichten trennen kann, muss ich am Ende noch rennen um meinen Bus (wir erinnern uns, fährt nur einmal die Stunde und braucht 2 h zurück) zu erwischen.

Fazit

Auch wenn die An- und Abreise äußert lang waren und ich gar nicht so viel Zeit hatte, hat sich der Ausflug absolut gelohnt. Tolle Wildlifemomente gehabt, 14 km gelaufen, Kanada wie es lebt und jeder liebt gesehen, die Sonne genossen und glücklich gewesen.

Für einen Tagesausflug ist Whiffin Spit eigentlich ein bisschen zu wenig aber wenn ihr mit dem Auto unterwegs seid, dann könnt ihr auch gleich noch die Potholes oder East Sooke unsicher machen.


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